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Am Redaktions-Laptop haben wir die Masche selbst durchgespielt.

Mitarbeiter des Unternehmens aus dem Tal klärt auf

Microsoft-Abzocke: Wir haben sie ausprobiert

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Tegernseer Tal - Diese Stunden rufen überall am Tegernsee vermeintliche Microsoft Mitarbeiter an. Einer geriet an den Falschen - nämlich an einen echten Microsoft-Mitarbeiter.

Mit einer perfiden Masche versuchen Betrüger aus dem Ausland gerade Zugang zu den heimischen Computern am Tegernsee und im ganzen Landkreis zu kommen. 

Vor einigen Stunden rief Peter vom "Windows Technical Department" am Tegernsee an. Pech für den Betrüger: Am anderen Ende der Leitung saß ein echter Microsoft-Mitarbeiter.

Der Experte machte bei der Abzocke mit, um herauszufinden, wie die Betrüger genau vorgehen. Wir haben den genialen Trick mit ihm gemeinsam ausprobiert. "Die Masche ist absolut nicht neu", sagt der Microsoft-Mitarbeiter vom Tegernsee. "Aber die sind jetzt schon extrem gut." Die Telefonnummern seien gefälscht, was aber erst auf den zweiten Blick auffalle.

Der Experte hatte Peter am Telefon. Ein freundlicher Mann, der mit deutlichem Akzent Englisch sprach. "Er klang indisch, oder wie jemand aus dieser Ecke." Die Microsoft-Abteilung "Windows Technical Department", von der der Anrufer vorgab zu sein, gibt es überhaupt nicht. 

Aber damit geht die Lügengeschichte erst los: "Wir erhalten beunruhigende Signale von ihrem Computer", sagt Peter dann und schickt unseren Experten von Microsoft an seinen Computer. "Ich hab dann mitgespielt, bis es gefährlich wurde." 

Genialer Trick: So vermittelt der Betrüger absolute Glaubwürdigkeit

Peter ließ unseren Experten dann eine einfache Tastenkombination am PC ausführen: Die Windows-Taste plus R. Dann erscheint ein Auftrags-Fenster.

Tippe "assoc" für associate, sagt Peter.

Dort lässt Peter einen die Buchstabenfolge "cmd" eingeben, woraufhin das schwarze Befehl-Fenster von Windows erscheint. Da muss man dann "assoc" tippen, für "associate", sagt Peter. All das ist noch völlig ungefährlich für den PC und dient nur dazu, Peters Geschichte glaubwürdig zu machen.

Denn daraufhin erscheint eine lange Liste von Zeilen, am Ende eine lange Nummer, die Peters Opfer vor sich sieht. Zur großen Überraschung kann Peter die genaue Zahlenreihe nennen. "Seine Sicherheitsfreigabe von Microsoft", wie Peter erklärt. Klingt überzeugend, oder? 

Die Nummer in der vorletzten Zeile, liest Peter am Telefon vor. Eine eigene Sicherheits-Prüfung, die ihn als Microsoft-Mitarbeiter identifiziert. 

Was unser Microsoft-Experte weiß, viele andere aber nicht wissen: Die Nummer ist bei jedem Windows-PC auf der Welt die gleiche.

Hat Peter nun das Vertrauen gewonnen, schickt er sein Opfer auf die passend benannte Internetseite winfix.co, um dort den Microsoft Teamviewer herunterzuladen. "Ab hier bin ich ausgestiegen", berichtet unser Experte. Wer das nicht tut, den erwartet ein schlimmes Ende:

Website winfix.co: Sieht irgendwie anständig aus, führt aber ins Verderben.

Hat man nämlich den Team-Viewer heruntergeladen, und stimmt zu, dass Peter die Kontrolle über den eigenen PC übernehmen darf - war's das. Peter hat nun Zugriff auf alles. "Er kann Ihre Bankdaten auslesen, Viren platzieren, alles, was Sie in Ihrem PC haben, ist jetzt für ihn zugänglich."

Und es kommt noch schlimmer: Eine Leserin berichtete uns, dass der Anrufer sein Opfer erpresst, sobald er Kontrolle über den PC hat. Weil unsere Leserin aber nicht gezahlt sonder aufgelegt hat, machte Peter mit einem Virus ihre ganze Festplatte unbrauchbar.

Abgezockt? Hier bekommen Sie Hilfe

Microsoft hat eigens eine Service-Seite eingerichtet, auf der man den Betrugversuch melden kann. Wer direkt mit Microsoft Kontakt aufnehmen will, kann dies unter 0180/6672255 tun. Im Schadensfall bietet Microsoft Hilfe unter 01806672255 oder hier an.

kmm

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