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Jede Menge Wortwitz und Slapstickeinlagen: Das ausnehmend witzige Stück trieb den Zuschauern die Lachtränen in die Augen.

Brechend volles Haus

Neue Komödie im Volkstheater: schmissig, lustig und frech

Volles Haus, ein nigelnagelneues, schwungvolles und megalustiges Stück, begabter Schauspielernachwuchs: Mit „Ein Zimmer für Fanny“ feierte das Tegernseer Volkstheater eine umjubelte Uraufführung.

Tegernsee – Der Erfolg der letzten Komödie („Trauung mit Hindernissen“) aus der Feder von Andreas Kern, die jüngst im Fernsehen ausgestrahlt wurde, hat dem Tegernseer Volkstheater am Ostersamstag nicht nur ein brechend volles Haus beschert. Der überregionale Erfolg hat es geradezu befeuert.

Derart beflügelt hat Bühnenautor, Regisseur, Schauspieler und Theaterleiter Andreas Kern mit seinem neuen Stück seine bis dato schmissigste, lustige und frechste Komödie vorgelegt: „Zimmer für Fanny“. Da wird das Leben des Realschullehrers Bernhard Ambrosi (Andreas Kern), das er sich zusammen mit seinem erwachsenen Sohn Max (Felix Holzapfel) und den beiden Studenten Tobi (Tobi Bubani) und Felix (Felix Thörl) in einer lässig-liberalen Männer-WG eingerichtet hat, durch die Weiblichkeit ziemlich durcheinandergebracht. Zum einen taucht nach Jahren der Beziehungsabstinenz eine mannstolle Nachbarin (Susanne Braune) auf, die sich ziemlich unverblümt an den attraktiven Best Ager ranschmeißt. Zum anderen steht nach Jahren der Funkstille Tochter Fanny (Nicola Pendelin)vor der Tür – mit Sack und Pack und hochschwanger. Und obendrein nicht gut auf ihren Vater zu sprechen, von dem sie sich seit der Scheidung der Eltern verraten und vernachlässigt fühlt, was wiederum die Beziehungsfähigkeit zum Erzeuger des eigenen Kindes beeinflusst.

Viel Dynamik liegt also in der Beziehungskomödie, die Kern, angereichert durch schmissig-freche (und perfekt sitzende) Dialoge in bester Screwball-Manier anlegte. Wenn Nachbarin Serena verführerisch haucht: „Ah, sie sind am 16. April geboren, wie Charlie Chaplin und der alte Papst: Widder. Wussten Sie, dass er ein leidenschaftlicher und ausdauernder Liebhaber war?“ Und Ambrosi naiv nachfragt: „Wer? Der Papst?“, dann liegt das Publikum fast vor Lachen unter den Stühlen. Ebenso als die Feng-Shui-Beraterin alle Möbel umstellt, damit sein „Energiefluss“ wieder in Schwung kommt.

Wortwitz und mehr oder minder versteckte Anzüglichkeiten („Morgen ist die Nacht der Nächte. Weißt Du noch, wie es geht? Und brauchst an Gummi?“, fragt etwa Sohn Max und entrollt eine ganze Batterie Kondome.) zünden ebenso wie die Slapstickeinlagen. Dem Publikum trieb es die Lachtränen in die Augen, als die Studenten als Elfen über die Bühne zu einer Ork-Party über die Bühne turnen oder einer von ihnen im Klettergurt vom Balkon hängt.

Zum Brüllen komisch die Running Gags des sich zoffenden, älteren Ehepaares, dargestellt von Barbara Kutzer und Hanno Sollacher, die sich damit als Traumpaar des Volkstheaters etablierten. Als aber Kern/Ambrosi durch den versehentlichen Konsum von Haschkeksen mit einer schwarzen Salatschüssel auf dem Kopf Darth Vader mimt, gibt es kein Halten mehr.

Am Ende gibt es für die Truppe minutenlangen donnernden, stehenden Applaus und lautstarken Jubel, den der ehrwürdige Ludwig-Thoma-Saal so lange nicht gehört hat. Mit „Zimmer für Fanny“ hat das Tegernseer Volkstheater das Genre einem neuen Publikum erschlossen. Denn es waren überdurchschnittlich viele junge Leute im Publikum.

Alexandra Korimorth

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