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Als Moderator steht Michael Pause beim Tegernseer Bergfilm-Festival meist selbst auf der Bühne. Zur Eröffnung des Festivals 2016 plauderte er mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

Interview zum 15. Tegernseer Bergfilm-Festival

Michael Pause: „Nicht jedes Youtube-Video ist ein Film“

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Zum 15. Mal findet im Oktober das Bergfilm-Festival am Tegernsee statt. Michael Pause (64), bekannt von der BR-Sendung „Bergauf-Bergab“, war von Anfang an mit dabei. Im Interview erzählt er, warum das Festival ein Erfolg wurde.

Tegernsee – 165 Beiträge wurden heuer für das Bergfilm-Festival vom 18. bis 22. Oktober eingereicht. Das Programm steht, und die Film- und Bergfreunde scharren bereits mit den Hufen. Einer, der die Entwicklung des Tegernseer Festivals von Beginn an begleitet und geprägt hat, ist Michael Pause (64), der heutige Festival-Direktor. Im Interview mit derTegernseer Zeitung erzählt er, wie die Veranstaltung einst zum Gipfelsturm angesetzt hat.

15 Jahre Bergfilm-Festival Tegernsee, Herr Pause. Wie gut können Sie sich noch an die Premiere erinnern, Herr Pause?

Michael Pause: Für uns war das erste Festival wohl genauso spannend wie für das Publikum. Wir waren als Veranstalter zwar nicht komplett ahnungslos, haben aber doch schnell erkannt, wo es „Optimierungsbedarf“ gibt. Trotzdem hat das Festival in Tegernsee von Anfang an gut funktioniert – und das mit den Optimierungen haben wir konsequent weiter betrieben.

Haben Sie denn gleich an den Erfolg des vergleichsweise kleinen Festivals geglaubt?

Michael Pause: Am Anfang haben wir gesagt: Probieren wir es halt einmal. Ein engagiertes Organisationsteam und vor allem auch viele leidenschaftliche freiwillige Helfer waren schon einmal eine gute Voraussetzung. Als Macher von „Bergauf-Bergab“ wusste ich, wie sehr die Berge Teil der bayerischen Lebensart sind und sich die Menschen für diese Themen begeistern, und insofern war mir das große Potenzial dieser Veranstaltung bewusst. Wir haben nie groß geklotzt, sondern das Festival Schritt für Schritt weiterentwickelt.

Das heißt?

Michael Pause: Inzwischen ist unser Etat deutlich angewachsen, weil auch die Sponsoren und weitere Förderer die Attraktivität und den Wert des Festivals anerkennen. Wir hatten aber auch von Beginn an ein paar gute Sachen im Programm. Zum Beispiel die Idee, alle Veranstaltungen mit Moderatoren zu besetzen. Das ergibt eine persönliche Note, was wiederum dem familiären Charakter unseres Festivals entspricht.

Das Genre Bergfilm hat sich in den zurückliegenden 15 Jahren stark verändert. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Michael Pause: In den 15 Jahren gab’s eine Phase, in der etliche große Filmproduktionen das Berg-Thema aufgegriffen haben. So sind zum Beispiel Kinofilme wie Philipp Stölzls „Nordwand“(Anm.d.Red.: eine berühmte Bergsteigertragödie über einen Erstdurchsteigungsversuch der Eiger-Nordwand im Jahr 1936) entstanden, die wir auch beim Festival gezeigt haben. Für uns hat sich allerdings immer die Frage gestellt: Was machen wir mit diesen Spielfilmen? Da wir ansonsten 90 bis 95 Prozent Dokumentarfilme im Wettbewerb haben, war es für die Juroren schwierig, die Filme gerecht zu bewerten. Da werden ja Äpfel mit Birnen verglichen. Jetzt lassen wir Spielfilme nur noch für den Wettbewerb zu, wenn darin eine wahre Berggeschichte nacherzählt wird.

Bergfilme werden heute ja nicht mehr nur von Fernsehsendern produziert. Oft dienen sie Werbezwecken.

Michael Pause: Das ist richtig. Vor 40 bis 50 Jahren konnte der Bergfilm vor allem überleben, weil Fernsehanstalten das Thema immer wieder aufgegriffen haben. Inzwischen führt die Kommerzialisierung des Bergsports dazu, dass auch große Firmen aus der Outdoor-Branche ihre Athleten auf diese Weise präsentieren und Filme herausbringen. Und dann gibt’s natürlich noch das Internet. Wobei man deutlich sagen muss: Nicht jedes Youtube-Video ist schon ein Film.

Wie meinen Sie das?

Michael Pause: Ein Film muss schon eine Geschichte erzählen, da reichen nicht ein paar zusammengehängte Bilder. Wir hatten für das diesjährige Festival 165 Anmeldungen. Da fallen bei der Sichtung doch etliche aus Qualitätsgründen gleich einmal raus. Dieses Jahr waren sogar ein paar Filme dabei, bei denen die Macher auch grundlegende Kriterien ignoriert haben.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Beiträgen bei den Festivals. Wenn Sie zurückdenken: Was war bisher Ihr persönliches Highlight?

Michael Pause: Das war vermutlich der Film „Asiemut“, den wir beim fünften Bergfilmfest nachträglich und auf Empfehlung eines anderen Festival-Veranstalters ins Programm aufgenommen haben. Keiner von uns hatte den Film zuvor gesehen – und dann hat ihm die Jury den großen Preis der Stadt Tegernsee verliehen. Zu Recht, wie wir hinterher festgestellt haben. Ein kanadisches Pärchen hat hier seine Radtour durch Asien, also auch über den Himalaya hinweg, festgehalten. Das war ein erfrischend junger und authentischer Film. Und das Coolste war, dass wir die Filmemacherin zur Siegerehrung aus Québec einfliegen lassen konnten.

Sie scheuen ja offenbar keine Mühen, um die Preisträger persönlich auf die Bühne zu bringen.

Michael Pause: Es ist immer sehr spannend, ob am Schluss die Sieger selbst zum Festival erscheinen. Manchmal schicken sie auch einen Vertreter.

Zum Beispiel?

Michael Pause: Wir hatten mal einen irischen Preisträger, der bei anderen Festivals auch schon seine Mutter oder Schwiegermutter zu den Siegerehrungen geschickt hat. Aber die hatten damals bei uns keine Zeit, und so sind zwei junge Burschen an den Tegernsee gekommen. Die fanden vor allem das Bräustüberl ganz fantastisch – quasi zwei Iren im Bierhimmel (lacht).

Welche Art Bergfilme mögen Sie persönlich eigentlich am liebsten?

Michael Pause: Ich bin einer, der mit den alten, großen alpinen Heldenepen seine Probleme hat. Meine Favoriten sind wahrhaftig und spannend erzählte Geschichten, denn Authentizität ist das Pfund, mit dem der Alpinismus und der Bergfilm im Zeitalter von „virtual reality“ wuchern können. Da gibt es heuer bei unserem Festival mit „Into Twin Galaxies“ ein ganz starkes Stück. Außerdem schätze ich Reenactment-Filme, die echte Bergtragödien so authentisch wie möglich nacherzählen. In diesem Jahr zeigen wir da zwei hervorragende Beispiele mit „Tupendeo“ und „Still alive – Drama am Mount Kenia“. Und ich habe eine Vorliebe für schöne Bergsteiger-Porträts, wie heuer „Dirtbag – The legend of Fred Beckey“.

Worum geht’s da?

Michael Pause: Der Film dreht sich um einen inzwischen 94-jährigen Amerikaner, der sein gesamtes Leben total dem Klettern untergeordnet hat. Ich bin froh, dass die Filmemacher bei all den spektakulären Überhängen und Heldentaten auch solche Themen nicht aus den Augen verlieren. Der Alpinismus lebt ja besonders von starken Typen.

15 Jahre Bergfilm-Festival Tegernsee. Wie sehen Sie die Zukunft der Tegernseer Veranstaltung?

Michael Pause: Wir haben hier in Tegernsee in dem einen oder anderen Punkt beschränkte Möglichkeiten. Ich war mir am Anfang nicht sicher, ob es mit den vergleichsweise kleinen Vorführsälen überhaupt funktionieren kann. Andererseits hat es natürlich auch seine Vorzüge, wenn der Besucher vom Festival-Forum in fünf Minuten an jedem Saal ist. Trotzdem träum’ ich halt von einem großen Vorführraum mit mindestens 500 Plätzen.

Das Tegernseer Festival bleibt also klein aber fein?

Michael Pause: Tegernsee wird sicher immer seinen familiären Charakter behalten – und das macht auch den Reiz dieses Festivals aus. Hier kommt eine eingeschworene Community zusammen, die weiß, dass hier gute Qualität geboten wird. Ich will es mal so sagen: Tegernsee hat keinen 8000er zu bieten, aber von Neureuth und Bodenschneid sind auch schon einige wirklich bedeutende Bergsteiger zu großen Zielen aufgebrochen.

Wichtige Infos rund ums Festival

Das 15. Bergfilm-Festival in Tegernsee findet von 18. bis 22. Oktober statt. Das Programmheft erscheint am 4. September, der Kartenvorverkauf beginnt am 12. September. Ticktes gibt’s über die Tourist-Infos im Tegernseer Tal oder online auf www.tegernsee.com/webshop sowie bei München Ticket.

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