Handschellen
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Den Angeklagten drohen lange Haftstrafen (Symbolfoto).

Verhandlung vor dem Landgericht München II

Mehrere Einbrüche im Tegernseer Tal: Angeklagten drohen Haftstrafen

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Sie sollen gleich mehrere Einbrüche in Läden und Firmen im Tegernseer Tal begangen haben. Jetzt standen die beiden Männer vor Gericht. Es drohen ihnen lange Haftstrafen.

München/Tegernseer Tal – Es war eine lukrative Einnahmequelle, die sich zwei Rumänen aufgebaut hatten: Immer wieder sollen sie nach Deutschland gereist sein, um dort in Geschäfte, Werkstätten, Firmen, Restaurants und Häuser einzubrechen. Auch im Tegernseer Tal sollen sie aktiv gewesen sein. Jetzt müssen sie sich vor dem Landgericht München II unter anderem wegen Bandendiebstahls verantworten.

Lange Zeit florierte das Diebesgeschäft: Zwischen September 2017 und Juli 2018 sollen Darian K. (Namen geändert, 34) und Fabian R. (35) Beute in Höhe von insgesamt 283 417 Euro gemacht und zudem einen Gesamtsachschaden von 27 400 Euro verursacht haben. Schluss war erst, als im Oktober 2018 – auch dank umfangreicher Ermittlungen der Kripo Miesbach – die Handschellen klickten (wir berichteten).

In Kreis Miesbach sollen die Angeklagten fünf Mal zugeschlagen haben. So sollen sie im September 2017 zunächst in eine Autowerkstatt sowie im Anschluss in eine Gärtnerei in Kreuth eingebrochen sein. Der 34-Jährige wird außerdem beschuldigt, im Oktober 2017 an Einbrüchen in eine Gaststätte und in ein Café in Bad Wiessee sowie in eine Autolackiererei in Rottach-Egern beteiligt gewesen zu sein.

Die Liste der Straftaten, die die Staatsanwältin vorlas, war lang: Der 35-jährige Angeklagte muss sich wegen sechs Taten in Bayern verantworten, seinem Kompagnon werden 22 Einbrüche in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen vorgeworfen. Beide erwartet wohl eine mehrjährige Gefängnisstrafe, wie Richter Stefan Weickert gleich zu Beginn der Verhandlung deutlich machte.

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Bei einem Rechtsgespräch versuchten sich die Strafkammer, die Anwälte und die Staatsanwaltschaft zu verständigen. Darian K. wurde dabei bei einem umfangreichen Geständnis eine Gefängnisstrafe zwischen fünf Jahren und drei Monaten und fünf Jahren und neun Monaten in Aussicht gestellt. Fabian R. kann in diesem Fall mit einer Freiheitsstrafe zwischen drei Jahren und drei Jahren sechs Monaten rechnen. „Für den Fall, dass einzelne Taten nicht eingeräumt, aber nachgewiesen werden können, liegt die Gesamtfreiheitsstrafe deutlich höher“, warnte der Richter. „Dann würden Sie sich keinen Gefallen tun.“

Die Ausführungen nahmen beide Angeklagten recht emotionslos zur Kenntnis. Fabian R. gab im Anschluss den Einbruch in die Autowerkstatt in Kreuth zu und bestritt die anderen Taten. Der Einbruch sei eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen, führte er aus. Er arbeite als Fahrer und habe zufällig einen ihm unbekannten Mann in seinem Transporter mitgenommen. Von dem Unbekannten wisse er jedoch nur den ersten Buchstaben des Vornamens.

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Ursprünglich seien sie zu der Werkstatt gefahren, weil das Auto kaputt gegangen sei. Nachdem jedoch dort niemand war, sei der Unbekannte zunächst in die Werkstatt eingebrochen, um eine Zange zu holen. Später habe er Werkzeug, Bargeld und einen Tresor gestohlen. In diesem Tresor waren unter anderem zwei Pistolen. Eine scharfe Waffe, die jedoch von außen wie eine Schreckschusswaffe aussah, fand die Polizei später bei dem aufgebrochenen Tresor, den die Täter eine Böschung hinunter geworfen hatten. Die zweite scharfe Waffe ist jedoch bis heute verschwunden. „Ich habe den anderen dazu gebracht, die Waffe im Wald zu entsorgen“, sagte Fabian R. Dort wurde sie trotz einer umfangreichen Suchaktion der Polizei nie gefunden. „Danach bin ich alleine weggefahren“, so der Angeklagte. Er habe den anderen Mann zurückgelassen und mit dem gleich im Anschluss folgenden Einbruch in die Gärtnerei nichts zu tun.

Die Antworten von Fabian R. wirkten wenig glaubhaft. Warum er immer wieder mit K. unterwegs war? Zufall, sagt er. Warum die beiden immer wieder telefoniert haben? Zufall. Warum er den Namen seines Mitfahrers nicht kennt? Auch Zufall. „Die Geschichte hört sich nicht gerade sehr überzeugend an“, machte Richter Weickert deutlich. „Wenn so viele Zufälle zusammenkommen, ist es vielleicht doch kein Zufall mehr.“

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Der zweite Angeklagte war geständiger. Darian K. räumte einen Großteil der Taten ein, darunter auch die Einbrüche in die Gaststätte und in das Café in Bad Wiessee sowie in die Autolackiererei in Rottach-Egern. Die Einbrüche in die Autowerkstatt und die Gärtnerei in Kreuth bestritt er jedoch. „Meinen Mandanten tut es leid, und er entschuldigt sich“, erklärte sein Anwalt. Ansonsten machte Darian K. keine weiteren Angaben.

Der Prozess am Landgericht München II dauert an, mit einem Urteil ist Ende Juli zu rechnen.

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