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Bei diesem Haus am Leeberg macht die Stadt keine Ausnahme. Der Bauherr muss nun Gelände auffüllen, weil der Keller wie ein zusätzliches Stockwerk wirkt.

Lösung des Bauherrn: eine Hecke pflanzen

Am exklusiven Leeberg: Schwarzbau ärgert die Stadt

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Tegernsee - Am Leeberg - der exklusivsten Ecke Tegernsees - hat ein Bauherr zahlreiche Vorschriften missachten und einen Schwarzbau auf sein Grundstück gestellt. Die Stadt greift nun hart durch.

Der Leeberg zählt zu den schönsten und teuersten Bauplätzen am Tegernsee. Bauherren schöpfen nicht nur jeden Zentimeter aus, sie überschreiten bisweilen auch die Grenzen dessen, was die Stadt befürwortet und das Landratsamt genehmigt hat.

Mit einem aktuellen Fall an der Ellingerstraße musste sich der Bauausschuss der Stadt befassen. Bei einer Baukontrolle an dem Haus hatte sich herausgestellt, dass das Untergeschoss des am steilen Hang gelegenen Hauses komplett freiliegt und das Haus damit so aussieht, als habe es ein zusätzliches Stockwerk. „8,98 Meter sind zu sehen“, berichtete Bauamtsleiterin Bettina Koch. Genehmigt wurde weniger, „das Haus ist damit eigentlich ein Schwarzbau“. Zudem, so Koch, sei ein Balkon tiefer als der Dachüberstand.

Den Vorschlag des Bauherrn, man werde eben eine Hecke pflanzen, wollte der Bauausschuss nicht hinnehmen. „Das wäre ein Bezugsfall für andere Bauherren, die ebenfalls Untergeschosse freilegen“, sagte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). „Ich stimme gegen eine nachträgliche Änderung des genehmigten Bauplans“, kündigte Thomas Maban (SPD) an. „Wir öffnen sonst Tür und Tor.“ Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) gestand, dass sie oft auf das sehr dominant wirkende Haus angesprochen werde. „Dabei ist das nicht auf unseren Mist gewachsen.“

Der Versuch, das Haus nachträglich so genehmigen zu lassen, ist jedoch nicht im Sinn des Bauausschusses. Um zu erreichen, dass das Untergeschoss nicht mehr als 1,40 Meter über die Geländeoberfläche hinausragt, muss der Bauherr nach dem Willen der Stadt nun zum Beispiel Terrassen zurückbauen und das Gelände wieder auffüllen. „Die Sachbearbeitung liegt aber beim Landratsamt“, erklärt Koch auf Nachfrage.

Fälle wie dieser hatten den Stadtrat Anfang November veranlasst, die Gestaltungssatzung zu ändern. Zahlreiche Punkte, die der Stadt in jüngster Vergangenheit immer wieder Sorgen bereiteten und sie zu Ausnahmeregelungen gezwungen hatten, sind darin komplett oder teilweise neu formuliert. So dürfen Balkone – wie im Fall an der Ellingerstraße – nicht tiefer sein als Dachüberstände. Dacheinschnitte sind unzulässig. Falls mehr als zwei Quergiebel geplant sind, dürfen diese nur auf gegenüberliegenden Dachseiten angebracht werden. Keller dürfen nicht freigelegt werden.

„Häuser, die an steilen Hängen gebaut werden, müssen sich dem Gelände anpassen und nicht anders herum“, fasst Geschäftsleiter Hans Staudacher diesen Punkt der Satzung zusammen. Wer gegen die Vorschriften verstößt, kann laut Paragraph 11 mit einer Geldbuße von bis zu 500.000 Euro belegt werden.

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