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Nicht nur mit saloppen Sprüchen, auch mit virtuoser Musik unterhielt Lizzy Aumeier (r.), hier mit Bühnenpartnerin Svetlana Klimova, das Publikum in Tegernsee.

Begeistertes Publikum im Ludwig-Thoma-Saal

So war der Auftritt von Lizzy Aumeier

Tegernsee - Mit ihrem neuen Programm gastierte Lizzy Aumeier am Donnerstag in Tegernsee. Sie begeisterte dabei mit saloppen, aber auch tiefgehenden Sprüchen. Und mit starker Musik.

Von Anfang an haben Publikum und Künstlerin im Ludwig-Thoma-Saal in Tegernsee einen Draht zueinander. Und so kursieren schon während der Pause die Gags aus dem ersten Programmteil und schallendes Gelächter erfüllt den Saal und das Foyer.

Im Rausgehen schüttet man sich dann aus über die Betrachtungen zum aktuellen Smoothie-Hype, über die Freundin, die Kopfsalat püriert, und über die Erkenntnis, dass Rote-Beete-Saft 16 Vitamine beinhaltet. Aber was ist das gegen 18 Kräuter im Jägermeister?

Die Zuschauer sind sichtlich und hörbar angetan von der sympathischen Art der Frau, die auf der Bühne nicht die Superlizzy gibt, als die sie farbenfroh von Plakaten und Handzetteln strahlt. Stattdessen präsentiert Lizzy Aumeier ein neues, noch in der Übungsphase begriffenes Programm. Dass sie dafür bisweilen ihre Spickzettel bemühen muss, stört nicht im Geringsten.

Powerfrau mit Bühnenpräsenz: Lizzy Aumeier.

Aber es amüsiert, dass ihr etwa bei der Betrachtung der täglichen Nöte eines Mannes unabhängig seiner Herkunft und Religion ausgerechnet der „Preiss“ am schwersten über die Lippen geht. Und wenn sie ihre Bühnenpartnerin Svetlana Klimova vorstellt, erinnert das an Polt, wie er in „Fast wia im richtigen Leben“ die Vorzüge eines billigen russischen Intellektuellen für die Gartenarbeit preist.

Hier ist es die ehemalige Konzertmeisterin der Moskauer Symphoniker, die in Leggins und Pulli recht unscheinbar am Keyboard sitzt, aber dort und vor allem auch an der Geige eine perfekte Partnerin für Lizzy Aumeier am Kontrabass ist. So sind auch die Musikstücke zwischen den Textpassagen ein absoluter Genuss.

Aumeier – im Übrigen die erste Frau, die am Nürnberger Meistersinger-Konservatorium am Kontrabass ihr Examen ablegte – zeigt virtuos die ganze Fülle dieses wuchtigen Instruments. Mal geben die Damen Vivaldi, mal ACDC. Sie erklimmen Led Zeppelins „Stairway to heaven“ und sind „Born to be wild“. Gerade hier springt der Funke über, und zu „We will rock You“ von Queen klatscht und schnippt der Saal selbst dann noch, als die Instrumente schon verklungen sind.

Über all die geniale Musik und leichte Kost zum Dauerbrenner Schönheitswahn und Schönheitsideale vergisst Lizzy Aumeier aber nicht, die richtig brennenden politischen Themen klar beim Namen zu nennen. Erdogan, Trump und AfD nehmen vor allem im ersten Teil viel Raum ein, und Aumeier eiert dabei nicht – um politische Korrektheit bemüht – herum, sondern findet deutliche Worte für ihre Empörung über deren Art, Politik zu machen. 

Nach der Pause betätigt sich die Kabarettistin als Hellseherin und liest aus ihrer Glaskugel. Etwa dass Markus Söder 2024 endlich die Nummer eins wird („als Vorsitzender der Fastnacht in Franken“), Volkswagen 2040 mit einem Bobbycar „sein erstes wirklich schadstoffarmes Fahrzeug produziert“ und sie selbst 2050 Kinostar mit der Hauptrolle in „9 1/2 Wochen“ wird. Köstlich, als Lizzy Aumeier zuletzt ihren Mann zum modernen Tanz auf die Bühne holt, nachdem sie beklagt hat, dass „man merkt, dass man alt wird, wenn die Musik, die man mag, nicht mehr zu einem passt“.

Es ist ein sehr kurzweiliger Abend, an dem man zuletzt etwas schwankt zwischen einem „Mei, so is’ sie halt“ und dem Wunsch nach etwas weniger Derbheit. Schließlich hat all das, was Aumeier in zwei Stunden auf der Bühne zur Sprache bringt, Hand und Fuß. Und wie Applaus und Reaktionen zeigen, hat sie damit das Publikum auf ihrer Seite.

Heidi Siefert

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