Ludwig Thoma - Exklusiver Einblick in seine Heztschriften
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Ludwig Thoma und seine antisemitischen Hetzschriften: Klicken Sie sich durch eine exklusive Auswahl aus unserem Archiv. 
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In dem Artikel "Antisemitisches" vom 17. Juli 1920 weist er den Juden die Schuld für das Aufkommen der Judenfeindschaft zu. Zitat: "Wer heute mit Bedauern, oder wenn er selbst Jude ist, mit Sorge das Anwachsen der antisemitischen Stimmung gerade in der akademisches Jugend, der Zukunft Deutschlands sieht, der lege sich Rechenschaft ab über die große Schuld, welche die jüdische Presse an dieser Erscheinung trifft." Weiter schrieb er: "Wir Arier haben es am Ende nicht nötig, ruhig zuzusehen, wie schmierige Lausbuben, Tango- und Spinatburschen zu Christenpogromen hetzen."
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„Antisemitisches“, in voller Länge.
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In dem Artikel "Berliner Preßkanaille" vom 1. Mai 1921 hetzt Thoma gegen die "galizische Preßkanaille", vor allem gegen die linksgerichtete Zeitung "Welt am Montag" und die renommierte "Weltbühne".
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"Berliner Preßkanaille" in voller Länge. 
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„Anti-arisch“: Thoma über die seiner Meinung nach „anti-arische“ Hauptstadtpresse.
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„Gesindelpresse, nicht Arbeiterpresse“: Ludwig Thoma hetzt gegen linke Zeitungen.
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„Gesindelpresse, nicht Arbeiterpresse“: Ludwig Thoma hetzt gegen linke Zeitungen.

Die dunkle Seite des Star Autors - aus unserem Archiv

Ludwig Thoma - Exklusiver Einblick in seine Hetzschriften

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Es ist die andere, die böse Seite von Ludwig Thoma: Er schrieb 1920 und 1921 Hetzartikel für den „Miesbacher Anzeiger“. Doch seine Radikalisierung begann schon früher – mit Beginn des Ersten Weltkriegs.

 Ludwig Thomas Schriftstellerkollege, der Anarchist und Bohemien Erich Mühsam, bemerkte es als einer der Ersten: „Und immer der haltloseste Hurrapatriotismus, in dem sich Ludwig Thoma, der große Spötter, am lautesten jetzt hervortut“, schrieb er Mitte August 1914 in sein Tagebuch. Schon am 3. August war auf der Titelseite der „Münchner Neuesten Nachrichten“ ein patriotisches Gedicht erschienen. „Am 1. August“ von Ludwig Thoma, der dort das euphorische August-Erlebnis und die Kriegsbegeisterung beschwor.

Die Wandlung des linksliberalen Spötters, wie man ihn vom „Simplicissimus“ kannte, zum streng nationalen Autor setzte mit dem Ersten Weltkrieg ein. An die Front durfte Thoma nur kurz – als Sanitäter von März bis August 1915 –, ehe er wegen einer Ruhr-Erkrankung in sein Tegernseer Haus auf der Tuften heimkehrte. Doch der Krieg ließ ihm keine Ruhe – er wollte sich patriotisch engagieren. „Das unbekümmerte Maulaufreißen aus Schlemihlzeiten (hier spielte Thoma auf sein Simplicissimus-Pseudonym Peter Schlemihl an) kommt mir heute recht klein und jämmerlich vor“, schrieb er im Februar 1917.

Der Fürstenfeldbrucker Kulturreferent Klaus Wollenberg veröffentlicht im neuen Heft der Regionalzeitschrift „Amperland“ (1/2017) weitere Indizien zum Hurrapatriotismus Thomas. Dieser lotste im August 1917 zunächst den Karikaturisten Karl Arnold von Lille zurück nach München, weil dieser hier besser propagandistisch wirken könne. Sodann engagierte sich Thoma gegen ein Heimatfronttheater des etwas zwielichtigen Schriftstellers Henrich Gilardone, der mit einem „Feldgrauen Spiel“ namens „Der Hias“ durch Bayern tourte und der für Thoma ein Kriegsgewinnler war. Der Hias, wütete Thoma, sei „nicht ein Kulturstück Bayerns“, sondern „ein Ärgernis ersten Ranges“. 1917 warb Thoma im „Miesbacher Anzeiger“ für das Zeichnen von Kriegsanleihen. „Unser Vaterland muß den Krieg durchführen bis zum siegreichen Ende“, hieß es im Oktober 1917 unter der Überschrift „Warum muß gerade der Bauer die Kriegsanleihe zeichnen?“

Porträt über Ludwig Thoma: Geburtstag eines Widerspenstigen

Seit September 1917 engagierte sich Thoma für die Deutsche Vaterlands-Partei, die unter anderem vom Admiral im Ruhestand, Alfred Tirpitz, gegründet worden war, um die Forderungen nach einem bedingungslosen Siegfrieden durch eine Massenbewegung zu unterstützen. Auf bisher nicht rekonstruierten Wegen geriet Thoma gleich zu Beginn in den Bann dieser nationalistischen Massenpartei, für die er die Funktion eines Trommlers und prominenten Aushängeschilds übernahm. Die spärlichen Dokumente im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zeigen, dass die bayerische Bürokratie von Beginn an misstrauisch auf die neue Partei schaute. „Die Führer der neuen Partei sind demnach stark alldeutsch abgestempelte Persönlichkeiten“, hieß es in einem Bericht der Bayerischen Gesandtschaft in Berlin an das bayerische Ministerium des Inneren. Mit Interesse wurde auch notiert, dass ein Kriegsheld, der General Hindenburg, sich von der Vaterlands-Partei distanzierte und sich Forderungen nach einem „Hindenburgfrieden“ – gemeint war ein Siegfriede mit weitreichenden Annexionen – verbeten habe. Ludwig Thoma indes trat schon bei der Gründungsversammlung der Vaterlands-Partei am 24. September 1917 in der Berliner Philharmonie als Redner auf, wofür ihm Tirpitz persönlich dankte. In der Folgezeit engagierte sich der Schriftsteller mit „Kriegspropaganda und Durchhalteparolen“ (so Wollenberg) für die Sache der Ultranationalisten. Ein Beispiel dafür ist eine Rede, die er am 12. Mai 1918 in Holzkirchen hielt und die der „Miesbacher Anzeiger“ im Wortlaut abdruckte. Auch antisemitische Stereotype, die Thoma meist erst für die Jahre 1920/21 vorgehalten werden, tauchen schon auf. Thoma beschwor den Willen zum Sieg. „Die Frage lautet: Siegen oder untergehen!“ Von einer „Versöhnlichkeit des Feindes“ habe man nichts zu hoffen, nein, die Regierung müsse „einen starken, einen wirklichen Frieden durchsetzen“ und sich den inneren Feinden widersetzen. Wer diese Feinde waren, daran ließ Thoma keine Zweifel: Es waren diejenigen, die die „internationale Verbrüderung“ betrieben – und auch die Juden: „Wie kommt es auch“, fragte Thoma, „daß jeder galizische Preßbengel, der vorgestern aus Krotoschin zugereist ist, mitredet über das Schicksal Deutschlands“?

Das Bild vom „galizischen Preßbengel“ aus Krotoschin (eine Stadt bei Posen) verwendete Thoma dann öfters in seinen 167 anonymen Artikeln, die im „Miesbacher Anzeiger“ 1920 und 1921 erschienen und 1989 vom Regensburger Historiker Wilhelm Volkert kritisch ediert wurden. Thomas Verbindungsmann zum „Anzeiger“ war der Miesbacher Apotheker Fritz Salzberger, der die Manuskripte Thomas beim Redakteur Klaus Eck ablieferte.

Seit Juli 1920 setzte im „Miesbacher Anzeiger“ ein wahres Trommelfeuer antisemitischer Hetzparolen ein, die nach Meinung des Historikers Wilhelm Volkert „rational nicht zu erklären“ sind, „für einen juristisch ausgebildeten, in rechtsstaatlichen Kategorien denkenden Menschen (der Thoma ursprünglich war – d. Red.) schon überhaupt nicht“. Aus dem Reigen der Niedertracht ragt der Artikel „Anti-Arisch“ vom 8. April 1921 hervor, in dem Thoma Morde und Attacken rechtfertigte. „In München haben wir doch mit der Hinrichtung des Eisner und der Prügelstrafe gegen den Magnus Spinatfeld den Nachweis geliefert, daß es uns nicht an Temperament fehlt. Die Berliner werden auch dankbar anerkennen müssen, daß wir ihnen den Landauer durchgetan haben.“ Zur Erläuterung: Der USPD-Politiker und Jude Kurt Eisner war im Februar 1919 von einem Offizier erschossen worden; Magnus Hirschfeld, ein Sexualforscher, war im Sommer 1920 auf offener Straße angegriffen und verletzt worden. Den Schriftsteller Gustav Landauer schließlich hatten Freikorps-Soldaten am 2. Mai in München ermordet.

So viel Hetze stieß auch Thomas Geliebter Maidie von Liebermann bitter auf. Mehrmals beschwor sie ihn (so am 27. Juni 1921), die Mitarbeit am Anzeiger doch einzustellen. „Zu diesen Sachen bist du doch zu gut (...) Schreibe für eine anständige Zeitung. aber zu den hinterfozzigen Geschichten würde ich mich nicht hergeben.“ Ludwig Thoma schlug diese Warnung einfach in den Wind.

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