Wegweiser an prominenter Stelle: Auf die Literatouren weist eine Tafel an der Tegernseer Pfarrkirche hin. Das Bild zeigt (v.l.) TTT-Chef Christian Kausch, Peter Czoik, Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan, Ingvild Richardsen, Professor Klaus Wolf, Tegernsees Zweiten Bürgermeister michael Bourjau und Monsiognore Walter Waldschütz bei der Einweihung.
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Wegweiser an prominenter Stelle: Auf die Literatouren weist eine Tafel an der Tegernseer Pfarrkirche hin. Das Bild zeigt (v.l.) TTT-Chef Christian Kausch, Peter Czoik, Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan, Ingvild Richardsen, Professor Klaus Wolf, Tegernsees Zweiten Bürgermeister michael Bourjau und Monsiognore Walter Waldschütz bei der Einweihung.

Literaturschätzen begegnen

Die Tegernseer Literatouren sind eröffnet

  • VonKatrin Hager
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Poetische Glanzlichter und Sagen, mittelalterliche Gelehrte und schillernde Literaten: Am Tegernsee kann man ihnen auf Streifzügen zu ihren Schauplätzen begegnen: bei den Tegernseer Literatouren, kurz TELITO. 

Tegernsee – Die Pforte der Pfarrkirche St. Quirinus in Tegernsee führt nicht nur in das Gotteshaus. Sie bildet auch den Eingang zu einem literarischen Spaziergang: Durch die Kirche führt der Streifzug unter dem Titel „Ludus de Antichristo“. Der Antichrist im Kirchenschiff? Ja, tatsächlich: In Tegernsee entstand in der Stauferzeit das älteste Schauspiel über das Auftreten des Antichrist am Ende der Zeiten. Der dramatische Endkampf wurde auch in der damaligen Klosterkirche aufgeführt, eine Simultanbühne stand im Altarraum.

Diesen und viele weitere literarische Schätze des Tals vom Frühmittelalter bis ins 20. Jahrhundert eröffnen die Tegernseer Literatouren, kurz TELITO. Am Dienstagnachmittag sind sie eröffnet worden. Unter der Leitung von Literaturwissenschaftler Professor Klaus Wolf sind bei dem Pilotprojekt TELITO 12 Streifzüge entstanden, die literarische Schätze am Tegernsee sichtbar und erlebbar machen sollen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat das Pilotprojekt im Rahmen des „Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE)“ und der Bekanntmachung „LandKULTUR – kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Räumen“ mit rund 100.000 Euro gefördert.

Startschuss für das Projekt fiel 2018

Der Startschuss für das Projekt war 2018 gefallen. Der Literaturwissenschaftler Professor Klaus Wolf von der Universität Augsburg und seine Projektmitarbeiter Dr. Ingvild Richardsen und Dr. Peter Czoik haben die Touren fundiert recherchiert und zusammengestellt. Wertvolle Unterstützung bekamen sie vor Ort, etwa von den Gemeindearchiven und dem Altertumsgauverein Tegernsee mit seinem Museum Tegernseer Tal. Dieses bekam im Zuge des Projekts auch eine neue, klimaneutrale Beleuchtung, die die empfindlichen Originale in Szene setzt, ohne sie zu beschädigen.

Zwölf literarische Streifzüge in allen fünf Talgemeinden sind das Ergebnis der Arbeit. „Das Projekt war ein absoluter Glücksfall“, befand Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) gestern bei der Eröffnung der Literatouren vor der Tegernseer Pfarrkirche.

Zwölf Touren durch alle fünf Tal-Gemeinden

Dort wurde eine große Schautafel enthüllt und von Monsignore Walter Waldschütz gesegnet. Sie weist nun an prominenter Stelle auf die Literatouren hin. „Wir brauchen uns vor keiner Metropole zu verstecken“, sagte Kausch angesichts der kulturellen Vielfalt, die die TELITO belegen. Ziel des Projekts ist es, die kulturelle Identität in der Region zu stärken und erlebbar zu machen.

Die zwölf Touren sollen als ganzjährig nutzbares Angebot für anspruchsvolle Gäste dienen, die auch regionale Gastronomie und Geschäfte schätzen, erklärte Wolf. Sie sollen so auch eine Alternative zum „Overtourism“ bilden. Schüler könnten damit zudem spannende Einblicke in die Heimatgeschichte erhalten. Die Präsentation ist nicht das Ende, kündigte Wolf an: Ein Begleitbuch und eine Anthologie sind bereits in Planung. Auch Veranstaltungen sollen immer wieder an die TELITO anknüpfen, sagt Kausch.

Es gibt Streifzüge von fünf Minuten bis zu knapp vier Stunden

Die Literatouren umfassen Streifzüge von fünf Minuten bis zu knapp vier Stunden. Sie führen etwa auf die Spur von Bestsellerautorin Hedwig Courths-Mahler und ihrer Töchter oder der jüdischen Schriftstellerin Grete Weil. Sie führen zu Orten aus Tegernseer Sagen wie der vom tapferen Buben vom Lieberhof, der im 30-jährigen Krieg eine Folterung vereitelt, oder vom Fisch mit dem goldenen Ring. Sie beleuchten poetische Glanzlichter wie das älteste bekannte Liebesgedicht in deutscher Sprache, das ausgerechnet im Kloster niedergeschrieben wurde, ebenso wie der erste Ritterroman „Ruodlieb“. Die literarischen Spuren des Jodschwefelbads in Bad Wiessee und „Gmunder Originale“ wie der „wilde Jager“ Johann Mayr sind unter anderem Thema. Und der letzte Kampf des Antichrist in der einstigen Klosterkirche.

Alle Streifzüge der Tegernseer Literatouren sind im Detail auf der Internetseite des Projekts zu finden. Ab Anfang Oktober wird es auch einen Audioguide geben.

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