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Stephan Köhl wird zum Beginn des neuen Jahres Geschäftsleiter der Tegernseer Tal Tourismus GmbH.

Interview mit neuem Tourismus-Chef Stephan Köhl

"Tegernsee ist der Watzmann des Landkreises"

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Tegernsee - Stephan Köhl (51), derzeit noch Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH,  wird neuer Tourismus-Chef am Tegernsee. Er hat sich viel vorgenommen - ein Interview.

Stephan Köhl, im Münchner Umland aufgewachsen, tritt zu Beginn des neuen Jahres seinen neuen Posten als Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) an. Er ist damit Nachfolger von Georg Overs. Gegenüber der Tegernseer Zeitung stand er Rede und Antwort zu den künftigen Herausforderungen.

Herr Köhl, was zieht Sie von Berchtesgaden an den Tegernsee?

Die Naturschönheiten im Berchtesgadener Land sind wirklich toll. Aber ich bin ein alter Wassersportler. Rudern, segeln, das ist mir einfach viel lieber, als im siebten Schwierigkeitsgrad zu klettern. Der Tegernsee ist etwas ganz Besonderes, er ist der Sonnensee in den Bergen.

Die Zahl der Übernachtungen ist im Raum Berchtesgaden viel größer als am Tegernsee. Da scheint der Wechsel doch ein Rückschritt zu sein.

In der Region Berchtesgaden haben wir 3,5 Millionen Übernachtungen, am Tegernsee sind es 1,5 Millionen. Aber der Tegernsee hat mit seiner herausragenden, auch wertschöpfenden Hotellerie, mit seiner Gastronomie, mit den Waldfesten Vielfältiges zu bieten. Mir sagt auch der Oberland-Baustil mehr zu. Ich freue mich auf die liebliche Bergwelt, den Wassersport und die Nähe zu München.

Dafür ist Ihr Team jetzt größer. Eine komfortable Situation?

Ich glaube nicht, dass es komfortabel ist, da jede Menge Projekte umgesetzt werden müssen und wir extrem viele Aufgaben zu bewältigen haben. Es ist hier gelungen, eine Vollintegration von den Tourist-Infos übers Marketing bis zur Gästekarte zu schaffen, das gibt es nicht oft. Man kann hier vieles machen, und darauf freue ich mich.

Es wird auch einen privaten Fachbeirat geben, dem ein Mitspracherecht zugesichert wurde. Ist das in Ihrem Sinn?

Absolut. Der große Vorteil eines Fachbeirats ist, dass dort nicht Politiker den Ton angeben, die auch andere Themen und Ziele haben. Der Fachbeirat ist ein Gremium, in dem Diskussionen mit einer ganz anderen Qualität geführt werden. Ein Gastgeber weiß, dass er mit dem Tourismus Geld verdienen muss, das ist sein Geschäft.

Entscheiden kann der Beirat nach der neuen Satzung aber nichts.

Das liegt bei den Politikern. Die Erfahrung, zum Beispiel in München, zeigt, dass Empfehlungen des Fachbeirats in der Regel vom Stadtrat durchgewunken werden. Ich rechne mir mit dem – hier zum Glück sehr heterogenen – Fachbeirat ein konstruktives, sehr intensives Zusammenarbeiten aus. Das wird helfen, schnell und professionell zu entscheiden. Die Bürgermeister haben schon bei meinen Einstellungsgesprächen Anastasia Stadler als Vertreter des Beirats dazugeholt. Das ist ein schönes Signal.

Ihr größter Erfolg in Berchtesgaden war die Online-Präsenz. Ist dieser Bereich am Tegernsee Ihr Schwerpunkt?

Bei den vergleichbaren Destinationen ist Berchtesgaden die digitalste und aktivste. Am Tegernsee haben wir uns viel in diesem Bereich vorgenommen. Aber es gibt auch andere Themen, die wichtig sind.

Was denn im Besonderen?

Ein großes Thema wird die zukünftige Positionierung der Organisationen TTT und ATS (Alpenregion Tegernsee Schliersee) sein. Man sieht in vielen Gesprächen, wie unklar nach außen hin die Wahrnehmung der Zuständigkeiten ist. Wir müssen in den nächsten Monaten nicht nur für die Leistungspartner in der Region und die Gäste, sondern auch für uns deutlich definieren, wer für was verantwortlich ist.

Sie haben ja den Vorteil, dass Sie als Neuling von der Debatte noch nicht ermüdet sind.

Mir tun die, die sich mit viel persönlichem Einsatz und Leidenschaft für die Fusion eingesetzt haben, wirklich leid, dass die Verhandlungen nicht befriedigend zu Ende gebracht werden konnten. Aber es muss jetzt eine Lösung her.

Und wie soll die aussehen?

Der Tegernsee ist der Watzmann des Landkreises Miesbach. Er ist die wichtige Marke des Landkreises, und auch die Nicht-Tal-Gemeinden sind gut beraten, mit ihr nach draußen zu gehen. Das haben uns manche Destinationen in Österreich voraus, dass man sich zwar intern fetzt, aber dann gibt es eine Entscheidung. Dann wird aus Saalbach-Hinterglemm einfach Saalbach. Je kürzer, je knapper, je stärker, desto besser für alle.

Also muss man die Marke ATS aufgeben?

Nicht unbedingt. Man braucht eine Kernmarke, aber man kann schon mit mehreren Einzelmarken in den Handel gehen. Die müssen zusammenarbeiten und sich ergänzen, dürfen aber nicht gegeneinander arbeiten. Die Tegernseer Tal Tourismus GmbH kann beispielsweise nicht das Thema Wanderwege im ganzen Landkreis anpacken, da braucht es eine eigene Organisation, die sich um Themen außerhalb des Tals kümmert und mit der wir projektbezogen zusammenarbeiten.

Sind Sie denn selbst schon am Tegernsee zuhause?

Mitte Dezember beziehen wir eine sehr schöne Wohnung in Gmund-Finsterwald, in einem wunderbar hergerichteten Hof. Das ist auch für meine Lebensgefährtin sehr günstig, die als Tourismusberaterin in München beruflich tätig ist. Ich hoffe, dass wir nicht allzu oft im Stau stehen. Das Thema Verkehr ist für mich auch ein sehr wichtiges. Ich selbst will so oft wie möglich mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Mit dem Elektrorad – dann kommt man dann nicht verschwitzt an.

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