Die neue Technologie soll noch schnelleres Internet bringen. Viele Bürger und auch Gemeinden im Landkreis stehen 5G skeptisch gegenüber.
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Die neue Technologie soll noch schnelleres Internet bringen. Viele Bürger und auch Gemeinden im Landkreis stehen 5G skeptisch gegenüber.

Erste Stationen in Betrieb

Kritiker schlagen Alarm: 5G am Tegernsee auf dem Vormarsch

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Vodafone hat verkündet, dass es am Tegernsee die ersten 5G-Mobilfunkstationen in Betrieb genommen hat. Gegner der Technologie wollen nun die Bürgerschaft mobilisieren.

Bad Wiessee – Die Pressemeldung von Vodafone klingt fast schon euphorisch: Dank neuer Stationen mit 5G-Antennen in Kreuth, Gmund, Tegernsee und Bad Wiessee würden nun erste Bewohner der Orte und ihre Gäste mit der mobilen Breitbandtechnologie 5G versorgt. Es soll der Startschuss sein für das Ausbauprogramm im Landkreis Miesbach. „Mittelfristiges Ziel des neuen Infrastrukturprogramms ist es, möglichst die gesamte Bevölkerung in der Region an das 5G-Netz anzuschließen“, heißt es seitens Vodafone. Dabei wolle das Unternehmen zunächst die bereits vorhandene Mobilfunk-Infrastruktur nutzen. Heißt: Wo immer möglich, sollen die 5G-Antennen an den 50 bereits vorhandenen Mobilfunkstandorten im Landkreis Miesbach angebracht werden – etwa an Masten, Aussichtstürmen, Kirchtürmen sowie auf den Dächern von öffentlichen Gebäuden oder Wohngebäuden. „Dies geschieht Zug um Zug“, kündigt Vodafone an.

Dabei ist Vodafone nicht das erste Mobilfunkunternehmen, das in diese Richtung marschiert: Auch Konkurrent Telekom hat bereits Pflöcke gesetzt und etliche Antennen im Landkreis Miesbach, darunter am Tegernsee, nach dem neuesten 5G-Standard aufgerüstet.

Im Tegernseer Tal, insbesondere in Bad Wiessee, verfolgt man die Entwicklung nicht erst seit gestern mit großer Sorge. So hatte der Wiesseer Gemeinderat schon im Oktober 2019 beschlossen, die Ausbaubestrebungen der Konzerne nicht vorbehaltlos zu unterstützen, sondern jede Ansiedelung eines neuen Mobilfunkstandorts einzeln im Gemeinderat zu prüfen (wir berichteten). Ein Beschluss, der nach wie vor Bestand hat, wie Bürgermeister Robert Kühn (SPD) auf Nachfrage erklärt. „Es gibt keinen Grund, daran zu rütteln.“ Der Gemeinderat hatte damals damit argumentiert, dass die gesundheitlichen Risiken der 5G-Strahlung auf Mensch, Tier und Umwelt noch nicht ausreichend erforscht seien. Für Kühn ist klar: Man dürfe sich der neuen Infrastruktur nicht komplett verschließen, müsse aber gerade als Gesundheitsstandort besonders aufmerksam die Risiken der neuen Technologie im Blick haben.

Gemeinde sieht wenig Handhabe gegen 5G

Die Krux an der Geschichte: So lange die Mobilfunkanbieter lediglich ihre bereits bestehenden Sender auf 5G aufrüsten, ist die Gemeinde in das Thema nicht involviert. Und auch bei der Einrichtung neuer Mobilfunkstandorte sei „die Handhabe gering“, erläutert der Wiesseer Rathaus-Geschäftsleiter Hilmar Danzinger. Die Verwaltung könne lediglich auf die Ausbaupläne hinweisen, die Handlungsmöglichkeit liege dann allerdings bei der Bürgerschaft, die ihre privaten Liegenschaften für neue Antennen eben nicht zur Verfügung stellen dürfe.

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Am Tegernsee hat sich unter der Bevölkerung bereits Widerstand formiert. Eine Initiative um die Wiesseerinnen Lisa Trinkl und Dr. Hannelore Janssen kämpft unter dem Motto „5G-freier Landkreis“ engagiert gegen die neue Breitbandtechnologie. Die Bürgerinitiative setzt dabei in erster Linie auf Aufklärung. Sie ist überzeugt: Die Strahlung durch 5G stellt eine Gefahr für Menschen und Umwelt dar. Es gebe viele Expertenmeinungen und seriöse Studien, die dies untermauern, erklärt Trinkl auf Nachfrage. „Es gibt eindeutige wissenschaftliche Beweise für die Gesundheitsgefährdung.“ Sie und ihre Mitstreiter seien sehr geerdete Menschen, hätten sich mit den Risiken der 5G-Technologie aber intensiv befasst: „Das muss man durchdringen“, betont Trinkl. Sie sei überzeugt: Die durch 5G erzeugte – extrem höhere und gepulste – Strahlung „schadet Mensch, Tier und Umwelt“.

Ihre Initiative denke aufgrund der neuesten Entwicklung darüber nach, eine Bürgerversammlung zu dem Thema 5G am Tegernsee zu erwirken, um im großen Stil über die Risiken aufklären zu können. Als Tourismus- und Gesundheitsregion komme dem Tegernseer Tal schließlich eine besondere Verantwortung zu.

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