Kommunalwahl 2020 Tegernsee Interkommunale Zusammenarbeit
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Gutes Beispiel für die Zusammenarbeit: Seit 2010 befindet sich das zentrale Standesamt aller Talgemeinden in Tegernsee. 

Beispiele aus Sicht der Stadt Tegernsee

So steht‘s um die Zusammenarbeit im Tal

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Wie steht‘s um die interkommunale Zusammenarbeit am Tegernsee? Hier einige gute Beispiele aus Sicht der Stadt Tegernsee und auch solche, wo‘s noch hapert.

Tegernsee – Ein See, fünf Kommunen. Kocht jeder sein eigenes Süppchen? Bisweilen haben die Bewohner des Tegernseer Tals den Eindruck angesichts der Entscheidungen, die ringsum getroffen werden. Dabei gibt es bereits zahlreiche Themenfelder, die von der Stadt Tegernsee sowie den Gemeinden Gmund, Rottach-Egern, Kreuth und Bad Wiessee gemeinsam beackert werden. Ganz nach dem Motto „gemeinsam, nicht einsam“. Am Beispiel Tegernsee erklärt Bürgermeister Johannes Hagn, in welchen Bereichen mit den Nachbarn schon zusammengearbeitet wird – oder auch nicht, wie ein aktueller Fall zeigt.

Badepark

„Wenn alle neuen Stadt- und Gemeinderäte in Amt und Würden sind, dann müssen wir uns mit dem Thema befassen.“ Das war die Meinung des Tegernseer Rathauschefs noch vor einer Woche. Ob es dazu kommt? Vor wenigen Tagen hat die Gemeinde Bad Wiessee im Alleingang beschlossen, den Badepark abzureißen und neu aufzubauen. Die Entscheidung wurde hinter verschlossenen Türen und ohne Absprache mit den anderen Gremien im Tegernseer Tal getroffen. 

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 Bad Wiessee hat damit nicht nur Tegernsee vor den Kopf gestoßen und erneut gezeigt, dass es in Sachen interkommunale Zusammenarbeit noch viel aufzuholen gibt. Wenn es aber um die Finanzierung geht, sucht Bad Wiessee wohl wieder den Schulterschluss. Wie berichtet, schwebt Wiessees Noch-Rathauschef Peter Höß eine Beteiligung an den Betriebskosten für das Schwimmbad vor. „Jeder trifft Entscheidungen anders, Bad Wiessee eben nicht öffentlich“, sagt Hagn, der einräumt, dass er seine Informationen zu dem Thema aus der Zeitung habe. Allerdings sagt Hagn: „Solange Bad Wiessee nicht feste Zahlungen einfordert, kann es beschließen, was es will.“

Spielbank

Auch in Sachen Spielbank und Beteiligung der Tal-Kommunen war von Zusammenarbeit wenig zu spüren. „Ein heikles Thema“, sagt Hagn und erinnert an den Streit, der 2017 vor Gericht endete und der „viel Vertrauen zerstört hat“. Höß hatte 2014 den Geldhahn, sprich die Ausschüttung an die Talgemeinden, zugedreht, weil er der Ansicht war, dass sich die Talgemeinden nachträglich am Bau der neuen Spielbank beteiligen sollten. Ergebnis: 9,8 Prozent des jeweiligen Gemeindeanteils fließen seither an die Kommunen. „Früher wurden 52 Prozent verteilt“, so Hagn.

Standesamt

Ein Parade-Beispiel für gute Zusammenarbeit ist hingegen das zentrale Standesamt, das sich seit zehn Jahren in Tegernsee befindet. Die Fusion war ein sinnvoller Schritt in Hinblick auf Aktenführung und Personal, weil sich seither nicht mehr in jeder Gemeinde die geeigneten Mitarbeiter vielfältiges Wissen aneignen müssen. Tegernsee ist als Hochzeitsstandort wegen seiner traumhaften Kulisse gefragt, auch bei Promis.

Tourismus

Nach der Aufarbeitung von Problemen in der Kommunikation und in den Gremien ist die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) laut Hagn inzwischen wieder gut in der Spur. „Es läuft“, sagt Hagn, Die Tal-Gemeinden sind Gesellschafter, zudem gibt’s einen Tourismusbeirat und mit Christian Kausch einen Geschäftsführer. Hagn nutzt die kurzen Wege vom Rathaus hinüber zum Haus des Gastes für die interne Kommunikation auf der Arbeitsebene.

Bauhof

Braucht wirklich jeder seinen eigenen Unimog? „Wenn ein Fahrzeug defekt ist, helfen wir uns natürlich untereinander aus“, so Hagn. Leihfahrzeuge kommen im Notfall aus Tirol von einer Firma für Kommunalfahrzeuge. Einen Pool zum Abruf von Fahrzeugen hält er nicht für sinnvoll.

Bürgermeister-Runde

Seit 2014 dokumentiert Hagn die regelmäßigen Treffen der Rathauschefs. Dabei werden alle Themen „von Abi-Ball bis Zweckverband“ besprochen. Man sucht nach gemeinsamen Lösungsansätzen, wie das etwa bei der Zweitwohnungssteuer der Fall war. 12,5 Prozent lagen auf dem Tisch, Hagn wollte „keine Syltisierung“ und setzte bekanntlich 20 Prozent durch.

Zusammenarbeit im Tegernseer Tal, die Themenliste ist lang. Ihre Identität will dabei jede Kommune behalten.

Alle Artikel zur Kommunalwahl 2020 finden Sie auf unserer großen Themenseite.

gr

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