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Sind Teil des Problems: Radler, die gern Zug fahren.

Leser-Fragen und die Antworten der BOB

Droht die nächste Chaosfahrt? Das sagt die BOB

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Tegernsee - Die Chaosfahrt vom Wochenende war nur die Spitze des Eisbergs. Droht eine Wiederholung? Wir haben die BOB mit den Sorgen unserer Leser konfrontiert. Hier die Antworten.

Bezugnehmend auf die Überfüllung der BOB am vergangenen Samstag mit teils chaotischen Zuständen: Warum wurde nicht schon am Startbahnhof in Tegernsee entschieden, dass einige Fahrgäste mit Rädern wieder aussteigen müssen? Warum erfolgt die Räumung erst in Gmund?

Bayerische Oberlandbahn (BOB): Ab Tegernsee konnten laut Aussagen unserer Mitarbeiter alle Fahrgäste ohne und mit Fahrrädern ohne Probleme mitfahren. Erst in Gmund kam es zu dem hohen Andrang, dort haben wir extra Mitarbeiter am Bahnsteig stehen, um den Einstieg zu regeln. Aus unserer Sicht wäre es konfliktiv, in Tegernsee einen halbleeren Zug losfahren zu lassen, damit in Gmund Fahrgäste zusteigen können. Denn wie viele in Gmund zusteigen, ist bei der Abfahrt in Tegernsee noch nicht klar, da Fahrgäste erst mit Eintreffen des Zugs wirklich am Bahnsteig sind. Wenn wir dann in Tegernsee Fahrgäste zurück lassen, um halbleer abzufahren, dann führt das sicherlich in Tegernsee zu starkem Protest. Vor allem, wenn dann in Gmund der Zug sogar noch nach der Abfahrt Richtung München (wie in den letzten Monaten bis auf eben vergangenen Samstag der Normalfall) noch Kapazitäten bietet.  

Viele unserer Leser äußerten Kritik an der Informationspolitik der BOB. Die Durchsagen im Zug und am Bahnsteig erfolgen sehr spät oder gar nicht. Im Falle des Samstags saßen viele Fahrgäste 20 Minuten im Zug, ohne dass sie erfuhren, warum es nicht weitergeht.

BOB: Unsere Kollegen an Bord des BOB-Zugs, auf den Sie sich beziehen, arbeiteten am Samstagabend fieberhaft an einer Lösung der Fragestellung: Weiterfahren und die Sicherheit gefährden, oder Sicherheitsrichtlinien beachten und anhalten? Dennoch hat der Lokführer, auch nach Aussage mehrerer Fahrgäste, wenige Minuten nach Ankunft in Gmund eine Durchsage gemacht, die aber wegen der Lautstärke im Zug wohl nicht von allen gehört wurde.

Wir haben auch Beschwerden von Lesern erhalten, die sagen, es sei bereits in der Vergangenheit häufig zu Überfüllungen der BOB gekommen. Warum hat man daraus nicht bereits Konsequenzen gezogen (etwa Aufstockung der Kapazitäten, Schaffung von Schienenersatzverkehr, Krisen-Schulungen des Personals etc.)?

BOB: Mit unseren Zügen erbringen wir die von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft geforderte Leistung. Wir haben an Hauptverkehrstagen (unter der Woche sind dies zu Schulwegszeiten bzw. im Pendelverkehr, an den Wochenenden zu Großveranstaltungen und zu Festen) alle Züge im Einsatz und freuen uns darüber, dass mehr und mehr auch Zwischenzüge von Fahrgästen genutzt werden und sich so die Nutzung über den Tag verteilt. Nichtsdestoweniger setzen wir auf der Grundlage von Erfahrungswerten zusätzliche Busse ein. In Bussen ist die Mitnahme von Fahrrädern und Rollstühlen häufig nicht möglich, weswegen Busse oftmals nur eine Ergänzung sein können. Auch stehen sie im Oberland eher häufig im Stau…

Wie in unserer Pressemeldung von gestern angekündigt, reagieren wir auf das veränderte Fahrverhalten der Reisenden und organisieren Busse, die in Bereitschaft in Tegernsee stehen. Wir reagieren also auf die Veränderung der Fahrgastströme durch Wetterumschwünge, die, wie am vergangenen Samstag das herannahende Gewitter, nicht vorhergesehen werden und daher nicht in einen Fahrplan einfließen können. Der Busverkehr und auch die Bereitschaft ist mit erheblichen Kosten für uns verbunden.

Ein Leser berichtet, dass am Vatertag ein Bereitschaftslokführer in Tegernsee erklärt habe, er dürfe den in Tegernsee bereit stehenden Talent nicht fahren, sondern es müsse erst von irgendwo ein Integral geholt werden. Ist das richtig? Wie schnell kann die BOB mit der Bereitstellung einer zusätzlichen Garnitur reagieren, wenn es zu Engpässen kommt?

BOB: Die Bereitstellung eines Zugs geht im Grunde schnell und unsere Transportleitung kann Fahrzeuge ohne Rücksprache flexibel disponieren. Die Aufrüstung des Fahrzeugs (Kontrolle, Anmeldung, Sicherheitsüberprüfung) und vor Allem die Bestellung einer zusätzlichen Trasse dauert jedoch weit länger, als einen Bus verfügbar zu machen. Dies und auch insbesondere die Frage, ob auf der eingleisigen Strecke Gegenverkehr unterwegs ist und deswegen oft gewartet werden muss, führt dazu, dass der Einsatz von Bussen meist favorisiert wird. Daher haben wir es am Samstag so gemacht.

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