Hauptsächlich mit Marihuana, aber auch mit Ecstasy und Amphetamin handelte ein 23-jähriger Kreuther, der sich nun vor Gericht verantworten muss (Symbolfoto).
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Hauptsächlich mit Marihuana, aber auch mit Ecstasy und Amphetamin handelte ein 23-jähriger Kreuther, der sich nun vor Gericht verantworten muss (Symbolfoto).

Start von Rauschgift-Prozessen

Junger Kreuther (23) vor Gericht: Jähes Ende der „Drogen-Boss“-Karriere

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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Als ihm sein Dealer Salat und Schokolade statt Marihuana und Haschisch andrehte, hatte ein 23-jähriger Kreuther die Nase voll von den Drogen. Da aber waren Fahnder ihm – und anderen – schon auf der Spur.

Kreuth/Tegernseer Tal – Vor dem Landgericht München II hat ein Drogen-Prozess gegen einen 23-jährigen Dealer begonnen. Das Verfahren ist der Auftakt einer Reihe von Rauschgift-Prozessen, die das ganze Dilemma einer rasant gestiegenen Drogensituation im Tegernseer Tal aufzeigen. Drahtzieher waren zwischen 2019 und 2020 zwei Männer – eben jener junge Einheimische und ein Zugereister aus Frankfurt.

Junger Dealer ließ sich statt Drogen Salat und Schokolade andrehen

Der 23-Jährige gestand über seinen Verteidiger Marc Zinka die Vorwürfe. Demnach hatte der Angeklagte vornehmlich mit Marihuana, Ecstasy und Amphetamin gehandelt. Laut Anklage setzte er in besagter Zeit vier Kilo Marihuana und 1,5 Kilo Amphetamin um. Er verkaufte auch an Minderjährige. Als er im März 2020 noch einmal ein Kilo Marihuana und ein halbes Kilo Haschisch erwerben und sich stattdessen Salat und Schokolade andrehen hatte lassen, beendete er nach eigenen Angaben seine Dealer-Tätigkeit.

Drogen-Dilemma begann mit der Trennung von der Freundin

Seine unrühmliche Karriere hatte mit der Trennung von der Freundin begonnen. Über die kam der Kreuther im März 2019 nicht hinweg. Er haute sein Vermögen auf den Kopf, ließ seine Ausbildung schleifen. Als er dann doch wieder Kontakt zur Ex bekam, stellte er fest, dass sie Drogen nahm – und probierte es auch. Ecstasy, Kokain und Marihuana, der 23-Jährige konsumierte immer mehr. Er begann, sich selbst Drogen zu beschaffen und lernte den Frankfurter kennen. „Der erste Auftritt war eindrucksvoll. Er war nicht so der Stereotyp, den man im Tegernseer Tal antrifft. Er war sehr ernst und bedacht und wusste, wie das Leben läuft“, erinnerte sich der Angeklagte. Der Frankfurter half ihm über den Liebeskummer hinweg. Der Kreuther empfand die Beziehung als „gute Freundschaft“.

Angeklagter: „Es hat sich wie im Krimi angefühlt“

Neben der emotionalen Konfliktbewältigung sprachen die Männer auch über das Geschäft. Offenbar stellte der Fremde ziemlich schnell fest, dass der Kreuther über gute Kontakte verfügte. Mit seiner eignen Verbindung zur Frankfurter Drogenszene fühlten sich die beiden plötzlich wie die „Bosse“ im Tegernseer Tal. „Es hat sich wie im Krimi angefühlt“, erinnerte sich der Angeklagte und gab zu: „Es war eine schöne Zeit, es hat mir Spaß gemacht, auch vom Gefühl, ich war nicht immer traurig.“

Doch irgendwann wurde der Fremde immer mächtiger, versuchte, den Kreuther außen vor zu lassen. Das Verhältnis wurde schwieriger, der 23-Jährige wollte aufhören, hatte sich bereits in eine Therapie begeben, weil er erkannte, dass Drogen nicht seine Zukunft sein konnten. Nach der Salat-Abzocke stieg er aus. Doch da waren die Fahnder ihm und seinen Kollegen schon längst auf der Spur. Im August 2020 wurden die Männer festgenommen. Jetzt müssen sie als Zeugen in verschiedenen Verfahren aussagen. Der Prozess dauert an.

wal

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