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Valentin Weimer hat das Kaufhaus des Guten gegründet.

Unterstützung für Kinderdorf

Kaufhaus des Guten: Moralische Konkurrenz für Amazon

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Dem Online-Riesen Amazon setzt der Tegernseer Valentin Weimer sein Kaufhaus des Guten entgegen.  Wer hier kauft, unterstützt das von der Walter-Waldschütz-Stiftung betriebene Kinderdorf in Argentinien.

Tegernsee Der Tegernseer Pfarrer Walter Waldschütz und Valentin Weimer kennen sich gut. Was die Waldschütz-Stiftung in Argentinien leistet, ist dem 18-jährigen Sohn des Verleger-Ehepaars Christiane Götz-Weimer und Wolfram Weimer vertraut: Bekannte erzählten von ihrem Dienst als Helfer im Kinderdorf Hogar Jesus Nino, junge Argentinier waren schon im Gottesdienst zu Gast. Das Kinderdorf ist das perfekte Projekt für die Idee des Verleger-Sohns, dem Internet-Giganten Amazon moralisch Konkurrenz zu machen.

„Amazon ist uns allen ja nicht so richtig sympathisch“, sagt der 18-Jährige. Darum wolle er eine Alternative bieten. „Aber ich möchte nicht dem Buchhändler um die Ecke Konkurrenz machen“, betont Weimer. Um sich mit Amazon messen zu können, ist Weimer eine Kooperation mit Libri eingegangen, einem hauptsächlich im Zwischenbuchhandel tätigen Unternehmen. „Da gab es Kontakte“, meint Weimer. Dank Libri kann das kadegu mehr als sechs Millionen Bücher anbieten, dazu kommen Filme, Musik, Hörbücher und Kalender. Die Preise sind dieselben wie bei Amazon, ebenso die Lieferzeiten. An der Preisschraube lässt sich auch nicht drehen: Es gilt die Buchpreisbindung. Die Gewinnspanne für den Verkäufer ist eher mager, trotzdem gehen beim kadegu pro Artikel zehn Cent ans Kinderdorf.

„Das ist wirklich eine tolle Geschichte“, freut sich Pfarrer Waldschütz. „Sehr seriös und liebevoll aufgemacht“, findet er die Homepage www.kadegu, auf der Valentin Weimer seine Artikel anbietet und das Kinderdorf vorstellt. „Das ist für uns auch Werbung und zusätzliches Sponsoring“, meint Waldschütz.

Nutzen ziehen zweifelsohne beide Seiten. Die bestens etablierte Waldschütz-Stiftung hat ein breites Netzwerk mit vielen Unterstützern: potenzielle Kunden fürs kadegu. Die Idee, aus dem Online-Einkauf eine gute Tat zu machen, kommt auch gut an. Um die 150 Kunden hat das erst Mitte September angelaufene Startup aktuell, 400 Bestellungen wurden getätigt. „Und ich bekomme viele positive Rückmeldungen“, meint Weimer. Es gebe auch eine Kooperation mit dem Tegernseer Gymnasium, was ihn besonders freue. „Es ist schön zu sehen, wie viele uns unterstützen.“

Weimer hofft, dass die Kundschaft noch deutlich wächst. Sein Startup soll Früchte tragen, sich ausweiten. Betreiber ist der 18-Jährige aktuell alleine. Wobei die gesamte Logistik in der Hand von Libri liegt: Mit den Bestellungen und der Auslieferung hat Weimer selbst keine Arbeit. Der Student pflegt die Homepage und rührt in vielen Gesprächen die Werbetrommel fürs junge kadegu.

Pfarrer Waldschütz selbst gehört zur Kundschaft der ersten Stunde. Zwei Bücher hat der Geistliche dort bestellt. „Ich wollte es auch mal testen“, meint der Pfarrer. Und ist mehr als zufrieden: Das Bestellte wurde prompt geliefert.

In den nächsten Wochen will Weimer die erste Spende ans Kinderdorf auszahlen. Wie hoch sie sein wird, kann er derzeit noch nicht sagen – es wird ja laufend bestellt. Die Summe kommt den rund 30 Mädchen und Buben zugute, die im Kinderdorf leben. Die großzügige Anlage bietet Kindern, die ohne Eltern sind, ein Zuhause und eine Zukunft. Pfarrer Waldschütz fährt oft nach Argentinien, um sie zu besuchen – es ist sein Herzensprojekt, für dessen Erhalt er seit fast 30 Jahren sorgt. Umso mehr freut er sich über die Initiative von Weimer: „Es ist schön, wenn innovative junge Leute etwas Gutes tun wollen.“

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