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So könnten die geplanten Bauten an der Perronstraße aussehen. Doch dem Stadtrat fehlt da noch einiges.

Mammut-Sitzung zu Sanatorium und Klinik

Mega-Klinik-Projekt an Perronstraße: Stadtrat hat mulmiges Gefühl

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Nach drei Stunden Sitzung hat hat der Stadtrat entschieden - und das verdammt knapp: So einfach kann Investor Klaus Dieter Burkhart sein Mega-Projekt nicht bauen. Ein mulmiges Gefühl bleibt sowieso.

Tegernsee – Die Luft war schon ziemlich stickig im Sitzungssaal. Fast drei Stunden hatten sich die Stadträte am Dienstagabend den auf 32 Seiten von Bauamtsleiterin Bettina Koch vorbereiteten und nahezu vollständig vorgetragenen Stellungnahmen gewidmet. Man hatte ausführlich und kontrovers diskutiert. Die Entscheidung über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für Sanatorium und Klinik an der Perronstraße 8 und 9 stand kurz bevor. Da verließ Antragsteller Klaus Dieter Burkhart den Saal, um nur kurz ein stilleres Örtchen aufzusuchen. Als er zurückkam, um mit klärenden Worten vielleicht die Entscheidung zu beeinflussen, war es zu spät: Mit der Mehrheit von 10:7 Stimmen hatte der Stadtrat entschieden, dass das Projekt zurückgestellt wird und Burkhart nachbessern muss.

121 Zimmer, untergebracht in drei je vierstöckigen, mit Giebeln und Gauben aufgelockerten Häusern und sieben Wohnungen für Mitarbeiter, möchte der Chef des deutschen Zentrums für Frischzellentherapie auf dem 1,5 Hektar großen Areal in Tegernsee-Süd bauen. Dazu eine Tiefgarage mit 59 Plätzen, einen oberirdischen Parkbereich für 26 Autos, einen Pavillon nahe der Bundesstraße.

Dass er nach wie vor keinen Betreiber für die Klinik nennt, löst bei vielen Stadträten ein mulmiges Gefühl aus. Was ist, wenn die Klinik nicht funktioniert? Kommen dann Eigentumswohnungen? Oder bleibt eine Ruine zurück? Der Rechtsanwalt der Stadt, Dr. Gerhard Spieß, versuchte diese Bedenken zu zerstreuen: Der Durchführungsvertrag und der vorhabenbezogene Bebauungsplan seien für dieses Projekt maßgeschneidert. Dies gelte auch für die Stellplatzfrage – ein Knackpunkt, wie sich im Laufe der Sitzung zeigte.

Nicht nur die Interessengemeinschaft Perronstraße, die mit einer ganzen Liste von Bedenken ins Feld zieht, befürchtet „wildes Parken in der Nachbarschaft“. Dass für je zwei Betten ein Stellplatz gefordert wird und dies über dem normalerweise für Sanatorien gültigen Schlüssel von einem Stellplatz pro sechs Betten liegt, konnte die Mehrheit nicht überzeugen. Es war nämlich nicht klar, ob die Zimmer tatsächlich nur mit einer Person belegt werden. Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) sah zudem den Stellplatzbedarf für 75 Mitarbeiter nicht berücksichtigt. „Da muss man nochmal rangehen“, forderte unter anderem auch Peter Schiffmann (SPD).

Unbehagen war zu spüren. „Einfach zu sagen, es funktioniert nicht, geht nicht“, sagte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), der auch daran erinnerte, dass die Stadträte nach dem Scheitern des a-ja-Hotels das Klinik-Projekt so befürwortet hätten. „So oder gar nicht, das macht mir Angst“, sagte Peter-Friedrich Sieben (FWG) angesichts des maßgeschneiderten Nutzungskonzepts. „Wenn das mit der Klinik nicht klappt, haben wir ein Problem.“ 

Auch Andreas Obermüller (FWG) hatte ein „schlechtes Bauchgefühl“. Zudem bezeichnete er das Verkehrsgutachten als „Parteigutachten“. Darin kommen Experten zu dem Ergebnis, dass keine Linksabbiegespur von der Bundesstraße auf das Gelände nötig sei und man von durchschnittlich nur einem, vom Klinikareal in Richtung Rottach-Egern abbiegenden Fahrzeug ausgehen könne. Der Anwalt der Stadt konterte: Die Stadt habe das Gutachten zwar in Auftrag gegeben, aber der Investor müsse es bezahlen. „Das Gutachten ist wertfrei und rechtssicher“, so Spieß, der immer wieder versuchte, den Stadträten die Angst vor der ungewissen Zukunft zu nehmen: „Die Sicherheit, was in 20 Jahren ist, kann Ihnen keiner geben“, so der Anwalt. „Wenn Sie Angst haben, dann können Sie einpacken.“ Das Projekt funktioniere mit diesem Bebauungsplan „so oder gar nicht.“

Klaus Dieter Burkhart muss also nachbessern. Wie er am Mittwoch auf Nachfrage erklärte, werde er an der Tiefgarage arbeiten und diese zu Lasten von Funktionsräumen wohl erweitern. Was die Bedenken der Stadträte betrifft, so will er eine Erklärung vorbereiten, in der er sein Projekt und seine Pläne erneut erläutern werde. „Der Medizintourismus boomt“, sagt er. „Wir haben hohe Zuwachsraten.“ Er sei nicht auf Frischzellentherapie alleine ausgerichtet, sondern plane ein breites Leistungsspektrum. Was den Ausstieg von Dr. Martin Marianowicz, dem Inhaber der Wiesseer Privatklinik Jägerwinkel betrifft, so stellt Burkhart klar: „Das habe ich beendet, nicht er.“

Ein Auszug aus den Stellungnahmen und was die Stadt dazu sagt:

Kreisbaumeister Werner Pawlovsky ist mit der aktuellen Planung einverstanden. Plausibel erscheint dem Landratsamt das Verkehrsgutachten und der Verzicht auf die Linksabbiegespur.

Die Naturschutzabteilung bedauert des Verlust des parkartigen Charakters des Grundstücks und rät zum Überdenken des Erschließungskonzepts. Darauf hat die Stadt reagiert: Sie hat die Perronstraße neu überplant und will eine schützenswerte alte Linde erhalten. Zudem wurde der Pavillon, auf den einige Stadträte durchaus verzichten würden, verkleinert. 

Zum Schallschutz: Die oberirdischen Parkplätze sollen tagsüber nur als Kurzparkplätze zur Verfügung stehen, zwischen 22 und 6 Uhr dürfen sie nicht in Anspruch genommen werden, Mitarbeiter müssen ihre Autos dann in der Tiefgarage parken.

Die Gemeinde Rottach-Egern bedauert die massive Bebauung am Hanggrundstück, fordert mehr oberirdische Parkplätze sowie eine Linksabbiegespur und die Festsetzung von Wohnungen für Personal und nicht für Ärzte mit höherem Einkommen. 

Die Einwände der Interessengemeinschaft Perronstraße und der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal gelten unter anderem dem Mangel an Stellplätzen, der Verkehrsführung, den Abstandsflächen („rücksichtslose Bebauung“), „fehlerhaften Annahmen“ im Schallschutz-Gutachten, der „wesentlichen Verschlechterung gegenüber der a-ja-Planung“ sowie der mangelnden Berücksichtigung des Denkmalschutzes. Die Stadt nimmt sehr ausführlich dazu Stellung. Sie ist aber der Ansicht, dass sich die Anlage deutlich besser einfüge, als frühere Bebauungsvorschläge.

gr

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