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Momentan nicht möglich: Auftritte, wie hier beim Dreikönigskonzert im Januar 2018 in der Tegernseer Pfarrkirche, können die Sänger des Palestrina Motettenchors derzeit nicht bestreiten. 

Nach mehrmonatiger Corona-Zwangspause

Palestrina Motettenchor darf endlich wieder proben - aber unter besonderen Umständen

Gemeinsam proben und singen - monatelang war das wegen Corona für die Sänger des Palestrina Motettenchors tabu. Jetzt haben sie ihre Probenarbeit wieder aufgenommen. Unter besonderen Umständen.

Tegernsee – Die Hoffnung stirbt zuletzt – auch bei Sebastian Schober und den Mitgliedern des Palestrina Motettenchores Tegernsee. Dreieinhalb Monate durften die etwa 50 Frauen und Männer nicht mehr zusammen singen, weder Proben noch Aufführungen waren erlaubt. Wegen der ungeklärten Verbreitung des Coronavirus beim Singen gelten für Chöre weiterhin besonders strenge Hygieneauflagen, auch wenn das gemeinsame Singen grundsätzlich nun wieder möglich ist. Vor allem die geforderten zwei Meter Mindestabstand der Chorsänger untereinander erschweren die Probenarbeit enorm und lassen Konzerte in naher Zukunft wohl kaum zu.

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Chorleiter Schober spricht von „stoischer Begeisterungsfähigkeit“, wenn er seine Gefühlslage in Zeiten der Corona-Beschränkungen beschreiben soll. „Ich habe bei den Sängerinnen und Sängern abgefragt, wer unter den gegebenen Umständen zu den Proben kommen will“, schildert der 44-Jährige. „Die große Mehrheit hat sofort zugesagt.“

Und so wurden für die verbleibende Zeit bis zu den Sommerferien drei Singeinheiten angesetzt. Allerdings dürfen in dem Probenraum in der Tegernseer Grundschule nur bis zu 15 Aktive zusammenkommen. Jeweils 20 Minuten treffen sich Sopran, Alt und Männerstimmen – getrennt wohlweislich. Dazwischen muss der Raum zehn Minuten gelüftet werden.

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Auf Online-Singen vor dem heimischen Computer, wie andere Chöre es teils praktizierten, hatte Schober verzichtet. Die erste Probe in körperlicher Anwesenheit der Chorsänger nach dem Lockdown hat nach Einschätzung Schobers gut funktioniert. „Die Leute sind brav der Reihe nach mit Mund-Nasenschutz hereingekommen und haben sich die Hände desinfiziert, ehe sie auf den ihnen zugewiesenen Stühlen Platz nahmen“, schildert der Chorleiter. Es sei den Sängern anzusehen gewesen, wie sehr sie sich auf die erste Probe nach so langer Zwangspause gefreut hätten. Geübt wurden Stücke, die Schober schon lange erarbeiten wollte, die aber „irgendwie immer liegen geblieben sind“.

Normalerweise würde der über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannte Chor derzeit die „Missa solemnis“ für Soli, Chor und Orchester von Ludwig van Beethoven proben, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. An das anspruchsvolle Werk wagen sich nur selten Laienchöre. Geplant war, die konzertante Messe am 2. Oktober in Bad Wiessee und am 24. Oktober im Wiener Stephansdom aufzuführen. Schober hält es für unwahrscheinlich, dass dies in Coronazeiten möglich sein wird. Damit würde 2020 bereits das zweite Konzertereignis in Folge des Palestrina Motettenchores der Pandemie zum Opfer fallen. In der Passionszeit wäre der Kantaten-Zyklus „Membra Jesu nostri“ von Dietrich Buxtehude in der St. Josefskirche von Holzkirchen zu hören gewesen.

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Wenn das Virus bis dahin gebannt ist und Konzerte sowie liturgische Aufführungen wieder möglich sind, will der Chorleiter das Werk am Palmsonntag (28. März) des kommenden Jahres in der katholischen Kirche mit ihrer imposanten Architektur aufführen. „Auch andere wegen Corona ausgefallene Konzerte wollen wir nachholen, wenn es irgendwie geht“, sagt Schober.

Vermisst hat die regelmäßigen Proben auch Chormitglied Maria Fraundorfer-Winderl. „Mir ist das Singen sehr abgegangen“, sagt die studierte Theologin und Religionslehrerin, zumal der Gesang „für mich auch eine geistige und spirituelle Quelle ist“. Die strengen Hygieneregeln wie zwei Meter Abstand zu den Mitsingenden schrecken Fraundorfer-Winderl nicht ab. „Ich kenne es ja aus dem Religionsunterricht“, sagt sie. „Es kann musikalisch gesehen sogar eine spannende Erfahrung sein, wenn man den Nachbarn beim Singen nicht so gut hört wie sonst.“

Paul Winterer

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