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Teils mit erhobenem Zeigefinger hielt Nico Schifferer als Fastenprediger den Tal-Persönlichkeiten den Spiegel vor.

Starkbierfest im Tegernseer Bräustüberl

So war die Fastenpredigt von Nico Schifferer

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Tegernsee - Nachdenklich, mahnend und auch lobend: Fast zwei Stunden las Nico Schifferer in seiner Rolle als Bruder Barnabas beim 8. Starkbierfest im Tegernseer Bräustüberl den Tal-Politikern die Leviten.

Zu Auswüchsen wie am Münchner Nockherberg, wo Politiker beleidigt ihr künftiges Kommen aufkündigen, werde es nicht kommen, kündigt Nico Schifferer an, nachdem Wirt Peter Hubert die Gäste begrüßt, Landrat Wolfgang Rzehak mit vier sanften Schlägen das Starkbierfass angezapft und mit der Brauhaus-Spitze angestoßen hatte. So mancher hätte guten Grund, beleidigt zu sein, denn Nico Schifferer ist als Bruder Barnabas nicht zimperlich.

Da der „Wuschelkopf mit eingebautem Konfliktpotenzial“, also der Tegernseer Ex-Bürgermeister Peter Janssen, nicht mehr da ist, muss sich Barnabas seine Gedanken über den Amtsnachfolger Johannes Hagn machen. Weil der als „ruhender Pol am brodelnden See, als magistrale Friedenstaube“ aber leider nicht so viel hergibt, besinnt er sich auf die Heiss Maria. Auf deren „gelbe Gefahr“ in Form von Anzeigen und ihre „Pamphlete über das Versagen der Kommunalverwaltung“ sei wenigstens immer Verlass gewesen.

Schifferer marschiert rings um den See und findet in Gmund und Bad Wiessee „das gelobte Land“. „Da herrscht ein anderer Ton, mei Liaba“. Dass der Preysing Schorsch so narrisch ist wegen der nicht vorhandenen Tal-Solidarität und dem Streit um die von Peter Höß eingestellte „Zockerabgabe“ ist einfach ein gefundenes Fressen für einen Fastenprediger. Und überhaupt ist er dankbar, „dass die Wiesseer laut dem Guinness-Buch der Rekorde die harmonieloseste Siedlung in Europa sind“.

Allerdings mit überaus fleißigen Menschen wie Vize-Bürgermeister Robert Huber, „der Masochisten Robbi“. Der bekomme vom Rathauschef alles zugeschanzt, was nach Arbeit klingt und mit schlechter Presse verbunden ist. Alles andere, inklusive Anschwanzen an Schweizer Investoren, die für humpelnde Krückengänger das Wort „Patient“ nicht mal in den Mund nehmen, macht der Chef selber.

Wenn mit Nico Schifferer dann die Fantasie durchgeht, beflügelt durchs Starkbier, das er sich immer wieder von seinen Lieblingsbedienungen Erika Weiss und Jeannine „Schanni“ Moorenweiser bringen lässt, wenn er den Landrat wegen dessen schwacher Blase auf dem Weg zur Toilette spontan derbleckt, wenn er die Fotografen maßregelt, wenn er den ein oder anderen beim neugierigen Blick ins Smartphone wegen des parallel laufenden FC-Bayern-Spiels erwischt – dann ist Schifferer in seinem Element.

Dann sieht er den Preysing schon abkassierend an der Mautstelle zur künftigen Umgehungsstraße nach Wiessee hocken, dann malt er sich das neue Hochzeitspaket von Peter Hubert aus („Trauung im kleinen Bräustüberl oder im sinnlos leer stehenden Psallierchor nebst Schweinshaxe und Brotzeitbrettl für 59,90 Euro – mit Monsignore Waldschütz für 210 Euro“), dann rät er dem Ostiner Skiclub-Chef Georg Reisberger, statt auf Winterevents auf Rodelbahnrennen mit gleichzeitigem, 14-tägigen Waldfest inklusive Rockkonzert und eingebauter Sperrstundenverlängerung zu setzen.

Mit spitzer Zunge fabuliert er aber auch über Dinge, die es nicht brauche: Das Tal als „Münchner Oberland“ zu bezeichnen, sei „der größte Schwachsinn seit dem Dschungelcamp“, den sich das Wirtschaftsforum Oberland ausdenkt.

Am Thema Flüchtlinge kommt er nicht vorbei: Da zeigt er sich nachdenklich, mahnt zu Toleranz, erhebt den Zeigefinger gegen anonyme Internet-Kommentare, lobt die Helfer, kritisiert die Kanzlerin für ihren „wir schaffen das“-Satz und verarbeitet seine Gedanken schließlich in dem selbstkomponierten Lied „Leb’n mecht i a“, das er mit eigener Gitarrenbegleitung zum Besten gibt. Als mahnende Instanz präsentierte sich Schifferer dem geladenen Publikum, in dem auch Herzogin Helene in Bayern saß. G’stanzl gab’s erst am zweiten Abend, beim Starkbierfest für die Öffentlichkeit.

Zum Finale nach fast zweistündiger Predigt ist er aber ganz der Alte, da fantasiert er wieder in seinem unerschütterlichen Glauben an das Gute, an die Heimat und den Humor: Da sieht er unter anderem den Bauern-in-der-Au-Besitzer Haslberger den Friedensnobelpreis bekommen, „Hagn lernt das Schreien, Kreidl wird Justizminister, in Rottach fährt man Tempo 15, Manuel Neuer rutscht samt Haus in den See, Kaltenbrunn-Gäste beschweren sich über zu große Portionen, am Oedberg liegt zwei Meter Schnee, statt A-ja-Hotel baut man eine Kinderkrippe, in der fünf Hubert-Schratzen zuschauen, wie der Papa kocht und der Bierschneider ruft ‚geh weida, is scho wieder a Jahr vorbei?’“

Die Bilder vom Starkbierfest mit Nico Schifferer

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