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Ein Spielsalon mit Cafébar soll in dem Haus an der Hauptstraße (l.) eröffnen. Evi Bertele-Busse und andere Nachbarn wehren sich dagegen.

Mitten in Tegernsee

Nachbarn wehren sich gegen Spielothek

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Tegernsee - Nicht nur die Stadt wehrt sich gegen eine geplante Spielothek an der Hauptstraße – jetzt protestieren auch die Nachbarn.

In einem Brief an Bürgermeister Johannes Hagn protestieren Evi Bertele-Busse und Ursula Bertele vehement gegen die Pläne der BCE Immobilien GmbH aus Göppingen. Wie berichtet, will das Unternehmen in den Räumen der ehemaligen HypoVereinsbank eine Spielothek mit Billard und Cafébar einrichten. Genehmigungsfähig oder nicht? Darüber wird demnächst das Verwaltungsgericht entscheiden.

„Gemeinsam mit unseren Nachbarn lehnen wir das Vorhaben grundsätzlich ab“, schreiben die Berteles. Ihr Geschäftshaus mit acht Wohnungen und der seit fast 130 Jahren bestehenden Goldschmiedewerkstatt steht gleich nebenan.In dem Schreiben ist von „größten Bedenken“ die Rede, „auch in Punkto Sicherheit.“ Zudem befürchten die Inhaberinnen Ruhestörungen oder sogar Polizeieinsätze. „Sicher muss das nicht sein, aber es kann.“ Zudem wird befürchtet, dass eine künftige touristische Nutzung des angrenzenden Seegrundstücks der Bayerischen Versicherungskammer unter einer Einrichtung wie der Spielothek leiden würde. Der Appell an Bürgermeister Hagn und den Stadtrat: Sie mögen sich eindringlich gegen die Spielothek wehren und sich stattdessen für eine schöne und homogene Geschäfts- und Wohnwelt Tegernsee einsetzen.

Die Stadt hat sich schon gewehrt: Dreimal hatte sie den Antrag der Projektentwickler aus Baden-Württemberg abgelehnt, obwohl die Pläne immer wieder überarbeitet und abspeckt wurden.

Die Stadt stützt ihre Argumentation darauf, dass sich das Haus in einem Mischgebiet mit überwiegender Wohnnutzung befinde, in dem eine Spielothek nicht genehmigungsfähig ist. Dafür hatte sie das Gebiet zwischen dem Café Kreutzkamm und dem Alpbach genau untersucht.

BCE-Geschäftsführer Karl Stradinger sieht das anders. Auch er hat an der Hauptstraße gezählt und glaubt, dass Gewerbe überwiegt. Das Landratsamt Miesbach steht hinter ihm. „Jeder zählt auf seine Weise“, sagt Hagn und verweist darauf, dass etwa Rechtsanwälte und andere Freiberufler keine Gewerbesteuer zahlen und daher auch nicht als Gewerbe zählen. Und genau davon gibt es einige an der Hauptstraße. Auch sei zu beachten, wie groß der Umgriff ist, in dem gezählt wurde – also eine Häuserzeile oder zwei.

Nicht nur Familie Bertele wehrt sich. Von einer Unterschriftenaktion, die demnächst starten soll, ist die Rede. Heino von Hammerstein, der in dem betroffenen Wohnhaus eine Kanzlei betreibt und zugleich Vize-Bürgermeister der Stadt Tegernsee ist, betont: „Eine Spielothek entspricht wirklich nicht unseren Wünschen.“ Martina Drexlmaier, Inhaberin des Modegeschäfts Tendenz, hält eine Spielothek für „nicht förderlich“ für die Attraktivität der Hauptstraße. „Ein schicker Laden wäre gut“, sagt Drexlmaier, „dafür müsste der Besitzer aber Geld in die Hand nehmen und das Haus entsprechend umbauen.“

Nun soll wird ein Richter entscheiden. Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest. „Augenblicklich können wir können nichts mehr machen“, bedauert Hagn. „Die Angelegenheit liegt vor Gericht. Die Kugel ist quasi am Laufen.“ Dennoch sei der Protest ein wichtiges Signal. „Damit wissen wir, dass wir richtig entschieden haben.“ 

gr

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