Mund auf für eine Prise Weihwasser: eine Szene aus dem Film „Lord & Schlumpfi“ mit Lord Tobias Öller (r.), Schlumpfi Andi Rinn (M.) und Mesner Erich Kogler.
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Mund auf für eine Prise Weihwasser: eine Szene aus dem Film „Lord & Schlumpfi“ mit Lord Tobias Öller (r.), Schlumpfi Andi Rinn (M.) und Mesner Erich Kogler.

Tobias Öller im Interview

„Lord & Schlumpfi“: Youtube-Projekt aus dem Landkreis auf dem Sprung zum Kino-Hit

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Alles begann mit einer verrückten Youtube-Idee. Jetzt haben "Lord & Schlumpfi" den Sprung auf die Kinoleinwand geschafft. Wir haben Tobias Öller dazu befragt.

Landkreis – Im August 2016 veröffentlichten die Macher von „Lord & Schlumpfi“ um den Kabarettisten, Musiker und Autor Tobias Öller (46) die erste Episode ihrer schrägen Comedyserie auf Youtube – ohne Plan, ob und wie das Projekt weitergehen würde. Doch die Fanbasis wuchs, und so kehrten die Protagonisten der Mischung aus bayerischer Comedy, Pop-Parodie, Horror-Persiflage und Fantasy regelmäßig auf die (Computer-)Bildschirme zurück. Vor Kurzem ist nun mit „Lord & Schlumpfi – der lange Weg nach Wacken“ sogar ein Kinofilm mit den zwölf Episoden der okkulten Heldensaga angelaufen. Nicht nur das Team dahinter stammt zum großen Teil aus dem Landkreis Miesbach, sondern auch die meisten Drehorte liegen hier. Im Interview verrät der gebürtige Tegernseer Öller, der neben seiner Schauspielrolle auch das Drehbuch geschrieben hat, wie die Idee zur Saga entstanden ist und ob das Kino sein künftiges Zuhause ist.

Herr Öller, 27 000 Fans haben „Lord & Schlumpfi“ bei Youtube abonniert. Hätten Sie zu Beginn des Projekts mit so einer Resonanz gerechnet?

Niemals. Damals hätten wir alles als Erfolg gewertet, was die 1000-Clicks-Marke übersteigt. Wir hatten absolut keine Ahnung, ob das Projekt eine Zielgruppe findet. Zumal wir ja auf Youtube, wenn man’s genau nimmt, alles falsch machen, was man falsch machen kann. Die hippsten Kanäle hauen mindestens zwei Videos pro Woche raus – das schaffen wir gerade mal in einem Jahr. Allerdings steckt in jeder unserer Einzelepisoden eben auch ungleich mehr Arbeit als in den meisten anderen Kurzformaten, und erfreulicherweise wissen unsere Fans das zu schätzen.

Wie sind „Lord & Schlumpfi“ überhaupt entstanden?

2013 habe ich fürs Burghauser Altstadt-Theater „Cabaret des Grauens“ ein Sommerkabarett konzipiert. Die Show hieß „Radio Rustikal“ und war quasi ein Live-Hörspiel-Comedy-Format. Die Szene mit „Lord & Schlumpfi“ war quasi der „Jugendfunk“ der fiktiven Sendung. Denkbar einfaches Konzept: Eine hippe Moderatorin trifft auf diese zwei Wahnsinnigen. Die Szene bildet die Keimzelle von „Lord & Schlumpfi“ und wurde fast eins zu eins in den Film übernommen.

Trotzdem sind Sie vor „Lord & Schlumpfi“ nicht als Vertreter der Black Metal-Szene aufgefallen.

Das stimmt. Innerlich schlummerte die Idee aber schon sehr lang in mir. Von den 1990ern bis etwa 2003 hab ich ziemlich viele Konzerte veranstaltet, meist mit regionalen Bands, und da kamen Musiker aus allen erdenklichen Sparten zusammen. Wenn man dann hinter der Bühne feststellt, dass sich die Black Metaller mit den hippen Indie-Rockern recht gesellig über Fußball, Brauereien und Leberkas austauschen, birgt das schon ziemlich viel von dem Culture-Clash-Humor unserer Serie.

Ihr Filmteam ist eher ein „Clash“ aus Kulturschaffenden im Landkreis. Wie haben Sie zusammengefunden?

Das ist schon lange vor „Lord & Schlumpfi“ passiert. Mit Sabine Schreiber arbeite ich schon seit 14 Jahren zusammen. Die Bine hat sogar bei meinem allerersten Musical mitgetanzt, da war sie noch auf dem Gymnasium. Als ich ins Solo-Kabarett gewechselt bin, hat Sabine gerade mit dem Dramaturgie-Studium begonnen. Sie war von Anfang an meine Regie. Wir haben viel aneinander und voneinander gelernt. Dass wir auch mit der Filmerei angefangen haben, liegt an Peter Rixner. Der hat eine Ein-Mann-Medienproduktion in Tegernsee. In seinem Tonstudio haben Andi Rinn und ich Anfang der 1990er unser erstes Demo aufgenommen.

Und irgendwann kam dann auch noch das Bild dazu...

Genau. 2008 hat Peter eine Kabarett-Aufführung von mir gefilmt. Danach meinte er, dass er gern mal einen lustigen bayerischen Film machen würde. Es entstand dann relativ schnell der Kurzfilm „Calamari Blues“. Das war zwar kein Gassenhauer, bildete aber eben den Startschuss für unser gemeinsames Filmschaffen. Jahrelang lagen immer mal wieder Filmideen auf dem Tisch. Als dann „Lord & Schlumpfi“ auf der Bühne abgespielt waren, haben wir es mal mit diesen zwei Kindsköpfen versucht.

Hätten Sie damals geahnt, dass daraus ein Kinofilm entsteht?

Sagen wir mal so: Wer Peter Rixner bei der Arbeit zuschaut und sieht, welchen Voodoo er in Sachen Bildqualität betreibt, erkennt schon, dass das Ganze eigentlich für die Leinwand gemacht ist und nicht nur für ein Smartphone-Display.

Wie wichtig war das Feedback der Youtube-Fans für Ihre Arbeit?

Enorm wichtig. Hätten wir nicht diese Reaktionen bekommen – und das meine ich vor allem qualitativ – wäre das Projekt wahrscheinlich irgendwann eingeschlafen. Mein natürliches Habitat als Humorist ist ja die Bühne, da bekomm’ ich direktes Feedback. Bei einer Online-Serie ist das schwieriger. Umso dankbarer bin ich für die Erkenntnis, dass so viele nette Menschen humormäßig ähnlich gepolt sind wie wir. Überhaupt sollte unsere Fan-Community sofort unter Artenschutz gestellt werden, das ist nämlich bislang eine komplett klugscheißerfreie Zone. So was ist in der Social-Media-Welt verdammt selten.

Bleiben Sie der Leinwand treu, auch wenn die Corona-Gefahr gebannt ist und Sie wieder live vor Publikum auftreten können?

In den letzten Monaten hat sich viel von den Veranstaltungen mit real existierendem Publikum ins Netz verlagert. Wir gehen mit diesem Kinostart den umgekehrten Weg, und das ist nur zu einem kleinen Teil auf unserem Mist gewachsen. Seit 10. September sind wir jetzt auf Kinotour. Das Kino ist allgemein – und in dieser Zeit ganz besonders – ein Ort, an dem man sich eine Auszeit vom Alltag gönnen kann. Wenn wir dazu einen kleinen Beitrag leisten können, sind wir vollauf zufrieden.

Die Kinotour

mit den Machern von „Lord & Schlumpfi“ macht auch im Landkreis Station. Am morgigen Mittwoch um 19 beziehungsweise 20 Uhr im Kino am Tegernsee und am Donnerstag, 24. September, ab 20.30 Uhr im Fools Kino in Holzkirchen.

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