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Aufmarsch für den Veranstaltungsreigen: Die elf Musikanten von Rupertiblech um Gründer Peter Reiter (r. am Kontrabass) eröffneten die 45. Tegernseer Woche für Brauchtum und Kultur. 

Die 45. Tegernseer Woche ist gestartet

Majestätischer Aufmarsch zur Eröffnung

Mit majestätischen Bläserklängen ist am Donnerstagabend die 45. Tegernseer Woche eröffnet worden. Die Chiemgauer Bläsergruppe Rupertiblech führte das Publikum zurück in die Zeit, als die Wittelsbacher an den Tegernsee kamen.

Tegernsee – Die elf Musikanten von Rupertiblech begrüßten ihr Publikum zwar mit einem „Bauernmarsch“ – der allerdings erinnerte nicht nur klanglich mit Marschtrommel-Tusch und erhabenen Trompetenmelodien an einen majestätischen Aufmarsch, sondern stammt auch aus hoheitlicher Feder: von Herzog Max Joseph in Bayern, wegen seiner Leidenschaft auch Zither-Maxl genannt. Der Wittelsbacher machte im 19. Jahrhundert höchstselbst die Volksmusik salonfähig.

Dass sie das bis heute ist, ist auch bei der Eröffnung der Tegernseer Woche regelmäßig zu erleben. Auch heuer waren viele bekannte Gesichter aus Politik und Gesellschaft am Tegernsee zur Eröffnung zu Gast, allen voran Herzogin Elizabeth und Herzog Max in Bayern. Ein paar Stühle blieben im Barocksaal dennoch leer – was vielleicht auch einem gleichzeitig um die Publikumsgunst konkurrierenden Volksmusikabend in der Nachbargemeinde Rottach-Egern geschuldet sein mochte. Die Tegernseer Woche, quasi die Mutter der Festivals im Landkreis, ist heutzutage nicht mehr die einzige Blüte in der regionalen Kultur-Landschaft. „Inzwischen machen’s uns alle nach“, stellte Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn bei der Begrüßung fest.

Rupertiblech, die schon mal beim Internationalen Musikfest Kreuth zu Gast waren, glänzten vor allem dann, wenn sie ihre Stärke ausspielten: das Zwiegespräch der Trompeten und Klarinetten, mit dem die Musikanten um Gründer und Leiter Peter Reiter ihren Arrangements unverwechselbaren Charakter verleihen. Reiter, der abwechselnd den Kontrabass streicht oder die Tuba bläst, und seine Musikanten – allesamt übrigens ambitionierte Laienmusiker verschiedener Kapellen aus dem Chiemgau – halten teils fast vergessene Notenschätze lebendig. Zur Tegernseer Woche präsentierten sie einen landschaftlichen wie zeitlichen Querschnitt. Das Publikum erlebte, wie Musik zu Zeiten der ersten Wittelsbacher am Tegernsee heuer vor 200 Jahren geklungen haben mag oder dies auch hat.

Rupertiblech stehen mit ihrem Wirken auch in der Tradition bedeutender Bewahrer von historischem Notenmaterial, das ohne sie wohl in den Tiefen der Geschichte verloren wäre – wie Tobi Reiser, dessen „Bazwoacher Bairischer“ erklang, und Peter Huber, dem Müllner-Peter von Sachrang, der mit einem Deutschen, „Almando Nr. 6“, im Programm vertreten war.

Steiner belegte in seiner Moderation, dass Rupertiblech gleichermaßen aus einem Noten- wie auch wissensschatz schöpfen. So erklang ein erhabener Aufzug mit Pauke und Trompeten aus dem Kloster Weyarn, das einst unter dem Patronat des Salzburger Erzbischofs gegründet wurde, aus dessen einstigem Machtbereich wiederum Rupertiblech stammen.

Dass die musikalische Entwicklung gern in der den Komponisten und Musikern eigenen regionalen Tradition wurzelt, die sich aber wiederum auch aus mitunter weit gereisten Einflüssen speist, ließen Rupertiblech das Publikum mit einem Menuett Joseph Haydns selbst hören: Dessen Melodie stand Pate für die deutsche Nationalhymne. „Sie hat ein Österreicher aus einem kroatischen Volkslied und einem Kirchenlied gemacht“, erklärte Reiter.

Für so viel Liebe zum Detail und Engagement gab’s am Ende begeisterten Applaus – und drei Zugaben. Darunter auch ein Geburtstagsständchen für die Leiterin der Tegernseer Woche, Birgit Halmbacher-Höplinger.

Ein Fest für Brauchtum und Kultur 

Die Tegernseer Woche bietet noch bis einschließlich Dienstag, 3. Oktober, volles Programm: mit Theater, Konzerten, Musikkabarett, Führungen und mehr. Bereits ausverkauft sind der Schlosstag, die Führungen in der umgebauten Brauerei sowie die Veranstaltung „Von Königen und Herzögen“ mit Beni Eisenburg im Museum Tegernseer Tal. Die Führung durch die Sonderausstellung „200 Jahre Wittelsbacher am Tegernsee“ im Heimatmuseum mit Dr. Roland Götz wird wegen der großen Nachfrage am Montag, 2. Oktober, um 17 Uhr wiederholt. Das gesamte Programm und nähere Infos zur Tegernseer Woche gibt es auf dieser Webseite.

Katrin Hager

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