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Auf dem Gut Oberkammerloh wurden die Werke präsentiert: Besitzer Leonhard Bendel (li.) stellte den Künstlern (ab 2. v. li.) Alexander Deubl (Organisator), Janina Totzauer, Magdalena Jooß, Petra Höglmeier und Christian Muscheid das Gut sowie zwei Almhütten für ihr Projekt zur Verfügung.

Sie nennen es "Alm Residency"

Verrücktes Kunstprojekt: Junges Künstlerkollektiv "verschönert" Wald

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Waakirchen -  Mit dem Projekt „Alm Residency“ will ein Münchner Künstlerkollektiv zeitgenössische Kunst aufs Land holen. Unter anderem am Rechelkopf waren sie unterwegs.

Den Stress, das Gewusel der Stadt hinter sich lassen, Inspiration finden und in der Ruhe und Abgeschiedenheit des Landes neue Blickwinkel finden: Mit diesem Ziel hat das Münchner Künstlerkollektiv „Super Plus“ um den bekannten Lenggrieser Künstler Alexander Deubl nun zum ersten Mal eine „Alm Residency“ veranstaltet.

Die Teilnehmer haben dafür die Stadt verlassen, sich auf Almhütten begeben und dort zehn Tage lang gelebt und gearbeitet: im Jagaheisl auf der Sigriz-Alm und in der 1905 erbauten Ochsenhütte am Fuße des Rechelkopf. Bei dem Projekt zwischen Bad Tölz und dem Tegernsee geht es darum, in einem anderen, einem intakten natürlichen Umfeld Kunst zu schaffen.

Das Motto: „Hinterlasse eine Spur, zeige deinen Fußabdruck.“

„Leave a trace, show your footprints“ lautet der Leitgedanke dahinter: „Hinterlasse eine Spur, zeige deinen Fußabdruck.“ Spuren zu hinterlassen, das geht auf ganz unterschiedliche Weise. Das Künstler-Duo Magdalena Jooß und Petra Höglmeier etwa hat sich mit dem Thema Selfie auseinandergesetzt. Die Künstlerinnen wollen dem Betrachter auf ironische Weise zeigen, „dass es auch noch eine Welt hinter dem mit Fotofiltern verfremdeten und verschönten Selbstporträts gibt“, sagt Jooß. Dafür fotografierte das Duo einen Wurzelwanderweg im Wald und überarbeitete das Bild digital mit Filtern, Blenden- und Lichteffekten. Anschließend druckten die Frauen das Foto auf eine große Lkw-Plane und installierten es an exakt derselben Stelle am Wanderweg. „Es entsteht eine direkte Gegenüberstellung von realer und verschönerter Welt“, sagt Jooß. „Ein Kunstwerk, das zwar auf den ersten Blick nicht auffällt, aber bleibt“, ergänzt Deubl, der als Hauptorganisator fungierte.

„Selfiepark“ heißt eines der Werke, das Petra Höglmeier und Magdalena Jooß im Rahmen der „Alm Residency“ umgesetzt haben. Es soll auf ironische Weise zeigen, dass es eine Welt hinter einem geschönten Bild gibt.

Er ist überzeugt, dass es etwas mit einem Künstler macht, wenn er in einem anderen als dem gewohnten Umfeld, etwa dem Atelier, tätig wird. Der „Input“ sei ein ganz anderer, und die Ruhe inspiriere ungemein.

Ein weiterer Teilnehmer und Künstlerfreund Deubls, Christian Muscheid, griff im Zuge der „Alm Residency“ auf „Pleinair“, Freilichtmalerei, zurück – ganz im Stile der Künstler des Blauen Reiter, Franz Marc und Wassily Kandinsky. Abstrakte Formen und Farben haben es ihm angetan.

Teil des Projekts war außerdem eine sechsstündige Wanderung, der sich zwölf Kunstinteressierte anschlossen, um drei der in den Voralpen entstandenen Werke zu begutachten. Auch dadurch habe sich eine ganz andere Situation ergeben als etwa in einer Galerie, findet Deubl, der nach seinem Diplom an der Akademie der bildenden Künste in München 2015 als freischaffender Künstler arbeitet. Man könne sich in diesem Kontext weitaus besser auf Kunst einlassen, sich auf weniges konzentrieren. „So viel Zeit nimmst du dir in keinem Museum der Welt“, sagt der 33-Jährige.

Entstanden ist die Idee zur „Alm Residency“ vor rund einem Jahr. Leonhard Bendel, Besitzer des Guts Oberkammerloh in Waakirchen und Kunstinteressierter, gefiel das Konzept, und er stellte sowohl die Hütten als „Kreativräume“ als auch seinen Hof für eine Vernissage zur Verfügung. Nächstes Jahr wollen Deubl und das Künstlerkollektiv „Super Plus“ in die zweite Runde gehen. Dabei soll das Projekt keine Einbahnstraße bleiben. Im Oktober sollen die auf der Alm entstandenen Objekte in einem Münchner Auktionshaus ausgestellt werden. „Wer weiß“, meint Deubl, „mag sein, dass sie in der Stadt wieder ganz anders aussehen.“ Langfristig, so der Wunsch der Kunstschaffenden um Deubl, könnten die Arbeiten, die im Wald entstehen, Teil eines Skulpturenparks werden. Großes Vorbild ist der Sacro Bosco (heiliger Wald) mit Monumentalskulpturen nahe der italienischen Stadt Bomarzo.

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