Rainer Vetter zeigt Exponate im Kutschenmuseoum
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Eine Führung durchs Kutschenmuseum gab Rainer Vetter (l.)

Premiere

„Lange Nacht der Kunst“ in Tegernsee: Experiment ist geglückt

„Lange Nacht der Kunst“: Die Premiere zog reichlich Publikum an. Die Resonanz fiel deutlich positiv aus.

Tegernsee - Was es in München schon länger und mit regem Publikumszuspruch gibt, erlebte jetzt auch im Tegernseer Tal seine Feuertaufe: Die „Lange Nacht der Kunst“. Drei Museen, vier Galerien und fünf Ateliers öffneten bei freiem Eintritt und Traumwetter ihre Türen zwar nichts nächtens, dafür aber an zwei Tagen, Freitag und Samstag, von 13 bis 22 Uhr. Die Resonanz der Beteiligten und zahlreichen Besucher – nicht nur aus dem Tal – war deutlich positiv; vielleicht der Beginn einer Erfolgsgeschichte, freilich noch mit kleinem Verbesserungspotenzial. Aber das ist ja bei einem Pilotprojekt normal.

Das Gulbransson Museum, wegen der Chagall-Ausstellung ohnehin stark besucht, konnte seinen Zulauf noch einmal steigern, kamen doch am Freitag 280 Gäste und auch die Führungen von Sonja Still waren stark nachgefragt. „Deswegen bin ich hier“, meinte eine Besucherin, die sonst während des Tages keine Zeit gehabt hätte. Sehr zufrieden zeigte sich auch Roland Götz vom Museum Tegernseer Tal, wo um 21 Uhr der Tegernseer Liederkranz draußen ein Konzert gab. Der Besuch sei ab Nachmittag sehr gut gewesen, und die insgesamt sechs Führungen seien glänzend angenommen worden. Ins gleiche Horn stießen die Betreiber des Kutschenmuseums im Rottacher Gsotthaber Hof, wo „Die vier jungen Tegernseer“ im Freien aufspielten – und das in besonderem Ambiente, denn alle Museen wurden effektvoll illuminiert.

Positiv fiel die Bilanz der vier beteiligten Galerien aus. So zeigte sich Peter Rau von der Rottacher Galerie „Kunst und mehr“ ebenfalls zufrieden, räumte aber ein, dass man „selbst auch was tun muss“, um die Leute herzubringen. Er zog mit der digitalen Aufbereitung der Exponate und mit Musik des Nina Michelle Trios auch das jüngere Publikum an. Peggy Neumann von der Galerie Orange in Tegernsee ging mehr auf die Qualität ein: „Tolle Leute, tolle Gespräche. Gut, dass es das gibt, vor allem nach der langen Pause.“ Die aktuelle Ausstellung „Church of Dinosaur“ von Sebastian Klein betrachteten unter anderem zwei kunstsinnige Damen aus Bad Tölz und Starnberg mit lebhaftem Interesse und wanderten sogleich rüber zu Valerija Vuk Strobel von der Kunstakademie Tegernsee, wo Celia Mendoza abstrakte Malerei zeigt und einen gut besuchten Workshop anbot. Einzig Michael Böhnke von der Galerie Arteg konnte durch die „Lange Nacht“ keine höheren Besucherzahlen vermelden.

Von den zahlreichen Künstlern im Tal beteiligten sich sechs. Sie hatten es naturgemäß schwerer als die Museen und Galerien, zeichneten jedoch ebenfalls ein positives Bild. Der renommierte Tegernseer Maler Jürgen Welker, der sowieso gerne im Stillen für sich arbeitet, bemerkte, dass man dem sinnvollen Projekt Zeit geben müsse, sich einzuspielen und zu entwickeln. Jutta Stumböck war die einzige Anlaufstelle in Bad Wiessee. „Es war nicht gerade die Hölle los“, resümierte sie, freute sich aber, einigen Interessierten diverse Maltechniken zeigen zu können. In der Gmunder Atelier-Galerie von Ekaterina Zacharova erfreute sich die Triple-Ausstellung „Just a Woman“ zusammen mit Muriel Breu und Anastasia Kohler eines regen Zuspruchs. In Dürnbach endet die Kunst-Rundfahrt um den See. Klaus-Peter Frank, seit Jahrzehnten „erzählender“ Maler und Erfinder der „Frankografie“, wollte sich „nicht beschweren“, ging intensiv auf seine Besucher ein. „Die, die da waren, sind lang geblieben“, berichtete er, der auch kleinere Verkaufserfolge verbuchen konnte. Und schließlich war da noch die innovative Fotokünstlerin Christine Otsver, die zahlreichen Interessierten das Prinzip der „Camera obscura“ nahe brachte. Als Exponate zeigte sie beeindruckende Beispiele aus der von ihr entwickelten Serie „Light Painting“ und einen bezaubernden romantisch-verklärten und großformatigen Blick von der Point auf Tegernsee – bei Nacht, um beim Thema zu bleiben.

Ebenfalls eröffnet ist die Tegernseer Kunstausstellung. Ein Bericht hierzu folgt.

Von Reinhold Schmid

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