Fruchtbare und segensreiche Zusammenarbeit: (v.l.) Daniel Glasl, Edmund Schimeta und Beni Eisenburg beim Sichten der druckfertigen Buchseiten.
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Fruchtbare und segensreiche Zusammenarbeit: (v.l.) Daniel Glasl, Edmund Schimeta und Beni Eisenburg beim Sichten der druckfertigen Buchseiten.

333 Geschichten über das Tegernseer Tal

Mit 86 Jahren: Heimatpfleger Beni Eisenburg bringt sein erstes Buch heraus

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Ein Buch schreiben wollte Beni Eisenburg eigentlich nie. Jetzt hat es der Chronist und Heimatpfleger doch getan. Herausgekommen ist ein lebendiges Nachschlagewerk in 333 Geschichten.

Tegernseer Tal – Der Wittelsbacher Wohltäter muss nicht fürchten, in Vergessenheit zu geraten. In Tegernsee ist eine Straße nach Herzog Karl Theodor in Bayern benannt, in Meran erinnert eine Büste an die Heilkünste des Augenarzts, der von 1875 bis 1909 als Schlossherr in Tegernsee wirkte und hier sogar eine Klinik aufbaute. Und selbstredend werden die Verdienste des Adligen in zahlreichen Büchern und Schriften ausführlich gewürdigt. Doch das, was Chronist und Heimatpfleger Beni Eisenburg (86) über den Herzog herausgefunden hat, stand bislang nirgends geschrieben: ein Gedicht des Bauernbubs Benedikt Jennerwein, der sich selbst einer Operation in der Augenklinik unterzogen hat. Deren (erfolgreichen) Verlauf schildert der glückliche Patient wie folgt:

(...) „Na hams mi mit an schiachn Gschmach glei völli damisch gmacht.

Und wie i widrum aufgwacht bin, i woaß net wia ma gschegn,

Da hon i hint an Ofn hint scho as Nannei sitzen gsehng.“ (...)

333 Geschichten über das Tegernseer Tal

Nur eine der insgesamt 333 Geschichten aus dem neuen Buch „A Bleame auf’m Huat – Einst und jetzt im Tegernseer Tal“, das pünktlich zur Eröffnung der 48. Tegernseer Woche am Freitag, 24. September, im kleineheimat-Verlag des Tegernseers Daniel Glasl erscheint. Die Beiträge stammen allesamt aus dem Fundus der „Tegernseer Nachrichten“, für die Eisenburg 35 Jahre lang jeden Monat einen historischen Artikel verfasst hat. „Ein lebendiges Nachschlagewerk“, sagt Edmund Schimeta, Leiter des Museums Tegernseer Tal. Er hat jeden der insgesamt über 400 bebilderten Texte Eisenburgs gesammelt und archiviert und kümmerte sich nun um die Überarbeitung und Zusammenstellung in Buchform. „Damit ist es uns gelungen, Beni Eisenburgs unvergleichlichen Wissensschatz über das Tal und seine Menschen dem Vergessen zu entreißen“, schwärmt Schimeta. Glasl, der auch an der Aufbereitung des Bildmaterials beteiligt war, spricht gar vom Lebenswerk des Heimatpflegers, das nun für die Nachwelt konserviert ist.

Obwohl er immer wieder darauf angesprochen wurde, war Eisenburg selbst lange Zeit viel zu bescheiden für ein eigenes Buch. „In meinem Alter ist mir das fast ein bisserl zu viel Aufhebens“, sagt der 86-Jährige. Doch Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn startete 2019 einen neuen Anlauf. Und mit Schimeta und Glasl war dann endlich das geeignete Team gefunden – fachlich wie menschlich. So berichten die drei Herren unisono von einer „fruchtbaren“, ja sogar „segensreichen“ Zusammenarbeit.

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Die bestand erst mal darin, Eisenburgs Texte zu sichten und inhaltlich zu sortieren. Daraus sind nun Kapitel wie „Im Jahreslauf“ (Bräuche, Traditionen und Feste), „Durch den Ort“ (Gebäude und Einrichtungen), „Mobilität“, „Vereinigungen“ (Vereine, etc.) und „Freizeit“ sowie „Schicksalsjahre“ (Auswirkungen von Kriegen und Krisen) geworden. Das Kloster und die Wittelsbacher werden in eigenen Abschnitten beleuchtet. Großen Raum im knapp 420 Seiten starken Buch nehmen aber die Persönlichkeiten ein, die am Ende auch in einem Register aufgeführt sind. Künstler und Prominente wie August Macke, Carl Spitzweg oder Richard Wagner, aber auch die ganz normalen „Menschen aus dem Tal“.

Geschichten speisen sich aus persönlichen Begegnungen und Gesprächen

Gerade letztere sind es, die „A Bleame auf’m Huat“ so einzigartig und lesenswert machen, ist Glasl überzeugt. „Wenn Beni Eisenburg sie nicht recherchiert und festgehalten hätte, wären sie früher oder später über den Tellerrand der Geschichte gefallen.“ Um das zu verhindern, spazierte der Heimatpfleger über Friedhöfe oder blätterte durch seine mittlerweile stattliche Büchersammlung. Vor allem aber redete er mit Leuten, die die Person seines Interesses gekannt haben.

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Nicht selten bekam er dabei folgendes zu hören: „Wieso machst Du Dir denn so viel Arbeit? Das interessiert doch heute keinen mehr.“ Eisenburg ließ sich davon nicht abschrecken – im Gegenteil. Genau diese kleinen, vermeintlich bedeutungslosen Alltagsanekdoten haben es ihm angetan. Weil sie seine Geschichten lebendig und authentisch machen, wie es historische Fakten allein nicht könnten. Unterhaltend geschrieben, aber gründlich recherchiert, lautet das Motto.

Das spiegelt sich übrigens auch im Titel des Buchs. Ganz bewusst habe man sich gegen einen Allgemeinplatz wie „Geschichten aus dem Tegernseer Tal“ entschieden, betonen die drei Herren. Stattdessen wählten sie einen Beitrag aus dem Schlusskapitel „Zu guter Letzt“ aus: „A Bleame auf’m Huat.“ Darin schildert Eisenburg, warum die Männer im Tal in Sachen Kopfschmuck auch gern mal blühend unterwegs sind. Und Eisenburg wäre nicht er selbst, wenn er dabei nicht die Strophe eines Volkslieds hätte einfließen lassen:

„Wia oft hast ma gsteckt a greans Büscherl am Huat

Und viel tausendmal gsagt, schau i bin dir so guat.“

Das Buch

„A Bleame auf’m Huat“ ist ab 24. September zum Preis von 33 Euro (also zehn Cent pro Geschichte) bei folgenden Stellen erhältlich: Buchhandlungen Kolmansberger in Rottach-Egern und Ilmberger in Bad Wiessee, Buch am Markt in Miesbach und Bücheroase Schliersee, Foto Mayer in Gmund, Tegernsee Arkaden in Tegernsee sowie online auf www.kleineheimat.bayern.

sg

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