+
65 Bücher aus dem Psallierchor in Tegernsee hat Unternehmer Thomas Strüngmann für das Museum Tegernseer Tal der Kreissparkasse abgekauft.

Für das Museum Tegernseer Tal

Strüngmann kauft Kreissparkasse Psallierchor-Bücher ab

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
    schließen

Tegernsee - Von Tegernsee in ein Auktionshaus und wieder zurück: 65 Bücher aus dem Psallierchor befinden sich jetzt im Besitz des Altertumsgauvereins Tegernseer Tal. Dank eines Sponsors.

Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1596. Insgesamt sind es 65 Werke, die das Wappen des Tegernseer Klosters tragen oder in alten Verzeichnissen aufgelistet sind. „Wir sind sehr dankbar, dass wir sie jetzt haben“, sagt Hans-Herbert Perlinger, Vorsitzender des Altertumsgauvereins Tegernsee gegenüber der Tegernseer Zeitung. Die Bücher befinden sich bereits im Museum Tegernseer Tal und sollen demnächst in Vitrinen gezeigt werden.

Ermöglicht hat dies der Tegernseer Unternehmer Thomas Strüngmann, Mitbegründer des Pharma-Unternehmens Hexal, der die historischen Werke für das Museum erworben hat. Über die Höhe der Kaufsumme schweigt Perlinger sich aus. Nur so viel ist ihm zu entlocken: „Es war keine Kleinigkeit.“

Bekommen hat das Geld die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Deren Ex-Chef Georg Bromme hatte im Jahr 2010 von Herzog Max in Bayern ein immerwährendes Nutzungsrecht für den ehemaligen Psallierchor der Tegernseer Pfarrkirche erworben. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro. Die herzogliche Familie hatte den früheren Chor als Bibliothek genutzt. Auch den Buchbestand, 11.600 Exemplare, übernahm die Kreissparkasse, für weitere 150.000 Euro. Das Ganze sollte ein Geschenk für die Landkreisbürger sein.

Das teure Präsent ist längst zum Stein des Anstoßes geworden. Wie berichtet, will und muss die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee den Psallierchor dringend loswerden. Das gilt auch für die Bücher. Im Frühjahr 2014 ließ die Kreissparkasse den Buchbestand zum Berliner Buch-Auktionshaus Hauff&Auvermann bringen. Zur Enttäuschung des Altertumsgauvereins, der den Bestand gern gesichtet hätte. „Es wäre halt schön gewesen, wenn die Kreissparkasse mit uns geredet hätte“, erklärte Perlinger damals. Es wäre doch „ein schöner Akt“ der Kreissparkasse gewesen, die mit der Tegernseer Klostergeschichte verknüpften Bücher für die Stadt zu sichern.

Das geschah dann doch noch. Nach der Sichtung durch die Experten des Berliner Auktionshauses kamen 65 Bücher zurück an den Tegernsee. Gesichtet und hinsichtlich ihres Wertes geschätzt wurden sie von Perlinger, einst Direktor des örtlichen Gymnasiums, und Kirchenhistoriker Roland Götz. „Wir sind der Kreissparkasse dankbar, dass sie die Bücher zurückgeholt hat“, sagt Perlinger. Ermöglicht wurde allerdings nur der Erwerb zum angemessenen Preis. „Der Kauf hätte das Budget unseres Vereins überstiegen“, erklärt Perlinger. Zum Glück habe sich mit Strüngmann ein Sponsor gefunden, der die Bücher für Tegernsee gesichert hat.

Der Großteil des einst im Psallierchor untergebrachten Buchbestands ist übrigens für die Historie der Stadt nicht relevant. Laut Götz gibt er lediglich Aufschluss über die Zusammenstellung der Hausbibliothek einer Adelsfamilie in jener Zeit. Zu diesem Schluss kam auch das Landesamt für Denkmalpflege. Es war tätig geworden, nachdem Bromme Mitte Juli 2014 über seine Anwälte den Verkauf der Bücher als „schändlichen Akt der Barbarei“ bezeichnet hatte. Dem Landesamt zufolge haben die zur Versteigerung gebrachten Bücher keine kulturhistorische Bedeutung. Anders die nun im Besitz des Vereins befindlichen Werke.

Wie sie in die herzoglichen Regale gelangt sind, ist übrigens ein Rätsel. „Das wissen wir nicht“, meint Perlinger. Denn eigentlich wurden alle Bücher aus dem Kloster nach der Säkularisation 1803 in die heutige Staatsbibliothek nach München gebracht.

Vorgestellt werden die neu erworbenen Bücher am Samstag, 7. März, von Kirchenhistoriker Roland Götz im Museum Tegernseer Tal. Wegen des zu erwartenden Interesses hält Götz den Vortrag zweimal: um 9.30 Uhr und um 11 Uhr.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare