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Der See wird steuerbar: Voraussichtlich ab 2020 sollen in Gmund die Voraussetzungen für den Hochwasserausgleich geschaffen werden. Der Pegel lässt sich dann vor einer Flut um 20 bis 30 Zentimeter absenken.

Behörde gibt Zeitplan bekannt

Hochwasserschutz an Mangfall: Baustelle bis 2024

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Gmund - Vier Jahre Bauzeit für einen 20 bis 30 Zentimeter niedrigeren Wasserspiegel: Was nach einer schlechten Rechnung klingt, könnte die Tegernsee-Anrainer im Zweifel vor Millionenschäden bewahren. 

Dass es schnell gehen wird mit dem Hochwasserausgleich am Tegernsee, damit hatte in der Arbeitsgruppe ohnehin niemand gerechnet. Insofern hielt sich die Ernüchterung bei den Mitgliedern in Grenzen, als das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim bei der dritten Sitzung den vorläufigen Zeitplan für die Baumaßnahme am Tegernsee-Abfluss in die Mangfall bei Gmund vorstellte. „Da hat sich eigentlich niemand Illusionen gemacht“, berichtete Rottachs Dritte Bürgermeisterin Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) nun im Gemeinderat.

Trotzdem zuckte der eine oder andere am Ratstisch zusammen, als die AK-Vertreterin die voraussichtliche Bauzeit nannte: vier Jahre – das mindestens zweijährige Genehmigungsverfahren nicht eingerechnet. Vor 2024 sei mit einer Fertigstellung nicht zu rechnen. Das Problem ist die Natur. In den hochwassergefährdeten Monaten von Mai bis September sind keine Arbeiten möglich. „Die machen die halbe Mangfall zu“, erklärte Schultes-Jaskolla. Nicht auszudenken, wenn da eine Flutwelle durch das verengte Flußbett schießt.

Das technische Verfahren ist komplex. Wie berichtet, soll im Falle eines angekündigten Hochwassers der Seespiegel präventiv abgesenkt werden. „Dadurch gewinnen wir Volumen“, erklärt Christoph Wiedemann, Leiter der Bauplanung am Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Ein Einlaufwerk gut 30 Meter nördlich des Mangfallstegs in Gmund saugt das Wasser an und leitet es in eine Druckleitung. Diese führt erst am linken, dann am rechten Ufer entlang und mündet 600 Meter flussabwärts ins Schuhmacherwehr, wo die Fluten kontrolliert abgelassen werden.

Von außen zu sehen sind nur das fünf mal drei Meter große Haus des Einlaufwerks und das Schuhmacherwehr. Letzteres wird zwar neu gebaut, aber am Ende nicht größer als der jetzige Bestand ausfallen, versichert Wiedemann. Die Leitung und die gesamte Technik würden unter der Mangfall verlaufen. Die Beeinträchtigungen für das Landschaftsbild seien also minimal – wenn alles fertig ist.

Bis dahin aber müssen sich die Gmunder auf eine „unvorstellbare Baustelle“ einstellen, wie es Schultes-Jaskolla formulierte. „Die könnte man vielleicht sogar als touristische Attraktion vermarkten“, sagte sie. Auch Wiedemann spricht von einem „ziemlichen Eingriff“. Kopfzerbrechen bereitet den Ingenieuren vor allem das Flussbett der Mangfall. Das besteht in Seenähe aus Ton, weiter unten aus Schmelzkies. „Seeton gibt permanent nach“, erklärte Schultes-Jaskolla. Keine guten Voraussetzungen für eine zweieinhalb Meter hohe und viereinhalb Meter breite Betonleitung. Also muss der Ton mit einer Spezialmaschine ausgebaggert, müssen Spundwände in den weichen Untergrund gedrückt und schließlich die Ausschachtung versteift werden. Besonders kritisch: der Übergang zwischen Ton und Kies. Und das alles im Wasser.

Auf was sich die Anwohner im Detail einstellen müssen, steht noch nicht fest – genausowenig wie die Kosten. Das Wasserwirtschaftsamt werde aber zeitnah und umfassend informieren, kündigt Wiedemann an. Die Kooperationsbereitschaft im Arbeitskreis, in dem neben Bürgern auch Vertreter des Vereins „Rettet den Tegernsee“ sowie von Fischerei, Schifffahrt und Papierfabrik sitzen, sei groß. „Die Stimmung ist gut“, bestätigt Schultes-Jaskolla.

Das war auch im Rottacher Gemeinderat zu spüren. Kein Wunder, schließlich könnte der Hochwasserausgleich auch hier die Seeanrainer vor Überschwemmungen bewahren. Könnte, wie Wiedemann betont. „Das ist kein Hochwasserschutz.“ Trotzdem würde ein 20 bis 30 Zentimeter niedrigerer Wasserspiegel im besten Fall Schäden in Millionenhöhe verhindern. Da nimmt man eine vierjährige Unterwasserbaustelle gerne in Kauf. 

Beim angekündigten Dauerregen werden bei vielen ohnehin Erinnerungen an das schlimme Hochwasser Anfang Juni 2013 wach.

sg

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