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Ausgestattet mit Fahnen und Schildern, setzten die Mitarbeiter der Orthopädischen Klinik Tegernsee am Donnerstag ein Zeichen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

„Es ist fünf vor Zwölf“

Demo an Orthopädischer Klinik: Mitarbeiter setzen Zeichen

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In der Belegschaft der Orthopädischen Klinik rumort es. Weil sich der Umbau des Hauses seit Jahren verzögert, sorgen sich die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. Am Donnerstag trafen sie sich zu einer Demo.

Tegernsee – „Wir sind es wert“ steht als Botschaft in großen Lettern auf den Plastik-Shirts, die sich Mitarbeiter und ver.di-Vertreter übergezogen haben. Während im Gebäude der Vorstand der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bayern Süd am Tagen ist, füllt sich der Innenhof der Klinik allmählich mit Leuten aus der Belegschaft. „Alle, die es irgendwie einrichten können, wollen rauskommen“, sagt Christian Heide (42), Vorsitzender der ver.di-Fachgruppe Rentenversicherung, und blickt in die immer größer werdende Runde. Handgeschriebene Schilder stehen herum. „Keine Chance für Spekulanten“ oder „Solidarität mit uns und den Versicherten“ lauten die Forderungen. Es soll eine gemeinsame „aktive Mittagspause“ werden, zu der ver.di aufgerufen hat.

Christian Heide

„Die Menschen“, sagt Heide, „haben Angst um ihre Arbeitsplätze.“ Diese Sorge sei echt und keineswegs von irgendeiner Seite vorgeschoben, beteuert der ver.di-Vertreter. Ihren Ursprung haben die Ängste in einem Investitionsstau, unter dem die Klinik-Mitarbeiter seit Langem zu leiden hätten.

 „Wir warten seit etwa zehn Jahren darauf, dass sich endlich etwas tut“, erklärt Petra Göbl (52), Mitarbeiterin in Tegernsee und zugleich ver.di-Vertrauensfrau. Die Klinik der DRV werde immer älter, das Personal müsse die „baulichen Unzulänglichkeiten“ ausgleichen. Auf der anderen Seite verzögern sich die Sanierungs- und Erweiterungspläne der Rentenversicherung seit Jahren.

„Die Geduld der Mitarbeiter ist am Ende“, ruft Göbl später über ein Megafon in die Versammlung. „Es ist fünf vor Zwölf, wir haben keine Zeit mehr für Stufen“, sagt sie und spielt dabei auf den so genannten Stufenplan an, gemäß dem die Klinik modernisiert und erweitert werden soll und der schon 2014 beschlossen wurde. Sichtbares ist seither allerdings nicht geschehen. Der Protest gegen die Pläne hält weiter an.

Mit lautem Glockengeläut und Fahnenschwenken wollen die Mitarbeiter – insgesamt sind es rund 130 am Tegernseer Standort – an diesem Donnerstagmittag ein Zeichen setzen. Und sie wollen ein klares Bekenntnis von Geschäftsleitung und Vorstand der DRV. „Die Beschäftigten möchten, dass die Verantwortlichen die Sanierungs-Maßnahme ganz oben auf die Liste setzen“, macht Karin Seifert von ver.di Bayern deutlich.

Petra Göbl

Kurz nach Mittag verlässt der DRV-Vorstand dann tatsächlich die Tagungsräume und tritt gemeinsam mit Klinikchef Dr. Markus Zimmer vor die versammelte Belegschaft im Innenhof. Die Sorgen der Mitarbeiter ausräumen – so viel sei vorweg genommen – konnten die Verantwortlichen aber wohl kaum.

„Logisch, dass Euch die Arbeitsplätze hier am Herzen liegen“, richtet sich die Vorstandsvorsitzende Verena Di Pasquale an die Menge. Und sie versichert: „Wir halten am Stufenplan fest.“ Was das Fortschreiten der Planungen angeht, so kann sie aber keine Versprechungen machen: „Ich hätte es auch gerne schneller, aber auf manche Verfahren hat man eben keinen Einfluss“, macht Di Pasquale deutlich. Es bestünden nach wie vor Einwände gegen die Maßnahme, und die müssten sorgfältig abgearbeitet werden. Auch Klagen der Nachbarn könnten drohen. „Ob das passiert, wissen wir aber nicht.“

Um für alle Fälle gewappnet zu sein, arbeitet die Rentenversicherung derzeit an einem Plan B, der nun konkreter zu werden scheint. Der Klinikbetreiber liebäugelt seit Längerem mit einem Alternativ-Standort am Tegernsee, nämlich dem Grundstück der ehemaligen May-Klinik in Kreuth. Der Vorstand habe sich das Areal  am Morgen angesehen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, berichtet Di Pasquale der Belegschaft.

Ist Kreuth also eine Option, wenn in Tegernsee alle Stricke reißen? Für die Mitarbeiter offenbar schon: „In Kreuth sind wir willkommen“, hieß es auf einem Schild der Demonstrierenden. Und Petra Göbl meint: „Kreuth wäre für uns eine tolle Chance.“ Das Wichtigste für die Mitarbeiter sei schließlich, ihren Arbeitsplatz zu behalten. Egal wo am Tegernsee. Das Gros der Belegschaft sei zwischen 45 und 55 Jahre alt – da sei es schwierig, eine neue Anstellung zu finden.

gab

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