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Der Traumblick auf den Tegernsee hat Korbinian Kohler schon als Jugendlicher verzaubert. Jetzt eröffnet er auf dem Grundstück das Clubhaus Bachmair Weissach. Zuvor hatte hier das Café Kreutzkamm seinen Platz.

Interview

Korbinian Kohler und die  Bachmair-Weissach-Welt: Jetzt eröffnet ein Clubhaus am Tegernsee 

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Vor zehn Jahren kaufte Korbinian Kohler mit dem Bachmair Weissach sein erstes Hotel. Jahr für Jahr kamen neue Projekte dazu, von Wallberghaus bis Bussi Baby. Im Interview spricht er über seine Pläne.

Tegernsee – Es war eine Überraschung, als Korbinian Kohler sich vor nun zehn Jahren aus dem Familienunternehmen Büttenpapierfabrik Gmund zurückzog und das Hotel Bachmair Weissach kaufte. Für den heute 52-Jährigen war es nur der Anfang. Seither sorgt er mit seinen Unternehmungen regelmäßig für Schlagzeilen - an Kohler kommt im Tal irgendwie keiner mehr vorbei. Der Mann polarisiert und interessiert. Jüngster Mosaikstein der wachsenden Bachmair-Weissach-Welt ist das Clubhaus in Tegernsee. Kurz vor der Eröffnung haben wir mit dem Gmunder gesprochen.

Herr Kohler, Corona hat Ihre Branche hart getroffen. Hatten Sie darüber nachgedacht, ihr Clubhaus-Projekt wegen der Krise erst mal auf Eis zu legen?

Nein, das habe ich nie. Wir haben das Gebäude seit März gepachtet und die Zeit bis heute für die Renovierung auch gebraucht. Wir glauben, dass wir jetzt sogar ein ganz gutes Momentum mitnehmen können. Der Juni war etwas verhalten, aber für Juli/August sehen wir eine deutliche Belebung im Privatgäste-Bereich.

2020 ist für Sie ein kleines Jubiläum. Vor zehn Jahren haben Sie mit dem Bachmair Weissach Ihr erstes Hotel gekauft. Erinnern Sie sich gerne an die Anfänge zurück?

Es war genau am 1. August 2010. Ich erinnere mich gern und gut zurück. Ich erinnere mich auch, dass ich nicht den Funken einer Ahnung hatte, auf was ich mich eigentlich eingelassen habe. Hätte ich es gewusst, wäre meine Angst größer gewesen. Es war ein harter Weg. Aber im Nachhinein bin ich wahnsinnig glücklich, weil ich meine Berufung gefunden habe. Es gibt nur eines, was ich bereue: dass ich nicht früher in der Branche gelandet bin.

Vorher waren Sie als Geschäftsmann ein Viel-Reisender.

Wenn man jede Nacht in einem anderen Hotel schläft, wacht man irgendwann auf und weiß erst nicht, wo man ist. Es war mir immer wichtig in der Hotellerie, den Gästen ein Gefühl dafür zu vermitteln, an welchem Ort sie sich befinden.

Ab 2010 ging es Schlag auf Schlag. Event Arena, Wallberghaus, Gästehaus Mahler, Bussi Baby. Wollen Sie in dem Tempo weitermachen?

Schauen wir mal. Wenn interessante Projekte da sind, bin ich immer interessiert. Wir haben jetzt auch Nicht-Hotel-Projekte wie das Weissach Quartier, also die Wohngebäude, die wir entlang der Straße an der Weissach errichten möchten. So lange es mir Spaß macht und wir interessante und vor allem sinnvolle Projekte finden, machen wir weiter.

Wie passt der Wohnungsbau zu Ihren anderen Unternehmungen?

Die neuen Hotels werden in den nächsten Jahren einen zusätzlichen Wohnungsbedarf im vierstelligen Bereich auslösen. Auch heute haben wir schon eine wahnsinnige Wohnungsknappheit. Wir reden immer wieder über dieses Problem, aber niemand tut etwas. Also tun wir’s jetzt.

Verraten Sie uns, wie viel Sie seit 2010 investiert haben?

Meine Frau hat mir verboten, über Geld zu reden.

Man staunt jedenfalls über Ihren unternehmerischen Mut. Schlafen Sie nachts noch gut?

Vor Entscheidungen über große Projekte schlafe ich nicht gut. Auch Hochstressphasen vor Eröffnungen spüre ich. Aber ich habe immer besser gelernt, damit umzugehen. Mittlerweile schlafe ich eigentlich nur dann nicht mehr gut, wenn wir Mücken im Schlafzimmer haben.

Zur Bachmair-Weissach-Welt gehören auch das Korbinian-Kolleg und die Kunstausstellungen Ihrer Frau Suse. Wie viel Philosophie steckt in Ihrem unternehmerischen Handeln?

Was wir hier machen, ist ein lebendes, atmendes Gebilde. Dahinter steht eine Idee, die sich laufend entwickelt. Es wäre vermessen zu sagen, ich hätte 2010, als ich angetreten bin, schon genau gewusst, was ich so vorhabe. Was es nicht ist: einfach nur Raum zum Wohnen, Schlafen, Essen und Trinken bieten. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit all seinen Bedürfnissen und Facetten. Wir folgen dem Tegernseer Geist, der den See zu dem gemacht hat, was er heute ist. Geformt haben ihn Leute, die zwar lokal verwurzelt waren, aber auch weltoffen, gebildet und kunstsinnig. Das ist mehr als nur Fassade.

Sie wollten aber nicht nur am Tegernsee aktiv sein, sondern auch ein Bussi Baby in jeder Stadt. Sind diese Pläne noch aktuell?

Das sind sie. Aber dieser Bereich wird gerade durch Corona gebremst, weil die Stadt-Hotellerie wahnsinnig leidet. Und es ist nicht abzusehen, wie lange dieser Zustand noch andauern wird. Es fehlen die Messen und Großveranstaltungen wie das Oktoberfest. Wenn die Lockdown-Politik anhält, wird es sicher ein Massensterben in diesem Bereich geben.

Das Clubhaus in Tegernsee ist Ihr jüngstes Kind. Was ist die Idee dahinter?

Ich bin als Jugendlicher hier schon immer vorbeigefahren, da war das noch eine ziemlich verhaute Hütte. Ich dachte mir, an diesem Platz könnte man eine wahnsinnig coole Piano-Bar machen. Vor zehn Jahren erzählte dann Eli Kreutzkamm, eine unsere engsten Freundinnen, dass ihre Mutter das Haus gekauft hat und renovieren will, um ein Café Kreutzkamm einzurichten. Mich hat das gefreut und geärgert zugleich. Gefreut, weil es in guten, seriösen Händen war, und geärgert, weil ich nicht schneller war. Als vor kurzem Eli auch die Münchner Betriebe übernommen hat, hat sie festgestellt, dass sie sich um Tegernsee kaum kümmern kann. Sie hat mich gefragt, ob ich das Haus übernehmen will und ich habe schnell „Ja“ gesagt. Wir bieten hier eine besondere Küche, die zu diesem besonderen Platz direkt am Wasser passt. Am liebsten wäre es mir, wenn alle Tegernseer dieses Haus als ihr Clubhaus wahrnehmen.

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