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Der Psallierchor diente als Bibliothek. Unser Foto entstand bei der Präsentation im Jahr 2011.

Raum erweist sich als Fehlkauf 

Kreissparkasse will Psallierchor loswerden

Tegernsee – Nur zu gerne würde die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee den ehemaligen Psallierchor von St. Quirinus an die Kirche verkaufen. Doch es gibt Probleme.

Doch um den Raum nutzen zu können, braucht er einen zweiten Fluchtweg, den die Kreissparkassen noch schaffen möchte. Das erweist sich als schwierig. Das Landesamt für Denkmalpflege könne eine neue Öffnung des Pasallierchors, der hinter dem Hochaltar von St. Qirinus liegt und nur vom Gymnasium aus erreichbar ist, nicht mittragen, erklärt Gabriele Dorby, Pressesprecherin des Landratsamtes. Die Fachbehörde fürchte erhebliche Verluste an der historischen Bausubstanz. Im Übrigen liege kein Nutzungskonzept vor, das diese Maßnahme begründen könnte. Heißt: Der Fluchtweg kann zumindest derzeit nicht gebaut werden.

Keine schöne Nachricht für die Kreissparkasse. Obendrein eine überraschende. Schließlich hatte das Landesamt für Denkmalpflege in einer Stellungnahme am 27. Januar erklärt, ein Durchbruch für den Fluchtweg wäre hinnehmbar, wenn er ohne Eingriff in die Fensterleibung und das Okulus-Fenster im barocken Füllmauerwerk erfolgen würde. Diesen Bereich wolle die Kreissparkasse auch nicht antasten, versichert Alexander Königer als deren Sprecher: „Wir sind uns der besonderen Geschichte dieses Raumes bewusst.“ Auch in den Annalen der Kreissparkasse hat der Psallierchor einen besonderen Platz. Im Jahr 2010 bescherte der damalige Kreissparkassen-Chef Georg Bromme den Landkreisbürgern den Raum als Präsent zum 175-jährigen Bestehen des Geldinstitutes. Kleine, feine Veranstaltungen kultureller Natur sollten dort stattfinden. Bis dahin gehörte der seit 200 Jahren von der Kirche abgetrennte Chorraum der herzoglichen Familie, die ihn als Bibibliothek nutzte. Bromme kaufte ein immerwährendes Nutzungsrecht und als Dreingabe 11 600 historische Bücher. Sie sollten wissenschaftlichen Zwecken dienen.

Die mitgekauften Bücher aus dem Psallierchor sind nur wertloser Ballast

Das Präsent hat sich längst als Fehlkauf entpuppt, über dessen Preis sich die Beteiligten ausschweigen. Für Konzerte und dergleichen ist der Raum nicht geeignet. „Die Kirche ist die einzige Organisation, die mit dem Raum etwas anfangen kann“, erklärte der jetzige Kreissparkassen-Chef Martin Mihalovits schon im Juni 2013. Die Verhandlungen zwischen dem Geldinstitut und dem Erzbischöflichen Ordinariat über einen Kauf sind jedoch bis heute zu keinem glücklichen Abschluss gekommen. Das liegt auch, aber nicht nur am Fluchtweg. „Der Preis für den Psallierchor ist einfach zu hoch“, erklärt Bernhard Kellner, Pressesprecher der Erzdiözese München-Freising. Die Kirche müsse sorgsam mit den ihr anvertrauten Geldern umgehen. Grundsätzlich sei das Ordinariat sehr am Erwerb interessiert. Es gebe bereits „ein wunderschönes Nutzungskonzept“, das dem Ordinariat vorliege. Erstellt hat es der Tegernseer Pfarrer Walter Waldschütz. „Wir könnten den Raum gut fürs Gymnasium nutzen“, meint Waldschütz, Aber auch für Besinnungstage, Andachten, Stundengebete und ähnliches. Die 11.600 Bücher erweisen sich als Ballast. Die Kirche will nur den leeren Raum. Auch die Wissenschaft zeigt kein Interesse. Inzwischen hat die Kreissparkasse die teils ungeschnittenen Bücher aus dem Psallierchor entfernt. „Wir haben sie eingelagert“, erklärt Königer. Auch die Regale wurden abgebaut. Und die Gespräche gehen weiter, wie Königer erklärt: „Ich bin davon überzeugt, dass wir uns noch einig werden.“

Von Christina Jachert-Maier

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