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Ölkannen schleppen ist für Endercan Üstüner Alltag. In den städtischen Wohnungen an der Max-Josef-Straße gibt es keine Zentralheizung. 

Sanierung lohnt nicht mehr

Marode Häuser: Mieter der Stadt Tegernsee kämpfen um Heizung

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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1939 wurden die Häuser an der Max-Josef-Straße gebaut, geheizt wird mit Ölöfen. Die Mieter  kämpfen um den Einbau einer Zentralheizung, doch die Stadt Tegernsee als Eigentümerin hat andere Pläne.

TegernseeEs ist oft kalt in den Wohnungen an der Max-Josef-Straße. Hier sind noch Ölkannen zu schleppen. Wer kann, leistet sich einen Nachtspeicherofen. Als Sprecher der Mieter kämpft Endercan Üstüner (59) für eine Zentralheizung – und hat einen Anwalt engagiert.

Die Stadt Tegernsee hat die Gebäude Max-Josef-Straße 14/16 im Jahr 2011 erworben. Zum Grundstückswert, wie Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) berichtet. Die beiden Häuser mit insgesamt acht Wohnungen waren damals schon verbraucht. Gebaut wurden sie 1939.

Üstüner war bei der Übernahme der Häuser durch die Stadt schon Mieter. Seit 2003 wohnt er in Haus 14. „Ich habe immer alles repariert“, sagt der 59-Jährige. Die Hausgemeinschaft sei gut, man lebe gerne miteinander und auch gerne dort. Doch die Heiz-Situation sei nicht mehr tragbar. Im wahrsten Sinn des Wortes übrigens: Etliche Mieter seien wegen Alter und Krankheit kaum mehr in der Lage, die Ölkannen zu befüllen und in die Wohnungen zu tragen. „Das führt zu gefährlichen Situationen“, berichtet Üstüner. Erwachsene Kinder betagter Mieter hätten schon Ölkannen für die ganze Woche im Treppenhaus aufgestellt oder in der Badewanne deponiert.

Hausgemeinschaft macht Druck bei der Stadt 

„Das geht doch nicht“, findet Üstüner. Teils seien auch die Kosten fürs Heizen unzumutbar. Wer sich einen Nachtspeicherofen leiste, zahle eine enorme Stromrechnung. Für eine ordentliche Heizung zu sorgen, sei Sache des Vermieters, weiß Üstüner. Also der Stadt.

Im vergangenen Sommer hat ein Teil der Hausgemeinschaft mit Üstüner als Sprecher bei der Stadt Druck gemacht: Sie möge eine Zentralheizung einbauen. Es müsse ja nicht gleich eine Generalsanierung sein, findet Üstüner. „Wir wollen nur, dass die Bude nicht kalt ist.“ Wenn die Miete dadurch etwas steige, würde das bezahlt.

Im September gab es ein Treffen mit Bürgermeister Hagn, mit dessen Ergebnis Üstüner alles andere als zufrieden ist. Denn Hagn machte klar, dass der Einbau eines neuen Heizsystems in die maroden Häuser nicht in Frage kommt. „Eine Sanierung ist nach den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit nicht mehr möglich“, weiß Hagn. Fazit: Es bleiben nur Abriss und Neubau.

Kaltmiete liegt jetzt bei 3,71 Euro pro Quadratmeter

Schon beim Kauf hatte die Stadt die Absicht, auf dem Grundstück neue Wohnungen zu schaffen, erklärt Hagn. Man habe bisher davon abgesehen, da die Kaltmieten sehr niedrig seien: im Schnitt 3,71 Euro pro Quadratmeter. Doch entspreche der Zustand fraglos nicht mehr den heutigen Normen. Nachdem die Mieter den Zustand nicht mehr hinnehmen wollen, beginne die Stadt heuer mit der Vorplanung für eine neue Bebauung. Frei werdende Wohnungen in den beiden Häusern werden laut Hagn nicht mehr vermietet.  

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