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Die Wunden sind noch frisch.Hier standen 74 Bäume und Großsträucher.  

Landratsamt weist Begründung mit Wegesicherheit zurück 

Kahlschlag: Herzogliches Haus in Erklärungsnot 

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Mit der Notwendigkeit, einen Spazierweg zu sichern, hat das Herzogliche Haus den Kahlschlag an der Point begründet. Das Landratsamt weist dies zurück. Es droht ein hohes Bußgeld.

Tegernsee– Warum nur hat das Herzogliche Haus auf seinem Grundstück an der Point gleich 74 Bäume und Großsträucher abrasieren lassen? Eine Frage, die viele bewegt. Auch das Landratsamt Miesbach verlangte als Untere Naturschutzbehörde Auskunft (wir berichteten). Eine erste Stellungnahme der Eigentümer liegt inzwischen vor, wie Birger Nemitz als Sprecher des Landratsamts mitteilt. Demzufolge argumentiert das Herzogliche Haus damit, dass ein naher Weg zu sichern war.

Akzeptieren wird das Landratsamt diese Erklärung nicht. Schon deshalb, weil der Gehölzbestand nicht unmittelbar an einem Weg liegt, wie Nemitz mitteilt. „Das Thema Wegesicherung kann maximal für einzelne Bäume ganz im Westen oder im Norden der Gehölzgruppe gegolten haben“, meint der Behördensprecher.

Ein Kahlschlag, wie an der Point geschehen, lässt sich nach Auffassung der Naturschutzbehörde keinesfalls mit dem Sicherheitsaspekt rechtfertigen. Grundsätzlich gehe man bei einer Wegesicherung immer differenziert vor und entferne nicht den gesamten Baumbestand mitsamt aller Sträucher. „Zur Wegesicherung reicht es in der Regel aus, einzelne Äste oder einen Teil eines Baumes zu entfernen“, erklärt Nemitz. Die Wegesicherung sei im vorliegenden Fall also kein Argument für die durchgeführten Arbeiten.

Abgeschlossen ist das vomLandratsamt eingeleitete Ordnungswidrigkeitsverfahren noch nicht. Das Herzogliche Haus hat wohl Gelegenheit zu einer weiteren Stellungnahme. Mit Verweis auf das laufende Verfahren wollte sich Christian Wagner als Geschäftsführer des Herzoglichen Brauhauses gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. Am Ende des Verfahrens könnte ein Bußgeld in Höhe von bis zu 50 0000 Euro stehen. Wie der Zustand des Gehölzes vor der Fällaktion war, lässt sich rückwirkend kaum beurteilen. Das Herzogliche Haus hatte die Rodung zuvor nicht angezeigt. Erst nachdem alles abrasiert war, dokumentierten die Mitarbeiter des Landratsamts den Zustand auf dem Grundstück neben der Überführer-Hütte.

Der Kahlschlag hat bei vielen Naturfreunden Empörung ausgelöst.Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal hat die Fällaktion auch zum Thema ihres jüngsten Mitgliederbriefs gemacht. Wie mit dem kostbaren Geschenk Bäume umgegangen werde, schreie zum Himmel, heißt es dort: „Es wäre mal wieder Zeit für einen Protestmarsch.“ Die Hoffnung, durch das Volksbegehren wäre die Sensibilität für den Erhalt der Lebensräume von Vögeln und Insekten gewachsen, habe sich hier leider nicht erfüllt. Die Rodung an der Point sei auch noch nach dem 1. März erfolgt, also in einer Zeit, in der schon wegen des Schutzes nistender Vögel keine Fällung erfolgen dürfe. 

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