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Wird im Tegernseer Tal zu viel gejagt? (Symbolfoto)

Interview mit Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins

„Manche sehen Wild als Ungeziefer“

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Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, setzt sich nicht nur für Haustiere ein, sondern auch für Wildtiere. Ihre Überzeugung: Im Tegernseer Tal wird zu viel gejagt.

Tegernseer Tal– Misshandelte Hunde, ausgesetzte Katzen, verwahrloste Pferde – der Tierschutzverein Tegernseer Tal macht sich mit viel Engagement für Haus- und Nutztiere stark. Aber nicht nur für sie: Das Wohl der Wildtiere liegt der Vorsitzenden Johanna Ecker-Schotte (56) nicht minder am Herzen.

Frau Ecker-Schotte, zur jüngsten Hauptversammlung hatte der Tierschutzverein Biologin Christine Miller vom Verein Wildes Bayern zu Gast. Was war der Anlass?

Wir erinnern uns noch gut an einen schockierenden Vorfall im August 2013. Damals wurde ein Hirsch am Wallberg angeschossen und musste tagelang leiden, weil es keine oder keine ordentliche Nachsuche durch den Schützen gab. Jäger Michael Herrmann aus Bad Wiessee hatte das Tier dann erlöst. Wir haben als Tierschutzverein Anzeige erstattet, das Verfahren wurde aber eingestellt. Seit diesem Vorfall sind wir aufmerksamer geworden. Der Tierschutzverein hat nicht nur für Hund und Katz eine moralische Verantwortung.

Wie ist denn eigentlich Ihr Kontakt zur Jägerschaft?

Zu einigen Jägern haben wir guten Kontakt, deshalb wissen wir auch von etlichen Missständen. Mein Eindruck ist: Es wird hier im Tal ein zu starker Abschuss verlangt. Manche Waldbesitzer sehen unser heimisches Wild offenbar als Ungeziefer. Es gibt auch Landwirte, die ihre Wiesen praktisch wildfrei haben wollen. Und es gibt neben guten Jägern auch einige, die absolut unfähig sind. Da bekommt das Reh einen Bauchschuss, rennt schwer verletzt davon und wird nie gefunden. Manchmal hören wir sogar hier direkt am Tierheim viele Schüsse – und zwar trotz Schonzeit das ganze Jahr über. Wir glauben nicht mehr, dass das alles Wilderer sind.

Wird im Tegernseer Tal zu viel gejagt?

Ich glaube schon. Es heißt immer Wald vor Wild, aber so darf es aus meiner Sicht nicht sein. Wald und Wild, das gehört doch zusammen. Wir müssen unseren heimischen Tieren genügend Raum zum Leben geben. Das ist auch im Bayerischen Jagdgesetz verankert. Da heißt es: Die frei lebende Tierwelt ist wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur.

Und dem wird nicht Rechnung getragen?

Mir ist schon Erschreckendes berichtet worden. Und ich frage mich, wer eigentlich für die Kontrolle sorgt. Sind die Jagdbehörde oder das Veterinäramt neutrale Beobachter und reicht das aus? In der Öffentlichkeit bekommt das heimische Wild leider nicht die Aufmerksamkeit, die es bitter nötig hätte. Daran etwas zu ändern, ist uns ein großes Anliegen. Wenn Wild gehetzt wird, ist das strafbare Tierquälerei.

Da spielen aber auch Hunde eine Rolle.

Keine Frage: Nicht abrufbare Hunde müssen im Wald an die Leine. Nicht nur wegen Reh und Hirsch, sondern im Frühjahr auch zum Schutz der Bodenbrüter. Jeder Hundebesitzer hat dafür zu sorgen, dass sein Tier keinem anderen Tier Schaden zufügt.

Würden Sie die Jagd am liebsten verbieten?

Nein! Ich bin kein Freund der Jagd, doch sie gehört laut dem Bayerischen Jagdgesetz zu unserem Kulturgut. Aber sie muss nachhaltig betrieben werden und nicht nur im Sinne des Pflanzenschutzes. Das Wild ist Teil des Ökosystems und soll es auf Dauer bleiben. Früher habe ich bei Waldspaziergängen im Tegernseer Tal oft Rehe gesehen, inzwischen kaum mehr.

Wo sehen Sie als Vorsitzende Ihre Aufgabe?

Wir möchten Ansprechpartner sein, wenn es Missstände gibt. Nicht nur bei Haus- und Nutztieren, sondern auch beim Wild. Wer von tierschutzwidrigen Vorfällen weiß, der kann sich an uns wenden. Wir sichern dabei absolute Anonymität zu. Aber wir gehen den Missständen nach. Es muss dann nicht immer zur Anzeige kommen – unserer Erfahrung nach bringen Gespräche oft viel.

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