Abgeschottet sind die Schützlinge des Kinderdorfs Puerto Rico. Wann wieder Missionare auf Zeit kommen dürfen, ist ungewiss.
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Abgeschottet sind die Schützlinge des Kinderdorfs Puerto Rico. Wann wieder Missionare auf Zeit kommen dürfen, ist ungewiss.

Nach Rückhol-Aktion

Im Kinderdorf fehlen die Missionare aus Deutschland

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Als Corona Argentinien erreichte, musste Pfarrer Walter Waldschütz fünf Missionare auf Zeit aus dem Kinderdorf zurückholen. Dort werden die jungen Helfer sehr vermisst.

Puerto Rico/Tegernsee – Seit 30 Jahren gibt es das Kinderdorf Hogar Jesus Nino in Puerto Rico, einem Ort in der argentinischen Provinz Misiones. Offizielle Trägerin ist die Kolpingfamilie von Puerto Rico, unterstützt wird die Einrichtung von der Pfarrer-Walter-Waldschütz-Stiftung. Sie konnte viele Paten und Spender fürs Kinderdorf gewinnen. Aber es kommt nicht nur Geld aus Deutschland, sondern auch tatkräftige Hilfe. Schon seit 1995 sendet Waldschütz Missionare auf Zeit aus, die meist ein Jahr lang ehrenamtlich Dienst tun. Es gab keine Unterbrechung, bis das Coronavirus die Welt erfasste. Ende März musste Waldschütz fünf Missionare auf Zeit zurückholen. Wie berichtet, gelang dies in letzter Minute, auch dank der Unterstützung des CSU-Bundestagstagsabgeordneten Alexander Radwan.

Kinder vermissen die jungen Leute aus Deutschland

Die jungen Helfer – dazu gehörten Elisabeth Raßhofer aus Gmund und Julius Larrasser aus Rottach-Egern – kamen sicher zu Hause an. Aber im Kinderdorf, Heimat für derzeit 32 Mädchen und Buben, fehlen sie. „Die Kinder vermissen sie sehr und wir Erwachsenen auch“, berichtet Kinderdorf-Leiter Raimundo Hillebrand. Die Arbeit der jungen Menschen aus Europa sei sehr wichtig für die Kinder, die teils aus schwierigsten Familienverhältnissen stammen. Nicht, weil ihre Betreuung sonst nicht gewährleistet wäre. Dafür sorgen die vier Hausmütter und weitere Angestellte. Die Missionare sind nicht fürs ganz Alltägliche da, sondern für ein Plus an Spaß, Sport und Spiel. Vor allem sind sie auch Vorbild. „Viele Kinder werden von ihnen inspiriert“, erklärt Hillebrand.

Waldschütz würde gern schnell wieder Missionare ins Kinderdorf schicken. „Aber im Moment ist überhaupt nicht absehbar, wann das wieder möglich ist“, meint der Monsignore. Auch wenn die Pandemie die Provinz Misiones bislang vergleichsweise gelinde erwischt hat. In der Region verzeichne die Statistik 41  Erkrankungen und drei Todesfälle, berichtet Waldschütz. In Puerto Rico selbst gab es noch keinen Fall. Aber wann es Entwarnung gibt und junge Menschen unbesorgt nach Argentinien reisen können, lässt sich derzeit nicht sagen.

Programm ist auf unbestimmte Zeit ausgesetzt

„In der Warteschleife haben wir noch Leute“, meint Pastoralreferentin Maria Thanbichler, die dem Stiftungsvorstand angehört. Junge Menschen, die demnächst ihren Dienst hätten antreten wollen. Neue Bewerbungen, so Thanbichler, nehme die Stiftung angesichts der Umstände derzeit nicht an.

Für gewöhnlich sind fünf Missionare auf Zeit gleichzeitig in Puerto Rico eingesetzt. Drei im Kinderdorf, zwei auf dem Campo, einer landwirtschaftlichen Experimentierfläche. Die Schützlinge des Kinderdorfs treffen die Corona-Beschränkungen hart. Wegen des Virus sind sie weitgehend abgeschottet. Sie können nicht zur Schule gehen, Verwandte sie nicht besuchen. „Es ist schon sehr fad“, weiß Pfarrer Waldschütz. Ein Lichtblick ist das Engagement der Kolpingjugend von Puerto Rico. Sie helfen bei Wochenendveranstaltungen und beim Sprachunterricht, berichtet Kinderdorfleiter Hillebrand. Zudem gibt es da noch Amanda. Sie hat selbst im Kinderdorf gelebt, es aber eigentlich schon verlassen. Doch zwei Schwestern wohnen noch dort. „Sie arbeitet fast täglich mit den Kindern in Spiel und Sport“, erklärt Hillebrand. Mehr Helfer wären auch nicht erlaubt: „Aufgrund der Besuchsbeschränkungen können wir keine Personen im Heim aufnehmen, die für die Betreuung der Kinder nicht unbedingt erforderlich sind“, meint Hillebrand.

Die Hausmütter, „Tías“ genannt, sind in diesen Zeiten noch mehr gefordert als sonst. An schönen Sonntagen, schildert Hillebrand, spazieren sie jetzt gern mit den Kindern durch die Stadt. Es bedeutet ein wenig Normalität, wie Hillebrand deutlich macht. „Es ist sehr beruhigend für die Kinder, dass sie in die Stadt zurückkehren können, um Schaufenster zu betrachten und ein Eis zu essen.“

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