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TTT-Beirat zieht Bilanz: Mehr Wertschätzung für Tourismus gefordert - Bau neuer Hotels dringend nötig

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Von: Christina Jachert-Maier

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Unterstützung für den Tourismus wünschen sich die Beiratsmitglieder (v.l.) Korbinian Kohler, Sven Scheerbarth, Hildegard Bayerschmidt, Ludwig Klitzsch und Bernhard Kaiser sowie TTT-Geschäftsführer Christian Kausch.
Unterstützung für den Tourismus wünschen sich die Beiratsmitglieder (v.l.) Korbinian Kohler, Sven Scheerbarth, Hildegard Bayerschmidt, Ludwig Klitzsch und Bernhard Kaiser sowie TTT-Geschäftsführer Christian Kausch. © Der Tegernsee-ThomasMueller

Rund um den Tegernsee sind neue große Hotels geplant. Das löst viel Kritik aus. Zu Unrecht, findet der Tourismus-Beirat. Man brauche die zusätzliche Kapazität, um den Bettenschwund aufzuhalten.

Tegernseer Tal - Die Herausforderungen waren extrem, trotzdem zieht der Beirat der Tegernseer Tal Tourismus (TTT) nach dreijähriger Amtszeit eine insgesamt positive Bilanz. „Mit Freude und Stolz“ blicke der Beirat auf die Entwicklung der TTT in den vergangenen drei Jahren zurück, erklärt Ludwig Klitzsch (Klinik im Alpenpark) als Vorsitzender des Gremiums, das die TTT berät. Noch im November wird turnusgemäß ein neuer Beirat berufen. Klitzsch und seine Mitstreiter nehmen dies zum Anlass für ein Resümee. Die Zusammenarbeit in der Krise habe gut funktioniert, heißt es in der Mitteilung: „Gesellschafter, Geschäftsführung und Beirat standen eng im Austausch und es wurde auf lokaler Ebene unbürokratisch Hilfe für die Wiederbelebung des Tourismus auf die Beine gestellt.“

Unzufrieden ist der Beirat mit der Handhabung des zweiten Lockdowns durch die Politik auf Bundesebene. Nach Ansicht Klitzschs hätte man Hotellerie und Gastronomie früher öffnen können, wie in der Schweiz geschehen. Im März hatte sich der Beirat darum in einem Not-Appell an die Regierung gewandt. Die Rechnung für die – großzügig bemessenen Förderungen und Ausfallgelder – müssten nachfolgende Generationen zahlen, macht der Beirat deutlich.

„Beispielloser Personalmangel“ als Folge des Lockdowns

Und es ist viel Sand ins Getriebe geraten: „Zu viele Mitarbeiter haben der Branche in den langen Monaten des Lockdowns den Rücken zugewandt, und die Betriebe kämpfen als Resultat jetzt mit einem beispiellosen Personalmangel.“

Aber die Pandemie zeigt auch Effekte, die Mut machen. „Neue, jüngere und gut situierte Kunden haben in der Krise das Tegernseer Tal für sich entdeckt“, stellt der Beirat fest. Das sei auch im Einzelhandel spürbar. „Wir sind optimistisch, dass wir viele dieser neuen Gäste nachhaltig für das Tegernseer Tal gewinnen und halten können“, meint Parfümerie-Betreiberin und Beirätin Hildegard Bayerschmidt.

Mehr Wertschätzung für den Tourismus gefordert

Vor allem fordert das Gremium mehr Wertschätzung für den Tourismus. Dieser werde zunehmend für Probleme verantwortlich gemacht, die er weder verursacht hat noch beeinflussen könne. „Das muss aufhören“, sagt Vize-Vorsitzender Bernhard Kaiser. Er zielt dabei auf die Dauerbrenner-Themen Verkehr und Wohnraum. Der Tourismus sei nicht Verursacher dieser Probleme, sondern Betroffener der Misere.

Der von Tagesausflüglern verursachte Kollaps schade dem Tourismus ebenso wie er den Anwohner auf die Nerven gehe, erklärt Sven Scheerbarth, Direktor des Hotels „Das Tegernsee“. Der Beirat begrüße Maßnahmen zur Parkraumbewirtschaftung und Verbesserung des ÖPNV, empfehle aber darüber hinaus ein Gutachten zur Prüfung aller Verbesserungsmöglichkeiten. Bei den Überlegungen müsse auch Unangenehmes angesprochen werden wie die Belastung durch den Gästeverkehr nach Österreich. Es gehe nicht an, dass Gastgeber aus dem Nachbarland mit einer mautfreien Anfahrt durchs Tegernseer Tal werben.

Anders als die Tagesausflügler machten die Übernachtungsgäste nur einen kleinen Teil des Verkehrs aus, der das Tal erstickt, legt der Beirat dar. So wäre es „ein vollkommener Fehlschluss“, wenn zur Reduzierung von Verkehr und Wohnraumknappheit die Schaffung neuer Übernachtungsbetten behindert würde.

Neubauten zum Ausgleich verloren gegangener Betten nötig

Damit bezieht der Beirat Stellung zu der vielfältigen Kritik an dem Umstand, dass rund um See etliche große Hotelkomplexe in Planung sind. Nach Ansicht der Unternehmer wird die zusätzliche Kapazität als Ersatz für bereits weggefallene Betten und wegen der absehbaren Schließung weiterer kleinerer Betriebe dringend benötigt. „Der Beirat begrüßt die neuen Hotelprojekte, mit denen zumindest wieder etwas mehr als 1000 Betten geschaffen werden könnten.“

Mehr als 1400 Betten seien zwischen 2011 und 2020 rund um den See verloren gegangen, rechnet der Beirat vor. 1991 habe das Tal mit 2,33 Millionen Übernachtungen fast 50 Prozent mehr Übernachtungen verzeichnet als 2019 mit 1,55 Millionen. Ohne neue Betten, so der Beirat, „verlieren wir die kritische Masse, die wir zum Erhalt der geschätzten touristischen Infrastruktur am Tegernsee brauchen“.

Schaffung von Wohnraum gefordert

Nicht minder wichtig sei die Schaffung von Wohnraum für Einheimische und lokale Arbeitskräfte, führt Beirat Korbinian Kohler (Hotel Bachmair Weissach) an. Der Beschluss der Gemeinde Bad Wiessee, Betreiber neuer Hotels zur Schaffung von Wohnraum zu verpflichten, gehe in die richtige Richtung. Das allein reicht aus Sicht des Beirats aber nicht aus. Auch die Kommunen müssten verstärkt bezahlbaren Wohnraum schaffen.  

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