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Der Bau des E-Werks in Weißach. Das Foto entstand im Jahr 1896.

Großer Rückblick auf die Geschichte eines besonderen Unternehmens

120 Jahre E-Werk Tegernsee: Wie damals alles anfing

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Tegernsee – Das E-Werk Tegernsee legte eine Erfolgsgeschichte hin, von der vor allem Tegernsee, aber auch das ganze Tal profitiert. Das Jubuiläum wird am Wochenende groß gefeiert.

Um das E-Werk beneiden viele Kommunen die Stadt Tegernsee. Es ist fest in der Region verwurzelt, stellt einen anerkannten Dienstleister mit kurzen Wegen und real existierenden Ansprechpartnern fernab üblicher Call-Center dar, ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und sorgt dafür, dass sich Tegernsee die ein oder andere Investition leisten kann. 

Wie alles anfing: Ein Holzhändler und eine Glühbirne

E-Werk-Gründer Carl Miller, eigentlich Holzhändler.

Dabei trägt das E-Werk bis heute den Namen jenes Mannes im Namen, mit dem alles begann: Carl Miller. Der Holzhändler, Besitzer der Hammerschmiedsäge im Kreuther Ortsteil Weißach, war ein ebenso visionärer wie mutiger und pragmatischer Mann. Am 10. Februar 1896 ließ er vor staunendem Publikum im damaligen Tegernseer Steinmetzsaal zu Demonstrationszwecken eine Glühbirne erstrahlen. Sie bezog ihre Energie aus einem provisorisch aufgestellten Dynamo, der vom Alpbachwasser der Staudachersäge in hundert Metern Entfernung angetrieben wurde.

Das erste Kraftwerk am Tegernsee

Die Vorführung wirkte: Nur knapp ein Jahr später brannten bereits in 80 Tegernseer und Rottacher Häusern Glühbirnen. Der Strom stammte aus dem in Rekordzeit realisierten Weißach-Wasserkraftwerk der neu gegründeten Weißach-Tegernsee GmbH. Ihr gehörten neben Carl Miller und seinen Brüdern auch die Weißacher Bachmair-Brüder sowie die damalige Gemeinde Tegernsee an. Das Weißach-Werk gibt es übrigens bis heute - und arbeitet dank einer riesigen Fischtreppe auch noch forellenfreundlich. Auch dank eines anderen Tal-Bewohners, der den Mühlbach zu dem Naturresort gemacht hat, das es heute ist.

Pionierarbeit beim E-Werk: Erstes Seekabel liegt im Tegernsee

In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung tüftelten Verantwortliche und Techniker fast monatlich Lösungen aus, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. 1909 ging das Söllbach-Wasserkraftwerk ans Netz, Engpässe wurden mit Dieselmotoren und Dampfkesseln überbrückt. Regelmäßig überraschte das E-Werk mit Pionierleistungen – darunter mehrere Seekabelverlegungen oder der Bau eines Akkumulatorenhauses mit Trafostationen zum Stromspeichern. 

Ein Anschluss - aber nicht die Aufgabe der Unabhängigkeit

Pionierarbeit: E-Werk-Mitarbeiter verlegen einige der ersten Seekabel überhaupt.

Den Verantwortlichen war bewusst, dass das Tal langfristig nicht ohne Stromlieferungen auskommen würde. Und so kam es 1939 zum Vertragsabschluss mit den damaligen Amper-Werken. In Folge konnten die Amper-Werke ihren Strom in das Tegernseer Netz einspeisen. Das Netz selbst und sämtliche dazugehörige „Hardware“ blieben aber in Tegernseer Hand.

Das Unternehmen heute: Ringschluss nach 120 Jahren

Ende 2015 bestand das Gesamtnetz aus 126 Kilometern Mittelspannungskabel, 37 Kilometer Niederspannungsfreileitung, 346 Kilometern Niederspannungskabel, 179 Kilometer Straßenbeleuchtungskabel, vier Schalthäusern und 133 Trafostationen. Im Januar 2017 wird das Gmunder Netz dazukommen.

Zum E-Werk gehört die Vertriebs KG, die inzwischen 3000 Kunden außerhalb des eigenen Netzgebiets mit Tegernseer Strom versorgt. Für die Tegernseer Kur- und Versorgungsbetriebe (TKV), einem 100-prozentigen Eigenbetrieb der Stadt, übernimmt das E-Werk die kaufmännische und technische Betriebsführung. 

Und so sieht's heute aus: Weißach-Werk mit Fischtreppe.

Die Tegernseer Erdgasversorgungsgesellschaft mbH (TEG) wurde schon 1988 gegründet. Gesellschafter sind zu gleichen Teilen das E-Werk und die Energie Südbayern GmbH (ESB). Das Netz an Unternehmen rund um den starken Mutterkonzern E-Werk macht die Tagernsee Bahn Betriebs GmbH (TBG) komplett. Sie gehört zu 45 Prozent zu den TKV.

Persönlich haftender Gesellschafter ist die Stadt Tegernsee mit ihrem Bürgermeister Johannes Hagn. „Wir sind heilfroh, dass es diesen gesunden, zukunftsfträchtigen Wirtschaftsbetrieb der Stadt gibt“, sagt Vize-Rathauschef Heino von Hammerstein. Verständlich, denn von den Gewinnen profitieren die TKV zu 97,96 Prozent. Der Löwenanteil der Gewerbesteuer bleibt zwar im Tegernseer Haushalt, doch gemäß einer „Zerlegungsvereinbarung“ bekommen auch alle anderen Talgemeinden einen Anteil. „Wir haben diese Solidarität nie in Frage gestellt“, sagt Hammerstein mit Blick auf Bad Wiessee und den dort angezettelten Streit um die Spielbank-Abgabe.

Direktor Norbert Kruschwitz (69), der seit 20 Jahren an der Spitze eines 38-köpfigen Teams steht, zieht zum Jubiläum eine zufriedene Bilanz: „Es war eine sehr weitsichtige Entscheidung der Stadt im Jahr 1939, das E-Werk zu kaufen.“ In früheren Jahren habe die Stadt noch Überschüsse auf ihr Konto überwiesen. „Doch das ist längst nicht mehr der Fall“, weiß Kruschwitz. Und dennoch: Viele städtische Vorhaben sind bei den TKV angesiedelt, „aus steuerlichen Gründen“, erklärt Kruschwitz. Als Beispiel nennt er den Bau der Seesauna, die Sanierung des früheren Hallenbads und den Kauf der Bahnstrecke durch die TBG.

Kruschwitz ist jedenfalls stolz auf die 120-jährige Geschichte. Im Herbst tritt er ab – dann hinterlässt er seinem Nachfolger ein „vorzeigbares Unternehmen.“

Das Fest-Programm auf der Point

Freitag, 27. Mai: Die Cuba Boarischen spielen ab 20 Uhr auf der Point. Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Samstag, 28. Mai: Von 10 bis 16 Uhr steigt ein Familientag. Auf Kinder warten Experimente zum Thema Energie. Erwachsene erfahren alles über das E-Werk, Photovoltaik und Blockheizkraftwerke, über E-Mobilität und Erdgas-Autos. Auch ein Segway-Parcours ist aufgebaut. Ab 20 Uhr stehen die Wellküren auf der Bühne. Einlass ist um 18 Uhr bei freier Sitzplatzwahl. Es gibt noch Restkarten zum Preis von je zwölf Euro.

Sonntag, 29. Mai: Ab 9.30 Uhr großer Festtag. Los geht’s mit einem Weißwurstfrühstück mit musikalischer Umrahmung. Zahlreiche Ehrengäste haben sich angesagt, unter anderem Ministerin Ilse Aigner, die um 10.45 Uhr ein Grußwort spricht. Um 12 Uhr ist ökumenischer Festgottesdienst, umrahmt von den Sunshine Gospels.

gr

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