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Wenn Kinder lebensbedrohliche Krankheiten haben, gerät das Leben der Familien aus den Fugen.

Neue Fachstelle geplant

Kinderhospiz sucht einen Platz am Tegernsee

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Tegernsee - Die Tegernseerin Christine Huber kümmert sich um todkranke Kinder aus dem Landkreis. Vor Ort fehlt aber eine Anlaufstelle für die Familien. Das Kinderhospiz München braucht Räumlichkeiten.

Simon* ist erst ein halbes Jahr alt. Da bekommt er die alles verändernde Diagnose: Leukämie. In der Klinik im Münchner Stadtteil Schwabing wird er behandelt. Nicht nur sein Leben verändert der Krebs, die ganze Familie ist davon betroffen. Damit der Alltag dieser Familie aus dem Landkreis nicht noch mehr aus den Fugen gerät, als es eh schon geschehen ist, schaltet sich das Kinderhospiz ein.

Christine Huber wohnt am Tegernsee. Bei der Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“ (siehe Kasten) ist die Kinderkrankenschwester hauptamtlich angestellt. Eine von wenigen. Viele arbeiten dort ehrenamtlich. Huber betreut die Familie von Simon und noch zwei weitere aus dem Landkreis. Alle haben sie ein Kind, mit lebensbedrohlicher oder gar lebenslimitierender Krankheit. „Ich besuche die Familien zuhause und wir telefonieren viel“, erzählt Huber.

Kinderhospiz fängt auch Geschwisterkinder auf

Nur reden hilft nicht immer. Huber packt in den Familien mit an. „Ab der Diagnosestellung betreue ich sie.“ Das kann von Hilfe im Haushalt über psychologische Intervention bis zur Unterstützung bei bürokratischen Herausforderungen je nach Familie ganz unterschiedlich sein. Besonders aber kümmert sich Christine Huber um die medizinische und pflegerische Versorgung.

Auch für Geschwisterkinder ist eine solch lebensbedrohliche Diagnose nicht leicht verdaulich. „Die haben oft große Probleme in Schule und Kindergarten“, erzählt Christine Huber. Sie versucht dann, die Kinder aufzufangen und sie zu unterstützen.

Und wenn die Hilfe ausbleibt? Da hat ihre Chefin Christine Bronner, die Gründerin der Stiftung, schon vieles erlebt. „Zuhause hat sich die Post gestapelt, weil die Eltern Angst hatten, sie zu öffnen“, erzählt die Kinderhospiz-Leiterin. Bürokratie und Rechnungen haben die Eltern überfordert. Manchmal sei es soweit gekommen, dass ein Elternteil den Job aufgegeben hat, um der Lage Herr zu werden. An ungeöffneten Rechnungen ändert das freilich nichts.

Das Hospiz würde die Hilfe gern ausweiten. Doch die Stiftung hat ihren Hauptsitz in München. Für pflegende Angehörige im Landkreis gibt es keine Anlaufstelle. Noch nicht. Wenn genügend Spenden zusammenkommen, könnte es im Landkreis demnächst eine Fachstelle geben, um die Familien vor Ort besser zu unterstützen.

Das Kinderhospiz ist auf Spenden angewiesen

6500 Euro – das kostet die Betreuung einer Familie pro Jahr. Bei rund 200 Fällen in Bayern, davon etwa 120 in Oberbayern, kommt da einiges zusammen. „Jährlich müssen wir 1,3 Millionen Euro über Spenden einnehmen“, erklärt Christine Bronner. Einen Beitrag hat jetzt Michael Herrmann aus Bad Wiessee geleistet. Als sich der Verein „Mia gengan steil“ aufgelöst hat, gingen 1000 Euro an das Kinderhospiz.

Von Michael Hermann (r.) gab es 1000 Euro. Bad Wiessees Bürgermeister Peter Höß (v.l.) war bei der Übergabe an Christine Huber und Christine Bronner dabei.

Als Vater kann Michael Herrmann, Geschäftsleiter der Gemeinde Bad Wiessee ist, gut verstehen, wie es den Eltern im Krankheitsfall eines Kindes gehen muss. „Umso mehr, wenn es sich um eine lebensbedrohliche und möglicherweise unheilbare Krankheit handelt“, fügt er hinzu. Wenn es mehr Leute wie Herrmann gibt, können Eltern im Landkreis davon profitieren.

Wie die Pläne genau aussehen? Bronner sucht derzeit Räumlichkeiten am Tegernsee. Die Fachstelle soll dort eingerichtet werden. „Hier können wir dann Sprechstunden anbieten“, erklärt sie. Geleitet wird die Stelle von Rosenheim aus. „Wir wollen immer ein paar Landkreise zusammenfassen.“ Dazu kommt dann voraussichtlich noch Bad Tölz/Wolfratshausen. Ein entsprechendes Pilotprojekt gibt es derzeit in Inning am Ammersee.

Einen Wunsch hat Kinderhospizleiterin Bronner außerdem: „Ich hätte noch gern mehr Männer im Team.“

*Name von der Redaktion geändert

Über das Ambulante Kinderhospiz München (AKM)

Christine Bronner gründete 2005 gemeinsam mit ihrem Mann Florian die Stiftung Ambulante Kinderhospiz München. Die Stiftung ist ein Beratungs- und Betreuungszentrum für Familien mit schwerst- oder unheilbar kranken Ungeborenen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bis 40 Jahren. Das Ehepaar Bronner ist selbst betroffen, schon früh hat es zwei der fünf eigenen Kinder verloren. Der Dienst verfügt über ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen, Hebammen und Pflegekräften. Hinzu kommen viele ehrenamtliche Familienbegleiter. Zu zwei Dritteln finanziert sich die Stiftung durch Spenden. Nähere Infos gibt es auf der Homepage des Kinderhospiz.

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