Der Renaturierungsplan erstreckt sich zwischen Rudersteg (l.) und Landzunge an der Rottachmündung. Im April wird damit begonnen.
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Der Renaturierungsplan erstreckt sich zwischen Rudersteg (l.) und Landzunge an der Rottachmündung. Im April wird damit begonnen.

Stadtrat steht hinter Konzept des Wasserwirtschaftsamts zur Renaturierung

Naturschub für die Schwaighofbucht

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Jetzt steht fest, wie die Renaturierung der Schwaighofbucht aussehen wird. Einstimmig hat der Stadtrat den Vorschlägen des Wasserwirtschaftsamts zugestimmt und damit den Weg für einen kräftigen Naturschub freigemacht.

  • Konzept des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim für Renaturierung der Schwaighofbucht vorgestellt.
  • Mehr Schilf, Gehölz, Blühwiesen, Aussichtsturm und eine Bademöglichkeit geplant.
  • Arbeiten beginnen schon im April.
  • Verlängerung des Ruderclub-Stegs im Gespräch.

Tegernsee – Schlamm bleibt Schlamm – dass den über die Jahre angespülten Feststoffeinträgen weder mit Baggern noch mit chemisch-biologischen Waffen zu Leibe gerückt wird, ist seit Herbst 2020 klar. Da konnte auch der Versuch des Vereins „Rettet den Tegernsee“, ein Bürgerbegehren zu starten, nicht daran rütteln. Am Dienstagabend wurde im Stadtrat vorgestellt, wie sich das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (WWA) die Renaturierung des Ufers zwischen Ruderclub und Rottach-Mündung vorstellt.

Neue Schilfzone in der Schwaighofbucht: Röhrichtmatten werden ausgerollt

Südlich der Schilfzone am Ruderclub sollen Röhrichtmatten im sichtbar verschlammten Bereich ausgerollt werden. Im weiteren Verlauf soll am Ufer gebietseigenes Gehölz gepflanzt werden. Wiesen sollen Blühwiesen werden.Das bestehende Kiesufer nahe der Rottach-Mündung soll möglichst von Schlamm freigehalten werden, um hier eine Bademöglichkeit zu schaffen. Auch ein Aussichtsturm, der Spaziergängern einen Blick in die künftige Naturbucht und die Tier- und Pflanzenwelt ermöglicht, ist vorgesehen.

Ein Bereich wie an der Ringseeinsel soll entstehen.

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU)

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) fasste „die Idee, die dahintersteckt“ zusammen: Die Verschilfung soll forciert werden und ein natürlicher Bereich wie an der Ringseeinsel entstehen. Schon im April, ergänzt Andreas Holderer vom WWA auf Nachfrage, soll mit den Maßnahmen begonnen werden. Nicht nur die Schlösser- und Seenverwaltung, auch Fischereiverband, der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz begrüßen den Plan. Die Kosten – 25 000 Euro, ohne Turm– übernimmt der Freistaat. Um die Pflege der Gehölze, die Verkehrssicherungspflicht und die Baumschau kümmert sich die Stadt.Ruder-Steg

Renaturierung der Schwaighofbucht: Verlängerung des Ruderclub-Stegs geplant

Eine sinnvolle Ergänzung des Plans wäre die Verlegung und Verlängerung des Holzstegs am Ruderclub. Bisher besteht der Steg aus einem festen Steg mit acht Metern Länge und einem 21 Meter langen schwimmenden Steg. „Doch schon jetzt liegt er im Schlamm auf“, erklärt Vorsitzender Heiner Felder in einer Stellungnahme. Der Steg müsste mit einem Schwenk in nördliche Richtung gedreht und auf etwa hundert Meter verlängert werden. Erst so könnte eine ausreichende Wassertiefe erreicht werden. Die Maßnahme sei noch nicht von den etwa 150 Mitgliedern abgesegnet, sagt Felder auf Nachfrage. Denn nicht nur der Bau des Stegs müsste finanziert, auch die jährlichen Zahlungen an die Schlösser- und Seenverwaltung, die sich mit einem längeren Steg auf etwa 8000 Euro jährliche verdoppeln würde, müsste gestemmt werden.

Zurück zur Natur in der Schwaighofbucht: Stadtrat begrüßt die Vorschläge

Die Pläne wurden ringsum begrüßt, Vize-Bürgermeister Michael Bourjau (FWG) hielt es für wichtig, den südlichen Bereich als Badeteil freizuhalten. „Der Plan ist ein guter Kompromiss für streitbare Geister und den Tourismus“, fand Bourjau. Nach Ansicht von Thomas Mandl (SPD) steigere die Maßnahme die Attraktivität, sie sei naturnah und biete viele Vorteile. Als „bestmöglichen Kompromiss, damit wieder Ruhe einkehrt“, bezeichnete Günter Allerstorfer (CSU) die Renaturierungsmaßnahmen. Wichtig war nicht nur Rudolf Gritsch (CSU), dass Infotafeln und ein Beobachtungsstand entstehen – „um kennenzulernen, was da in der Bucht passiert.“

Der Ruderclub kann das nicht alleine stemmen.

Ursula Janssen (Grüne) zur Unterstützung für die geplante Steg-Verlängerung.

Die Beteiligung der Stadt an den Kosten des Ruderclubs hielt nicht nur Mandl für wichtig. Sie lag auch Ursula Janssen (Grüne) am Herzen. „Der Verein kann den Steg finanziell nicht alleine stemmen, wir sollten uns nicht aus der Verantwortung rausziehen“, forderte Janssen. Hagn betonte, dass die Stadt beim Verein im Wort stehe, allerdings müsse zuerst geklärt werden, wie der Freistaat dem Club entgegenkomme. Dass er Unterstützung vom Freistaat braucht, wurde dann im Beschluss festgehalten. Der Plan zur Renaturierung wurde einstimmig befürwortet.

Arger wegen fehlender Schnelltests.

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gr

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