Bill Cosby im Missbrauchsprozess schuldig gesprochen

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“Du tust, was ich will, sonst stech‘ ich dich ab“

Bekannte mit Messer zum Sex gezwungen: Tegernseer vor Gericht

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Ein arbeitsloser Tegernseer (47) muss sich seit Dienstag wegen eines Sexualdelikts vor dem Landgericht München II verantworten. Er soll eine Bekannte zum Sex genötigt und geschlagen haben.

Tegernsee – Der Angeklagte trägt Jeans und eine Arbeitsjacke, als er an Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird. Er schaut grimmig. Dann erklärt er dem Vorsitzenden Richter Thomas Bott und den weiteren Richtern erst einmal lang und breit, dass er seinen Verteidiger Sascha Prosotowitz loshaben will. Das Vertrauensverhältnis sei erschüttert; sie hätten unterschiedliche Vorstellungen von der Verteidigungsstrategie. So gerät erst einmal in den Hintergrund, worum es eigentlich geht: Der arbeitslose Mann (47) aus Tegernsee soll sich an einer Frau vergangen haben. Der Staatsanwalt wirft ihm besonders schwere sexuelle Nötigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor.

Der gebürtige Dortmunder, der schon seit bald 30 Jahren in Bayern lebt, war am Abend des 8. Oktober vorigen Jahres mit einer Bekannten in seiner Wohnung in Tegernsee. Sie unterhielten und küssten sich. Dann zog er ihr das T-Shirt hoch. Ab diesem Moment soll die Situation eskaliert sein. Laut Anklage habe die Frau gesagt, dass sie das nicht wolle und nach Hause gehen wolle. Daraufhin habe der 47-Jährige ein Klappmesser mit einer Klingenlänge von 15 Zentimetern hervorgeholt und der Frau gezeigt. Er habe ihr befohlen, sich zum Bett zu begeben und sich vollständig auszuziehen – mit den Worten: „Ich hab so viel für dich getan, und jetzt machst du, was ich will, sonst stech‘ ich dich ab.“ Die Frau soll sich seiner Anweisung aus Angst um ihr Leben gefügt haben. Im Weiteren habe der Angeklagte versucht, mehrere sexuelle Praktiken mit der Bekannten auszuüben. Er soll ihr auch ins Gesicht geschlagen und sie mit drei weiteren, kleinen Küchenmessern bedroht haben. Schließlich gelang es der Frau, zum Fenster zu laufen, um Hilfe zu schreien, und aus dem Fenster zu klettern.

Das Landgericht verfügte schließlich, dass Prosotowitz der Verteidiger des Tegernseers bleibt. Daraufhin wollte dieser nichts mehr sagen. „Ohne Rechtsbeistand ist mir das alles vergangen.“ Schließlich sagte er aber doch zu seinen persönlichen Verhältnissen aus. Demnach wuchs er mit Mutter, Stiefvater und mehreren Geschwistern in einem sozialen Brennpunkt von Dortmund auf. „Aufgewachsen bin ich nicht gerade gut“, sagte er, „mein Stiefvater hat mich geschlagen.“ Er kam in eine Schule für Schwererziehbare, verbrachte Jahre im Heim, schmiss zwei Lehren hin. Mit 19 Jahren nahm er eine Stelle als Spüler in Tegernsee an. „Ich war dankbar für die eigene Wohnung, die ich bekam.“ Doch bald wurde er straffällig – mittlerweile stehen 13 Einträge in seinem Zentralregister. Außerdem ist er seit Jahren alkoholabhängig, was seiner Ansicht nach sein größtes Problem ist. Er brauche „100-prozentig“ eine Therapie, antwortete er auf Nachfrage des Gerichts. „Ich bin motiviert. Ich sehe ein, dass das so nicht weitergeht: Knast, saufen, Knast, saufen.“ Sonst bleibe ihm bald nur, die Radieschen von unten anzuschauen.

Zum Tatvorwurf äußerte er sich nicht. Nur so viel sagte er: Er habe gedacht, dass die Bekannte auch an einer Beziehung mit ihm interessiert gewesen sei. Er habe keine Probleme mit Frauen. „Das Problem kommt erst, wenn ich saufe.“ 

Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa

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