Tegernseer Tal Museum Eröffnung Sonderausstellung
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Die neue Sonderausstellung zeigt die literarischen Schätze des Tegernseer Tals.

Museum präsentiert historische Bücher aus Klosterbibliothek

Sonderausstellung zeigt literarische Schätze des Tegernseer Tals

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Das Tegernseer Tal war mit dem Kloster einst ein literarischer Hotspot. Das zeigt die neue Sonderausstellung.

  • Neue Sonderausstellung des Museums Tegernseer Tal eröffnet.
  • Rolle des Klosters Tegernsee als literarisches Zentrum beleuchtet.
  • Ausstellung geht auf Wanderschaft.

Tegernsee – Coronabedingt hat die Sonderausstellung im Museum Tegernseer Tal dieses Jahr etwas auf sich warten lassen. Aber seit dem Wochenende ist dort unter dem Titel „Literatur am Tegernsee – Bekanntes und Vergessenes“ veranschaulicht, was für ein literarischer Hotspot das Tegernseer Tal ist und schon immer war.

Wächst man im Tegernseer Tal auf und besucht hier eine Schule, so kommt man freilich – wenngleich meist sehr kurz – in Kontakt mit dem „Ruodlieb“, dem „Ludos de Antichristo“, mit dem von der Gastfreundschaft der Tegernseer Mönche enttäuschten Walther von der Vogelweide sowie mit den Schriftstellern Ludwig Thoma und Ludwig Ganghofer. Zumindest gehört hat man von den berühmten Werken, Dichtern und Literaten.

Dass das Tegernseer Tal aber seit dem Mittelalter ein geistiges wie literarisches Zentrum, ein wahrer „Thinktank“ ist, führt dem Museumsbesucher jetzt die neue Sonderausstellung vor Augen. Sie ist im Rahmen des Projektes „Tegernseer Literatur Touren“ entstanden, zu dem sich das Museum Tegernseer Tal gemeinsam mit dem Literaturschloss Edelstetten mit Mitteln des Bundes zusammengeschlossen hat. Nach der Premiere in Tegernsee soll sie als Wanderausstellung touren und an anderen von Tegernseer Literatur beeinflussten Orten gezeigt werden. Von daher war es wichtig, die mittelalterlichen Wurzeln der literarischen Ausstellung greifbar zu machen.

Ausstellung zeigt historische Schriften aus dem Kloster Tegernsee

Das ist den Ausstellungsmachern im ersten Ausstellungsraum mit Fahnen gelungen, die mit Landkarten, Abdrucken von Originalhandschriften, Bildern aus den alten Folianten und Abschriften auf das „Gelehrte Tegernsee“, seine „Netzwerke“, die „elitäre theologische Debattenkultur“, die „Gedächtniskunst“ und die musikalische Literatur hinweisen. Hier lernt man das Universalgenie Johannes Keck, das „Tegernseer Vaterunser“ und den Tegernseer Anonymus kennen. Unterlegt und erweitert sind die mannshohen Schaufahnen mit historischen Büchern, Leihgaben oder aus dem Bestand des Museums. Sie stammen in weiten Teilen aus der ehemaligen Klosterbibliothek und aus der Bibliothek des Psallierchors. Darunter die Schrift zur 1000-Jahrfeier des Klosters oder auch eine alte handschriftliche Inventarliste der Bibliothek aus dem 16. Jahrhundert.

„Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, erklärt Museumsleiterin Birgit Halmbacher, „aber wir zeigen unsere literarischen Schätze.“ Dazu gehört auch ein altes Büffet von Hedwig Courths-Mahler, die zusammen mit ihrer ebenfalls literarisch tätigen Tochter Friede Birkner in der Abteilung „Schreibende Frauen“ zu finden ist – zusammen mit Grete Weil und ihren Tagebüchern aus Egerner Zeiten, Gerrit „Carry“ Brachvogel und Kaiserin Elisabeth von Österreich „Sisi“, die die „Kreuther Elegien“ verfasste.

In Vitrinen ist eine Auswahl ihrer Werke aber auch die ihrer männlichen Kollegen – den berühmten wie Ludwig Ganghofer, Ludwig Thoma, Franz von Kobell, Karl Stieler, Max Mohr – und weniger bekannten wie Wilhelm Diess, Georg Stöger-Ostin, Otto Weckerlein und Karl Weinberger zu finden.

Führungen sind wegen Corona noch nicht möglich

Bilder ihrer Schaffensräume und Literaturhäuser wie dem Mutterhof, dem Stielerhaus und der Tuften in Tegernsee, dem Landhaus Dispeker in Rottach-Egern und dem Max-Mohr-Haus in der Wolfsgrub umringen den Original Schreibtisch von Ludwig-Thoma, der sonst auf der Tuften in seinem Arbeitszimmer steht. Die Ausstellung macht nicht nur die literarischen Wurzeln und ihre Bedeutung greifbar, wie sie Professor Klaus Wolf in seinem Auftaktvortrag „Tegernsee als literarischer Thinktank des Spätmittelalters“ vorstellte. Sie spannt einen Bogen in die literarische Gegenwart. „Das Kloster Tegernsee errang durchaus gesamtbayerische Bedeutung für das Herzogtum Baiern als kulturelles und eben auch literarisches Zentrum“, betonte Wolf.

Zwar sind aktuell wegen der geltenden Abstandsregelungen noch keinen Führungen möglich, aber es sind während der Laufzeit der Sonderausstellung bis zum 8. November weitere Vorträge dazu geplant.

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