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Reges Interesse: Bürgermeister Johannes Hagn (r.) begrüßte die Besucher und Künstler bei der Eröffnung der 69. Tegernseer Kunstausstellung.

Vernissage im Alten Schalthaus

So bewegt die 69. Tegernseer Kunstausstellung die Gemüter

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Mit mehr politischer Aussage, mehr kontroversen Diskussionen über einzelne Kunstwerke und mehr Skulpturen als bisher ging die 69. Tegernseer Kunstausstellung im Alten Schalthaus an den Start. Das Interesse ist groß.

TegernseeDas Kunstwerk, das die 69. Tegernseer Kunstausstellung dominiert, ist die Spiegelinstallation aus Edelstahl und Bronze der jungen Reichersbeurer Künstlerin Antonia Leitner. Die Schülerin von Otto Wesendonck, der im Freien vor dem Alten Schalthaus die Großplastik „Auf riskanter Höhe“ zeigt, stellt nach ihren Erfolgen bei der Kulturherbst-Ausstellung und der letzten Gmundart erstmals in Tegernsee aus.

Leitners Installation hängt sehr präsent an der Stirnseite des zweiten Ausstellungsraums und gewinnt unweigerlich jeden Ausstellungsgast mit dessen eigenem Spiegelbild für sich. Es integriert den Betrachter quasi ins Kunstwerk, das aus einer von der Decke hängenden Skulptur – ähnlich einem Stück einer zerbrochenen, antiken Säule, das Knochen- oder Flügelstrukturen im Inneren freigibt – und einer nicht realen, scheinbar schwebenden, ufoähnlichen Reflexion der ersten Skulptur besteht. Auch wenn die Installation nach Ansicht der Künstlerin in einem abgedunkelten Raum besser zur Geltung käme, so lässt der gewölbte Edelstahlspiegel im Hintergrund die Besucher intuitiv dorthin greifen, wo nichts ist.

Hier finden Sie einen Bericht zur Tegernseer Kunstausstellung 2017

Besucher, ausstellende Kollegen und die Organisatoren waren gleichermaßen fasziniert von dem Objekt, das zwei der Hauptthemen der Ausstellung mit Leichtigkeit verbindet. Zum einen sind Skulpturen auf dem Vormarsch: Stolze 25 Skulpturen, Reliefe und Installationen von zehn Künstlern werden gezeigt. Zwei davon – das „Kleine schwarze Haus“ aus Basalt von Wolfram-Maria Felder und „Phönix“ wechselten schon bei der Vernissage den Besitzer. Erstmals dabei mit ihren Frauen-Terrakottas mit Engobe ist Helga Zellner aus Rosenheim, die voriges Jahr als Gast so begeistert war, dass sie sich gleich bei der Jury für die Teilnahme in diesem Jahr bewarb.

Sorgte für Diskussionen: „Trumps Münder“ von Waltraud Milazzo.

Die meisten der Skulpturen haben eine gesellschaftskritische, politische Aussage – das ist die zweite wahrnehmbare Entwicklung der Kunstwerke, die folglich heiß diskutiert wurden. Wie etwa die „Alternativen Fakten“, eine Installation von Ursula-Maren Fitz, die aus funktionsuntüchtigen Glas-„Attrappen“ von Arbeitsgeräten auf einem Schreibtisch besteht. Waltraud Milazzo schreckt mit „Trumps Mündern“ ab. Die mittlere der drei, nur Nase und Mund des amerikanischen Präsidenten abbildenden Steinplastiken erinnert frappierend an ein Modell eines menschlichen Ringschließmuskels. Das erregte die Gemüter ebenso wie die altmeisterlich gemalten, surrealen Karikaturen von Hans Reiser wie „To pig to fail“ und „Aus da Bo, Zitronamo“.

Neue, junge Impulse in der Malerei setzten Suse Kohler mit ihrem Portrait „Bayerische Frieda“ und Jan Köhnholdt aus Hamburg mit seinen riesigen, bunten und plakativ-emotionalen Gemälden „Kuss“ und „Freudensprung“, ebenso wie Willy Reichert aus Wasserburg mit seinen pudrigen Stillleben und der Gmunder Hans Schneider mit seinen faszinierenden Tegernseer Landschaftsbildern.

Lesen Sie hier: Kunst- und Kulturtage fallen aus

Bei der Vernissage wünschte Bürgermeister Johannes Hagn der Ausstellung viele Gäste, lebendige Diskurse über Kunst, die man sich bis zum 30. September von den ausstellenden Künstlern erklären lassen könne, und freilich reichlich Verkäufe. Hagn dankte den Organisatoren Hans Schneider, Hans Weidinger, Kurt Gmeineder und allen voran Eva Knevels, die ihrerseits die Lebendigkeit der hiesigen Kunstszene hervorhob und sich stolz zeigte, eine so harmonische Kunstschau aus all den unterschiedlichen Kunstwerken geschaffen zu haben.

Übrigens: Nachdem 2017 die Kalterer Künstler in Tegernsee ausstellten, wird die 69. Tegernseer Kunstausstellung am 7. November in Kaltern ein zweites Mal eröffnen. Diese Kunstausstellung dauert dann bis 18. November. Bürgermeister Hagn erklärte, er hoffe, auch dort viele der Kunstfreunde wieder zu sehen.

Die teilnehmenden Künstler

Die Werke folgender Künstler gibt es in Tegernsee zu sehen: Klaus Altmann, Kathrin André, Heidi Barnsdorf, Konrad Broxtermann, Priska Büttel, Wolfram-Maria Felder, Ursula-Maren Fitz, Klaus-Peter Frank, Christl Franz-Hennessy, Hilo Fuchs, Kurt Gmeineder, Tutti Gogolin, Werner Gruss, Sibylle Guttenberg, Andreas Hars, Irnberg, Peter Keck, Eva Knevels, Suse Kohler, Jan Köhnholdt, Antonia Leitner, Riccardo Milazzo, Waltraud Milazzo, Willy Reichert, Hans Reiser, Hans Schneider, Brigitte Siebeneichler, Sopi von Sopronyi, Hans Weidinger, Otto Wesendonck, Ekaterina Zacharova und Helga Zellner.

ak

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