Corona Brandbrief Tegernsee
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Die Gemeinde Kreuth hat ihre Wanderparkplätze, hier an der Zufahrt Richtung Wildbad Kreuth, bereits dicht gemacht.

Debatte um Brandbrief der Tal-Bürgermeister

Nach Brandbrief wegen Ausflugssperre: Es bleibt bei deutlichen Worten

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Mit ihrem Appell für eine Ausflugssperre zum Tegernsee haben die Tal-Bürgermeister eine kontroverse Debatte ausgelöst. 

Tegernsee – Seit dem Morgen beantwortet Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) Presseanfragen, Mails und Anrufe. Die Reaktionen auf den Brandbrief, den er und seine Tal-Kollegen an Stimmkreisabgeordnete und Landtagspräsidentin Ilse Aigner geschrieben haben und in dem darum gebeten wird, Sport und Spaziergänge im Rahmen der Ausgangsbeschränkungen nur noch im Heimatlandkreis zu erlauben, fallen recht unterschiedlich aus. „Ich höre gerade von Einheimischen, dass es absolut richtig sei, dies zu fordern“, sagt Hagn. Andere würden heftig protestieren: Man müsse hinter ihnen keinen „Dreck wegräumen“. „Ich habe drastische Worte gewählt, und ich möchte mich auch bei denen entschuldigen, die sich solidarisch und richtig verhalten. Aber wer jetzt noch glaubt, an die Berge und Seen fahren zu müssen, dem sage ich, dass es genauso gemeint ist.“ Der Bauhof mit nur mehr fünf Mann müsse die Wasserversorgung aufrecht erhalten und könne keine Mülleimer an den Parkplätzen mehr leeren. Für ihn könne eine Wanderung oder Fahrt zum See derzeit kein triftiger Grund zum Verlassen der eigenen Wohnung sein. „Wenn wir alle das Ziel haben, dass wir noch arbeiten und Geld verdienen wollen, dann müssen wir uns zusammenreißen.“

Ausflugssperre am Tegernsee: Appell auch an Zweitwohnungsbesitzer

Ein deutliches Statement. Verständnis haben nicht alle, auch wenn laut unserer Umfrage 80 Prozent finden, dass München-Ausflügler während der Coronavirus-Krise nicht mehr leistbar sind. In Kommentaren drohen Touristen bereits an, dem Tegernseer Tal künftig den Rücken zuzukehren. Doch selbst Tourismus-Chef Christian Kausch hält die deutlichen Worte für richtig. Es sei nicht die Zeit, mit dem Finger auf Leute mit fremden Nummernschildern zu zeigen, doch mitdenken müsse jeder. Das findet auch Rottachs Bürgermeister Christian Köck, der zudem an alle Zweitwohnsitzler appelliert, sich nicht an den Tegernsee zurückzuziehen. Die TTT hat die Werbung fürs Tal komplett heruntergefahren. „Derzeit bündeln wir Angebote, die wir dann so ausspielen, dass sie nur die Bürger im Landkreis erreichen“, berichtet Kausch.

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Ist das Sperren der Wanderparkplätze ein probates Mittel? In Kreuth ordnete Bürgermeister Josef Bierschneider dies schon am Freitag an, „um den Tourismus in Coronazeiten zu unterbinden.“ In Bad Wiessee hält man dies für „überflüssig“. Autofahrer würden sich dann einen anderen freien Platz suchen, und das sei nicht sinnvoll. In Tegernsee würde Hagn gerne die Wanderparkplätze dichtmachen. „Aber ich hab’ kein Personal.“

Brandbrief der Tal-Bürgermeister: Das sagt der Innenminister

Inzwischen ist klar: Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lehnt weitere Einschränkungen ab. So bleibt Ilse Aigner nur der Appell: „Zu Hause bleiben!“ Auch sie bittet, Spaziergänge möglichst wohnortnah zu unternehmen und auf Wandertouren oder Standup-Paddeln zu verzichten.

Unterdessen erhebt Rechtsanwalt Florian Besold als Vorsitzender der Bayerischen Einigung/Bayerischen Volksstiftung schwerste verfassungsrechtliche Bedenken. Er hat einen offenen Brief an die Staatskanzlei geschickt und spricht von einer selbstsüchtig-martialischen Haltung der Bürgermeister.

Lesen Sie hier: Tegernseer Pfarrer bietet Andachten online an

gr

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