Endlich wieder Musik leibhaftig auf der Bühne: Im unter Coronabedingungen mit 58 Besuchern voll besetzten Tegernseer Barocksaal spielte Pianistin Hyelee Kang.
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Endlich wieder Musik leibhaftig auf der Bühne: Im unter Coronabedingungen mit 58 Besuchern voll besetzten Tegernseer Barocksaal spielte Pianistin Hyelee Kang.

Pianistin Hyelee Kang konzertiert mit Chopin-Werken in Tegernsee

Nach sieben Monaten Zwangspause: Kultur im Landkreis zurück auf der Bühne

Es ist noch vieles nicht wie vor Corona, doch die Stille ist durchbrochen: Am Samstag konnte im Landkreis erstmals nach sieben Monaten wieder ein Konzert über die Bühne gehen. Im Tegernseer Barocksaal gab Pianistin Hyelee Kang einen gefeierten Chopin-Abend.

Tegernsee – Der Auftritt war für Coronabedingungen ausverkauft: 58 Besucher passen unter Einhaltung der Abstandsregeln in den Barocksaal – normalerweise sind es 200. Nach den neuesten Lockerungen durch die unter 50 gesunkene Inzidenz im Landkreis mussten die Besucher keinen aktuellen negativen Corona-Test mitbringen.

„Es war eine gute Stimmung, und die Leute, die da waren, waren begeistert“, sagt Angelika Wißmüller, künstlerische Leiterin der Konzertreihe. Trotzdem hat sie noch das Gefühl, man muss das Publikum nach der langen Kulturpause erst wieder herauslocken aus dem Lockdown-Modus: Der Zusatztermin wenige Stunden vor dem regulären Konzert, der noch angesetzt wurde, als klar war, dass die Plätze ausgebucht sind, fand nur in sehr kleinem Rahmen mit einer Handvoll zahlender Besucher statt. Für den Freundeskreis insofern bitter, als der Kartenverkauf natürlich die Kosten decken soll.

Wißmüller will dennoch nicht klagen, denn das im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeiten nicht so zahlreiche Publikum genoss die Rückkehr zum gesellschaftlichen Leben doch in vollen Zügen: „Es war toll, dass man sich wieder sieht und miteinander reden kann.“ Das Publikum traf frühzeitig ein, die Flure des Gymnasiums füllten sich lange vor Konzertbeginn. Man spürte, trotz Masken und Abstandsregeln, die hoffnungsfrohe Atmosphäre. Und dies im Rahmen eines Auftritts einer jungen Pianistin, die eine fulminante Technikerin sei und „spielt wie der Teufel“, wie Wißmüller lobt.

Die koreanische Pianistin Hyelee Kang, Jahrgang 1993, studiert seit 2016 im Masterstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig bei Professor Gerald Fauth, der mit dem Freundeskreis seit Jahrzehnten verbunden ist; der Förderverein unterstützt die junge Künstlerin auch finanziell, die Mitte Juli bei der Vorauswahl des Internationalen Chopin-Wettbewerbs in Warschau sein wird.

Hyelee Kangs Chopin-Programm steigerte sich von den „kleineren“ Klavierwerken zu den größeren Arbeiten des polnischen Meisters. Im eröffnenden c-Moll Nocturne Opus 48 Nr. 1 führte sie den balladesken, in Spannung aufklingenden Charakter bis zur final eruptiven Passion des letzten Abschnitts, die letzten Klänge wie entschwindender Rauch. Sensibel und leichtfüßig nahm Hyelee Kang die folgenden Mazurken Opus 59,2 und 24,2, feingliedrig und gesanglich den kompositorisch reifen As-Dur Tanz, zärtlich und mit fliegender Anmut die verspielt quirlige Mazurka in C-Dur. In der Sonate h-Moll Opus 58 fand Hyelee Kangs kultivierte Spielart zu interpretatorischer Tiefe und Leidenschaft, die lyrischen Themen in ihrer betörenden Schönheit auskostend.

Wiederholt lang anhaltenden Applaus belohnte Hyelee Kang mit zwei Zugaben. Ein spannender Abend, dem hoffentlich noch viele folgen.

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ag/vit

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