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Barbara Balk zeigt eine Werbesäule.

Tegernseer Geschäftsleute haben neue Plattform

Nicht ohne Stil-Diskussion: Stadtrat nickt leuchtende Werbesäulen ab

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Blickfang oder Dorn im Auge? Die Idee der Tegernseer Geschäftsleute, beleuchtete Würfel-Säulen als Werbeträger aufzustellen, sorgte im Stadtrat für Debatten. Am Ende überwog ein Argument.

TegernseeSechs aufeinandergestapelte Würfel, von innen beleuchtet, etwa zwei Meter hoch: Für dieses Werbesäulen-Modell hat sich der Verein der Tegernseer Geschäftsleute entschieden (wir berichteten). Einfach so installieren darf die Vereinigung die Säulen nicht: Es ist eine Ausnahmegenehmigung der Stadt gefragt. Denn es gilt eine Satzung, die Werbe-Wildwuchs in Tegernsee verhindern soll. Sie schreibt unter anderem fest, dass Werbung nur direkt am Laden erlaubt ist. Doch gerade das ist ein Problem. Das Gros der Gäste flaniert vom Bräustüberl kommend am Steg entlang und entdeckt die verstreut liegenden Läden nicht. Darum setzen die Tegernseer Geschäftsleute nun auf geschickt im Ort platzierte Gemeinschaftswerbung.

Um passende Standorte zu finden, ist Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) gemeinsam mit Vertretern der Geschäftsleute durch den Ort mars

chiert. Entscheidend war nicht nur die möglichst gut frequentierte Lage, sondern auch die Nähe zur Straßenbeleuchtung. Die Würfel beginnen zu leuchten, wenn die Laternen angehen. Werbung ist übrigens jeweils nur an drei Würfel-Seiten platziert. Auf der vierten wird ein historisches Bild von Tegernsee zu sehen sein.

Vier Standorte sind nun ausgewählt: am Rathaus, beim Bootsverleih Heinzelmann, am Bahnhof und in Tegernsee Süd. Letztlich gab die Mehrheit für alle Standorte das Okay. Allerdings war mancher nicht glücklich über die Entscheidung.

Vor allem Florian Kohler (Bürgerliste) sah sich im Zwiespalt. Zwar halte er die Unterstützung der Geschäftsleute für sehr wichtig, versicherte Kohler. Dennoch betrachte er die Säulen „kritisch, gelinde ausgedrückt“. Aus ästhetischen Gründen halte er sie für „nicht passend“, urteilte der Chef der Gmunder Papierfabrik. An den Säulen sei keine einheitliche Typografie hinzubekommen. Bedenken, die Thomas Mandl (SPD) verstehen konnte. Es könne schon ein „unruhiges Bild“ entstehen, das dem Auge wehtue. Aber letztlich seien die Säulen kaum höher als „ein großer Tegernseer“. Im Übrigen müsse doch nicht alles gleich sein, erklärte Andreas Obermüller (FWG): „Wir haben eine Vielfalt an Geschäften, das kann sich durchaus an der Werbung widerspiegeln.“

Bei der Mehrheit des Stadtrats kam die Idee, leuchtende Säulen zu platzieren, gut an. „Das ist mal ein anderer Ansatz, ein Eyecatcher“, meinte Peter Schiffmann (SPD). Die Säulen seien eine gute Ergänzung zum vor Kurzem angelegten Seelaub-Pfad der Geschäftsleute, erklärte Rudolf Gritsch (CSU). Es sei wichtig, die Besucher zu den weit verzweigt liegenden Geschäften zu führen. Darum vermisse er zwei weitere Standorte: den Zentral- und den Point-Parkplatz. „Da muss ich die Gäste aufgreifen.“

Norbert Schußmann (CSU) regte an, auf den Werbewürfeln auch noch einen Ortsplan zu platzieren. Die Adresse der werbenden Läden allein sei für Auswärtige zu wenig, meinte er. Insgesamt finde er die Idee gut.

Auch Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) war keineswegs abgeneigt. Den Standort am Rathaus lehnte sie allerdings ab. Ihr Fraktionskollege Heino von Hammerstein pflichtete bei: „Das ist doch unser schönster Platz.“ Der Chef im Rathaus, Bürgermeister Hagn, fand den Standort hingegen wichtig. „Da kommen die Leute hin.“ Er halte die Säulen für eine gute Idee. Tegernseer Geschäftsleute – und nur sie – könnten so zum bezahlbaren Preis werben.

Die Säulen selbst finanzieren die Geschäftsleute, die Stadt stiftet den Strom. Tegernseer Unternehmer können Flächen für 390 Euro zwei Jahre lang mieten, Mitglieder der Vereinigung der Geschäftsleute zahlen 290 Euro.

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