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Schlichter Aushang: Das Olaf Gulbransson Museum bleibt am 28. und 29. März geschlossen. Die Gründe sind nicht näher aufgeführt.

„Man wollte uns loswerden“

Bitter: Mini-Jobbern im Gulbransson Museum gekündigt

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Im Olaf Gulbransson Museum in Tegernsee herrscht dicke Luft: Drei von sechs Mitarbeitern wurde gekündigt. Es handelt sich um 450-Euro-Kräfte, die Opfer einer Neustrukturierung der Staatsgemälde-Sammlungen sind.

Tegernsee – Doris Horn ist völlig aufgelöst: Gerade ist ihr ein Kündigungsschreiben ihres Arbeitgebers, der Bayerischen Staatsgemälde-Sammlung, ins Haus geflattert. Zum 30. Juni ist Schluss. Ihr zuletzt jährlich erneuertes Arbeitsverhältnis wird nicht mehr verlängert. Die über 70-jährige Tegernseerin kann’s nicht fassen: „Nach 21 Dienstjahren, mit Herzblut und ohne Fehl und Tadel, hätte ich nie daran gedacht, dass ich mal in diese Situation kommen würde“, sagt Horn, die anfangs fest, dann in Altersteilzeit und die letzten zehn Jahre als 450-Euro-Kraft angestellt war. Ihre Arbeit sei sowohl vom Vorstand als auch von den Mitgliedern der Olaf Gulbransson Gesellschaft geschätzt worden, betont sie.

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Horn steht nicht alleine da: Auch ihre beiden etwa gleichaltrigen Kolleginnen, ebenso zuletzt auf Minijob-Basis engagiert, haben eine Kündigung erhalten. Beide sind schon lange dabei, fünf und zehn Jahre. „Wir wohnen alle nah am Museum und konnten jederzeit einspringen, wenn mal jemand krank oder im Urlaub war“, sagt Horn. „Das hat wunderbar funktioniert. Wir haben uns alle prima ergänzt.“ Und nun diese Abfuhr.

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In dem Schreiben der Staatsgemälde-Sammlungen, einer Behörde des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, wird Folgendes aufgeführt: Im Zuge einer Prüfung durch den Obersten Rechnungshof seien die Zentralen Dienste der Staatlichen Museen und Sammlungen angehalten worden, auch bei Mini-Jobs, die auf einen regelmäßigen Einsatz der Beschäftigten zielen, Tarifverträge für den öffentlichen Dienst zu verwenden. Dies habe zur Folge, dass nicht mehr lediglich ein Stundenlohn vereinbart werden könne. Vielmehr müssten individuelle Eingruppierungen vorgenommen werden. Anfallende Zuschläge für Sonn- und Feiertagsdienste sowie Jahressonderzahlungen müssten dann ebenso wie die Arbeitszeit genau ermittelt werden, damit die monatlichen 450 Euro nicht überschritten werden. Dies sei, so heißt es in dem Schreiben, ein erheblicher Mehraufwand, der diese Art von Verträgen in Frage stelle.

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Darüber hinaus sei für das Tegernseer Museum entschieden worden, dass stets zwei Aufsichten anwesend sein müssen, zum 1. Juli werde daher der Aufsichtsdienst auf unbefristete Teilzeitarbeitsverhältnisse umgestellt. Diese Stellen würden demnächst neu ausgeschrieben. „Wir können uns gar nicht bewerben, denn wir sind allesamt zu alt“, muss Horn einräumen und zieht ein bitteres Fazit: „Man wollte uns loswerden.“

Tine Nehler, Pressesprecherin der Bayerischen Staatsgemälde-Sammlungen, hat Verständnis für den Unmut der Damen am Tegernsee: „Das ist wirklich ein hartes soziales Los.“ Die Stellen-Umwandlungen würden aber in allen 13 Staats-Galerien vorgenommen und hätten durchweg Vorteile für die Mitarbeiter. „Der Freistaat möchte Vorbild-Charakter haben und feste Teilzeit-Stellen einrichten“, erklärt Nehler, „auch wenn das im Fall des Tegernseer Museums bitter für die Betroffenen ist.“

Nicht nur der Personalrat hat sich inzwischen für die Damen eingesetzt. Horn und ihre Kolleginnen haben sich auch an Helmut Nanz, den Vorsitzenden der Gulbransson Gesellschaft, gewandt. „Es heißt, er will sich für uns verwenden“, sagt Horn. Die Angelegenheit liege jedoch nicht im Ermessen der Gesellschaft, sondern bei den Staatsgemälde-Sammlungen, betont Zweiter Vorsitzender Klaus Fresenius.

Die Personal-Problematik zeigt inzwischen erste Auswirkungen: An zweit Tagen musste das Museum im Kurgarten geschlossen bleiben. Offiziell wurden keine Gründe angegeben. Horn kennt ihn: Wegen Krankheit und Urlaub seien zwei Personen zu wenig da. „Unter normalen Umständen wären wir 450-Euro-Kräfte eingesprungen“, sagt sie. Die drei Damen hoffen, dass noch eine Lösung gefunden wird. „Das Museum“, sagt Horn, „ist für jede von uns Teil unseres Lebens.“

gr

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