+
Diese Lichtschächte wurden ohne Genehmigung in dieser seltsamen Form errichtet. 

Landratsamt hält seltsame Lichtschächte für genehmigungsfähig

Streit um „Schießscharte“: Stadt bleibt hart

  • schließen

Die Stadt lehnt zwei seltsame und illegal gebaute Lichtschächte ab, das Landratsamt hält sie für genehmigungsfähig. Ein kurioser Fall in Tegernsee.

Tegernsee – Was ist der Beschluss eines Bauausschusses wert? Diese Frage stellten sich die Mitglieder in Tegernsee bei ihrer jüngsten Sitzung. Es ging um zwei seltsame Lichtschächte, die 2014 an zwei Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage an der Froumundstraße oberhalb der Leebergkuppe von der Schleunung Planen.Bauen.Wohnen AG errichtet worden waren.Bei einer Schlusskontrolle der noblen Eigentumswohnanlage war festgestellt worden, dass die Schächte für mehr Licht in einem Zwischenbau in dieser Form ohne Genehmigung errichtet worden waren.

Im Februar lehnte der Bauausschuss diese Form der Gestaltung einstimmig ab und forderte den Bauherren auf, sich eine andere Lösung einfallen zu lassen. Das Gremium war dabei nicht zimperlich mit seinen Formulierungen: Von „Schießscharte“ und „Bunker“ war die Rede. Die Stadt berief sich zudem auf ihre Gestaltungssatzung, wonach Keller nicht freigelegt werden dürfen – ein immer wiederkehrendes Thema, da die meisten Grundstücke in der Stadt am Hang liegen.

Im Juli befasste sich der Bauausschuss erneut mit den Lichtschächten in Form eines Tekturantrags. Dem Bauherrn wurde nahegelegt, die Lichtschächte in eine übliche Form zu bringen: mit Beleuchtung von oben und nicht seitwärts. Der Hang solle in diesem Zusammenhang aufgefüllt werden.

Bei der jüngsten Sitzung ging’s in die dritte Runde: Das Landratsamt, das den ungewöhnlichen Fall eigentlich aufgedeckt hatte, gab eine Stellungnahme ab und kam zu der Auffassung, dass die seitliche Beleuchtung durchaus in Ordnung gehe. Man müsse die Lichtschächte eben einfach als „Kellerfenster“ betrachten, und die seien unterhalb des Geländes zum damaligen Zeitpunkt des Baus durchaus machbar gewesen. Bekanntlich hat die Stadt aber ihre Gestaltungssatzung inzwischen geändert. Die Stadt, formulierte das Landratsamt, könne ihre Meinung ändern, andernfalls werde der Beschluss der Stadt durch die Entscheidung der Kreisbehörde ersetzt.

„Das ist ja furchtbar, wenn das Landratsamt unseren Beschluss ersetzt“, protestierte Andrea Köstler (FWG). „Wir strengen uns hier an, wo eh schon so viel gebaut wird, und dann das. Das ist echt traurig.“ Florian Widmann (CSU) befürchtete weitere Fälle dieser Art: „Wenn das genehmigt wird, dann haben wir überall in Tegernsee solche Schießscharten.“ Peter Hollerauer (FWG) war sogar bereit, notfalls zu streiten: „Denn jetzt reicht’s“, wetterte er.

Auch Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) fand klare Worte: „Ein Lichtschacht hat nach oben zu gehen und nicht zur Seite.“ Seiner Empfehlung, bei der Ablehnung zu bleiben, folgte das komplette Gremium. Zudem wurde im Beschluss festgehalten, dass man die Gestaltungssatzung noch enger fassen werde, um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden.

Für Hagn ist dieser Fall höchst bedenklich: „Wenn das nun nachträglich genehmigt wird, dann wäre das ein Signal an andere Bauherren, die entgegen der eingereichten Baupläne bauen und sich anschließend, mit irgendwelchen Begründungen, eine nachträgliche Genehmigung und einen windelweichen Kompromiss erstreiten.“ Die Haltung des Landratsamts könne er auf keinen Fall verstehen. 

gr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schweizer ziehen Option fürs Jodbad 
Die Zitterpartie ist beendet: Laut Wiessees Bürgermeister Peter Höß hat das Schweizer Unternehmen SME die Option für das Jodbad-Gelände gezogen. Ende Januar ist …
Schweizer ziehen Option fürs Jodbad 
Während Ludwig-Erhard-Gipfel: Auto von Rottacherin angefahren
Der Vorfall muss sich während einer Veranstaltung im Seeforum am Freitag zwischen 7 und 12 Uhr ereignet haben. Die Polizei verdächtigt den Fahrer eines Lieferwagens oder …
Während Ludwig-Erhard-Gipfel: Auto von Rottacherin angefahren
Bürgermeisterwahl in Gmund: Darum darf Horst nicht kandidieren
Nur 14 Unterstützer auf der Unterschriftenliste und drei weitere Mängel bei der Einreichung des Wahlvorschlags. Warum der Gmunder Rechtsanwalt nicht fürs …
Bürgermeisterwahl in Gmund: Darum darf Horst nicht kandidieren
Die Stögmeierschanze in Finsterwald: Für immer im Tiefschlaf?
13 Jahre liegt   der letzte Bewerb auf der Stögmeierschanze in Finsterwald zurück. Seitdem ist die Skisprungtradition im Tegernseer Tal eingeschlafen. Es gibt einen, der …
Die Stögmeierschanze in Finsterwald: Für immer im Tiefschlaf?

Kommentare