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Neues Kita-Jahr im Kreis Miesbach: Viele Familien gehen leer aus

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Von: Gabi Werner

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Spielen und lernen in der Kita: Theoretisch hat jedes Kind ab dem ersten Geburtstag darauf einen Rechtsanspruch. In der Realität gibt es auch im Landkreis viel zu wenig Betreuungsplätze.
Spielen und lernen in der Kita: Theoretisch hat jedes Kind ab dem ersten Geburtstag darauf einen Rechtsanspruch. In der Realität gibt es auch im Landkreis viel zu wenig Betreuungsplätze. © Thomas Plettenberg

Gerade hat das neue Krippen- und Kindergartenjahr begonnen. Für viele Familien im Kreis Miesbach bringt es aber keine Erleichterung – sie haben sich vergeblich um einen Betreuungsplatz bemüht.

Tegernseer Tal/Landkreis – Seit 2013 haben Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Kindertageseinrichtung (Kita) oder alternativ in der Kindertagespflege. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht die Situation viel düsterer aus. Unter anderem auf Facebook-Gruppen wie „Tegernsee hält zusammen“ trifft man immer wieder auf Posts, in denen berufstätige Eltern verzweifelt um Rat bitten, weil sie für ihr Kleinkind keinen Kita-Platz im Tegernseer Tal oder überhaupt im Landkreis bekommen haben und auch Tagesmütter mit freien Kapazitäten kaum noch zur Verfügung stehen.

In vielen Kommentaren wird dann auf den Rechtsanspruch verwiesen und darauf, dass sich Betroffene an das Jugendamt in Miesbach wenden sollten. Aber bringt das tatsächlich etwas? Landratsamts-Sprecherin Sophie Stadler klärt auf.

Schaffung neuer Krippenplätze? Wegen Personalmangel kaum umsetzbar

Primär zuständig für die Kinderbetreuungseinrichtungen seien die Städte, Märkte und Gemeinden, betont die Pressesprecherin. Heißt: Die Kommunen müssen den Bedarf selbst ermitteln und die entsprechenden Plätze schaffen. Angesichts des Fachkräftemangels in der Branche sei dies aber oftmals „ein Ding der Unmöglichkeit“, räumt Stadler ein. Selbst bei einem Ausbau der Plätze – am Tegernsee wird derzeit unter anderem in Bad Wiessee ein neues großzügiges Kita-Zentrum errichtet – lasse sich daher kaum eine Verbesserung der Situation erzielen.

Zahl der Betreuungsplätze im Landkreis reicht bei Weitem nicht aus

Insgesamt gibt es im Landkreis Miesbach laut Stadler 64 Betreuungseinrichtungen mit 4663 Plätzen, wobei die Zahlen starken Schwankungen unterliegen. Fest steht: Die Kapazitäten reichen bei Weitem nicht aus. „Es gibt jede Woche mehrere Nachfragen von Eltern, die nicht auf Anhieb einen Platz finden“, berichtet Stadler.

Kein Personal für Kindertagespflege: „Branche ist leer gefegt“

Hier kommt nun das Jugendamt ins Spiel, das für die Organisation der Kindertagespflege zuständig ist. „Kinder, die keinen Kita-Platz bekommen“, sagt Stadler, „können gegebenenfalls in eine Kindertagespflege vermittelt werden“. Doch auch bei den Tagesmüttern und -vätern schlägt der Personalmangel offenbar voll durch. „Die Branche ist leer gefegt“, erklärt die Behörden-Sprecherin. Trotz größter Bemühungen des Jugendamts sei es mittlerweile nicht mehr möglich, alle Kinder, die keinen Platz in der regulären Kita bekommen haben, in die Kindertagespflege zu vermitteln. Im Klartext: Viele Familien gehen zum neuen Kita-Jahr leer aus. Rechtsanspruch hin oder her.

Pfarrer Weber sagt: Tegernseer Tal steht noch gut da

Auch am Tegernsee gibt es Wartelisten. Dennoch zeigt sich der evangelische Pfarrer Martin Weber überzeugt: „Das Tegernseer Tal steht im Verhältnis zu vielen Regionen noch gut da.“ Dies liege daran, dass man hier als Verbund talweit zusammenarbeite „und die Kommunen ein sehr hohes Bewusstsein für das Thema haben“, meint Weber. Seine evangelische Kirchengemeinde leistete in Sachen Kleinkindbetreuung Pionierarbeit am Tegernsee und betreibt gleich mehrere Krippen in Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee. Die Schaffung weiterer Plätze, unter anderem in der Emmauskirche in Kreuth, ist in Planung.

Evangelische Einrichtungen als Arbeitgeber interessant

Aber wird sich für die Einrichtungen auch das nötige Personal finden lassen? Eine verlässliche Prognose kann Weber dazu nicht abgeben. Er betont aber: „In den letzten Jahren hatten wir ein gesundes Wachstum, so dass es bisher mit dem entsprechenden Einsatz funktioniert hat.“ Um selbst etwas gegen die Personalnot zu tun, investiere die Kirchengemeinde mit ihren Einrichtungen stark in den Bereich der Ausbildung, sagt Weber: „Von Schnupperpraktika über FSJ bis zur Berufsbegleitung.“ Ein weiterer Vorteil sei, dass die Kirchengemeinde am Tegernsee nicht nur Krippen betreibe, sondern in ihren Horten auch die Betreuung von Schulkindern anbiete. „Dadurch sind wir natürlich als Arbeitgeber interessanter, wenn jemand in verschiedenen Bereichen und mit verschiedenen Altersgruppen arbeiten möchte.“

Unterm Strich findet Weber: Das Platzangebot fürs Tal sei zusammen mit den geplanten Einrichtungen „sehr gut“. Im Moment reiche es zwar nicht für alle, „aber da versuchen wir, Härten abzufedern und Lösungen zu finden“, versichert der Pfarrer.

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