Auch für Urlauber in Tegernsee gilt ab 1. Mai 2021: Wer hier übernachtet, muss künftig drei statt zwei Euro Kurtaxe pro Nacht zahlen.
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Auch für Urlauber in Tegernsee gilt ab 1. Mai 2021: Wer hier übernachtet, muss künftig drei statt zwei Euro Kurtaxe pro Nacht zahlen.

Stadt Tegernsee macht mit bei Erhöhung auf drei Euro

Kurbeitrag: Einheitlicher Weg fast geschafft

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Tegernsee macht mit bei der Erhöhung des Kurbeitrags auf drei Euro. Das hat der Stadtrat mit 10:5 Stimmen beschlossen. vorausgegangen war eine ausführliche Debatte über die Digitalisierungs-Offensive der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT).

  • Tegernsee beschließt mehrheitlich Erhöhung des Kurbeitrags auf drei Euro.
  • Einheitlicher Weg fast geschafft, nur Bad Wiessee wird erneut diskutieren.
  • Stadtrat bekam Infos über geplante Digitalisierungs-Offensive.

Tegernsee - Als letzte Kommune im Tal befasste sich der Stadtrat mit der Erhöhung des Kurbeitrags zum 1. Mai 2021 von zwei auf drei Euro. Tegernsee hatte zuletzt 2012 die Kurtaxe erhöht: damals von 1,60 auf zwei Euro. Begründet wurde die Erhöhung nicht nur mit dem Defizit der Kureinrichtungen über zuletzt 779 000 Euro, sondern auch mit dem Finanzbedarf der TTT. Mindestens 600 000 Euro jährlich braucht die Tourismus-Organisation, um in der Liga der besten Destinationen mitzuspielen. TTT-Geschäftsführer Christian Kausch sowie Beirats-Vorsitzender Ludwig Klitzsch waren zur Sitzung gekommen und erläuterten den Finanzbedarf ausführlich. „Die aktuell gute Nachfrage ist kein Selbstläufer“, sagte Kausch und berichtete von einem Übernachtungsplus im September in Tegernsee von 10,16 Prozent, ehe Klitzsch einen Überblick über Strategien und Finanzen gab und aufzeigte, wo die Reise hingegen müsse für das Tegernseer Tal. Das generiere nämlich 60 bis 70 Prozent der Wertschöpfung aus dem Tourismus über 300 Millionen Euro im Landkreis. Dass die TTT die Marke „Der Tegernsee“ von der parallel im Landkreis agierenden Organisation ATS (Alpenregion Tegernsee Schliersee) zurückkaufen konnte (siehe Kasten), sei ein wichtiger Schritt, um wieder Kontrolle über die Marke zu haben. Weil heute das Internet das Schlachtfeld sei, in dem vor allem die Österreicher die Nase vorne hätten, und zudem 80 Prozent der Buchungen online getätigt würden, gelte es zu handeln. Deshalb sei die Digitalisierungs-Offensive nötig. „Kernkompetenzen“ müssten gestärkt werden. Nötig seien ein starkes Onlineteam, Projektmanager, Content-Spezialisten, Webmaster sowie externe Ideengeber. Stellen seien schon ausgeschrieben. „Dann sind wir in der Lage mitzuhalten“, sagte Klitzsch, der zugleich die Reduzierung der Kosten durch die Tourist-Infos (TI) für unabwendbar hielt. Mit 50 Cent mehr Kurbeitrag wäre es zu schaffen, die mindestens nötigen 600 000 Euro jährlich für den Aufbau der Digitalmarke bereitzustellen. Andernfalls, so Klitzsch, könnte der Tourismus sterben, wie das etwa in Bad Tölz gerade passiere.

Tourismus am Tegernsee: „Wollen wir Masse oder Klasse?“

FWG-Sprecher Andreas Obermüller war dankbar für die Infos und die Transparenz: „Das Misstrauen löst sich“, fand er. Marcus Staudacher (Grüne) war nicht begeistert von der Erhöhung des Kurbeitrags um immerhin 50 Prozent. Er forderte, die Familien im Blick zu haben und beantragte, Jugendliche bis 16 oder 17 Jahre von der Kurtaxe zu befreien. Er hielt es für sinnvoll, wenn dies alle Kommunen beschließen könnten. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) stellte eine Prüfung dieser „Lex Tegernsee“ in Aussicht. Schnelle und viele Buchungen dank Internet: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir das wollen?“, fragte sich Ursula Janssen (Grüne). Sie forderte „nachhaltigen Tourismus“. Ein Punkt, den auch Manuela Brandl (BürgerListe) aufgriff. „Es geht uns doch allen so, dass wir uns an manchen Tagen nicht mehr wohlfühlen“, sagte Brandl und fragte deshalb: „Wollen wir Masse oder Klasse?“

In weiteren Verlauf wurde betont, dass die Erhöhung des Kurbeitrags gerechtfertigt sei und es wichtig wäre, wenn sich Bad Wiessee dem einheitlichen Weg anschließen würde. Wiessee war vorgeprescht und hatte den Kurbeitrag im Alleingang auf 3,30 Euro erhöht (wir berichteten). Ob die Gemeinde auf die gemeinsame Route einschwenkt, lässt Geschäftsleiter Hilmar Danzinger auf Nachfrage offen: „Man wird noch diskutieren, da ist nichts beschlossen.“

Bürgermeister Hagn sah am Ende „noch viel Diskussionsbedarf“. Die Kurbeitragserhöhung, die mit 10:5 Stimmen beschlossen wurde, sei nicht verbunden mit der Festlegung auf strategische Ausrichtungen, auf Verteilung des Gesamtbudgets oder die Zukunft der TIs. Der um einen Euro erhöhte Beitrag fließt aber nur zur Hälfte an die TTT. 50 Cent verbleiben bei der Stadt für die Kurverwaltung und den erhöhten Personaleinsatz im Bauhof.

DER TEGERNSEE: TTT kauft Marke zurück

2013 wurde die Marke DER TEGERNSEE im Rahmen eines touristischen Masterplan-Prozesses eingeführt, kreiert von der Münchner Agentur „Zeichen & Wunder“. Das Logo erinnert an eine Alpenrose, der geradlinige Schriftzug wird von einer Krone und Wellen flankiert. Sie solle Exzellenz und Prestige symbolisieren, hieß es bei der Einführung. Parallel dazu setzte auch die Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) mit einem grünen Logo ein Zeichen. „Weil der Masterplan von der ATS koordiniert wurde und auch alle Geldern in die ATS flossen, wurde die Marke über die ATS eingetragen“, erklärt TTT-Geschäftsführer Christian Kausch. Mit dem Rückkauf der Marke sei es nun möglich, die Strukturen klarer zu definieren. An der Zusammenarbeit mit der ATS ändere das wenig, so Kausch. Das freie Verfügung über die Marke ermögliche aber mehr Anwendungsmöglichkeiten und schaffe ein neues Bewusstsein und Möglichkeiten zur Identifikation. Während der Sitzung wurde auch bekannt, dass die TTT 57 000 Euro für den Rückkauf der Marke an die ATS zahlen musste. 

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gr

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