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Schön, aber alt und unpraktisch: das Gebäude der Tegernseer Feuerwehr in der Hochfeldstraße.

Erste Entscheidungen getroffen

Neues Feuerwehrhaus: Wird teuer, muss aber sein

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Auch wenn’s eigentlich pressiert: In kleinen Schritten nähert sich der Stadtrat einer Lösung fürs Feuerwehrhaus. Nach einer Klausursitzung gab‘s jetzt neue Entscheidungen.

Tegernsee – Im Februar hatte der Stadtrat zuletzt die wegweisende Entscheidung getroffen: Das alte Feuerwehrhaus kommt weg und wird durch einen Neubau ersetzt. Viele Tegernseer bedauern dieses Schritt, denn das Haus aus dem Jahr 1927 mit seiner Lüftlmalerei und seinen schmucken Holztoren prägt die Stadt und gehört zu den schönsten Gebäuden. Das hilft der Feuerwehr wenig: Die Fahrzeuge passen nur noch mit Ach und Krach in die Garagen, es fehlt hinten und vorne. Am Mittwochabend öffnete die Feuerwehr für alle Bürger die Tore und machten klar, warum eine neues, den Anforderungen entsprechendes Feuerwehrhaus dringend nötig ist.

Der Stadtrat macht sich seine Entscheidungen nicht leicht. Immer wieder werden neue Vorschläge geprüft, am 28. März brüteten Stadträte, die Feuerwehrspitze, Städteplanerin Claudia Schreiber, Vertreter der Regierung von Oberbayern und der Kommunalen Unfallversicherung Bayern (KUVB) über grundsätzlichen und detaillierten Fragen.

Braucht die Feuerwehr wirklich so viele Fahrzeuge?

Unter anderem ging es darum, ob die Tegernseer Feuerwehr ihre sieben Fahrzeuge und drei Anhänger – darunter einer für das Feuerwehrboot obendrauf – unbedingt braucht. Diese Zahl war im Stadtrat zuvor angezweifelt worden. „Ja“, sagt Kommandant Wolfgang Winkler. Dies betrifft auch den Kommandowagen, einen BMW X3. Könnte man diesen in der Waschhalle parken? Ist diese Waschhalle unbedingt nötig? Das Parken dort sei ungünstig, die Halle grundsätzlich unverzichtbar, so das Ergebnis der Klausurbesprechung. Würde man die Fahrzeuge woanders zum Waschen fahren, würde dies einen zeitlichen Mehraufwand für die Feuerwehrmänner bedeuten. Ungünstig sei es, die Fahrzeuge hintereinander zu parken. Unverzichtbar seien zudem Flächen im Erdgeschoß für Umkleiden, Dekontaminierung der Kleidung, Schulungsräume. 

Sogar der Bau eines zweiten Feuerwehrhauses in Tegernsee-Süd stand zur Debatte

Sogar der Bau eines zweiten Feuerwehrhauses in Tegernsee-Süd wurde in Erwägung gezogen, um Platz und damit Kosten eines Neubaus zu sparen. Am Ende wurde diese Idee verworfen. Außer Frage stand am Ende der Klausur: Die Entscheidung für einen Neubau mit neun oder zehn Garagen auf dem Gelände an der Hochfeldstraße ist richtig. Gefeilscht wird dennoch um jeden Meter. Daher soll nun geprüft werden, ob das Boot in einem eigenen Bootshaus am See untergebracht werden könnte. Dafür gäbe es allerdings keine Fördermittel, für die Unterbringung in der Feuerwehrhalle schon. Der See gehört zum Aufgabengebiet der Stadt. Hier Menschen in Not zu retten, ist ihre Aufgabe und damit die der Feuerwehr.

Zu den Kosten: Claudia Schreiber rechnete erneut vor, dass pro Garage, die 4,50 Meter breit, zehn Meter lang und 5,50 Meter hoch sei, 88.345 Euro an Staatszuschuss zu erwarten seien. Bei neun Garagen dürften dies rund 666.000 Euro sein. Lediglich 5343 Euro würde sich die Stadt beim Verzicht auf eine Garage sparen. Schreiber muss Baukosten ansetzen, die im Tegernseer Tal um 21 Prozent über dem Landesdurchschnitt liegen. Auf rund sechs Millionen Euro beläuft sich die erste Kostenschätzung.

Erneut wurde über die Größe des Hauses diskutiert: „Es wäre sträflich, wenn wir den Platz zu knapp berechnen“, mahnte Rudolf Gritsch (CSU). Um jeden Quadratmeter zu diskutieren, sei nicht richtig. Auch Thomas Mandl (SPD) war dieser Meinung: „Wir sollten kein Gebäude bauen, das auf Kante genäht ist, das wäre fatal.“ Mandl bedauerte den Abriss des alten Feuerwehrhauses und forderte für den Neubau: „Die Stadt braucht wieder ein identifikationsstiftendes Gebäude, wie der Altbau es war.“

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) versuchte die Entscheidung des Stadtrats erneut plausibel zu machen. „Ich treffe die Entscheidung auch nicht leicht, zumal mein Urgroßvater schon bei der Feuerwehr hier Dienst getan hat.“ Aber die Stadt müsse Bedingungen für die Feuerwehrler schaffen, damit keiner im Einsatz zu Schaden komme. 30 Prozent aller Unfälle von Feuerwehrlern, so hatten die Stadträte bei der Klausur schon erfahren, würden in den Feuerwehrhäusern passieren. Die Machbarkeitsstudie ist nun abgeschlossen, am Fahrzeugbestand gibt’s nichts zu Rütteln. Ob der Neubau neun oder zehn Garagen und das Boot eine eigene Hütte bekommt, wird noch entschieden – in einem nächsten Schritt. Hinter diesem Weg steht nun der komplette Stadtrat.

gr

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