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Die Drumsticks immer griffbereit: Schlagzeuger Pete York gibt im kleinen Bräustüberl einen Ausblick auf sein erstes Konzert im Rottacher Seeforum – und viele Einblicke in sein Leben als Musiker.

Schlagzeug-Legende organisiert Konzert

Drummer Pete York trommelt im Seeforum

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Rottach-Egern/Tegernsee - Mit der Spencer Davis Group wurde er Mitte der 1960er-Jahre berühmt, jetzt tritt er erstmals in seiner Wahlheimat Rottach-Egern auf. Wir haben den britischen Drummer Pete York getroffen.

Ein Glück, dass niemand Wein bestellt hat. Dünne Gläser haben geringe Überlebenschancen, wenn ein Schlagzeuger am Tisch sitzt. Vor allem, wenn dieser Pete York heißt und seine Drumsticks zur Hand hat. So wie an diesem Vormittag im kleinen Bräustüberl in Tegernsee. York hat eine Tasse Cappuccino bestellt, auch ein Krug mit Mineralwasser steht vor ihm auf dem Holztisch. Der Schlagzeuger schiebt noch einen Stapel Bierdeckel dazu, und ab geht die Post. Aus den Handgelenken heraus lässt er die Sticks über Glas, Holz und Porzellan tanzen. Es klappert, scheppert und klirrt. Nach wenigen Sekunden hat York die ungewohnten Resonanzkörper zu einem Rhythmus arrangiert – und singt dazu wie auf der Bühne: „Shake, Rattle and Roll.“ 

Pete York trommelt im Bräustüberl Tegernsee

Dieser Mann ist eine Legende: Pete York spielte einst Schlagzeug bei der Spencer Davis Group, ist nach wie vor begnadeter Musiker und lebt in Rottach-Egern. Dort wird es bald ein hochkarätig besetztes Konzert mit ihm geben. Im Bräustüberl Tegernsee hat er schon mal probe-getrommelt: http://bit.ly/1RHUrlD

Posted by Tegernseer Zeitung on Donnerstag, 7. April 2016

Der 73-Jährige aus Birmingham, der es mit der Spencer Davis Group zwischen 1964 und 1967 zu fünf Nummer Eins-Hits (z.B Keep on running) gebracht hat, braucht kein Schlagzeug, um Musik zu machen. Und doch stehen fünf im Keller seines Hauses in Rottach-Egern. Jedes in einer anderen Farbe: weiß-perlmutt, silver-, green- und blue-sparkle. Passend zu seinen Hemden, erklärt er schmunzelnd. 

Zu seinem Konzert am Mittwoch, 25. Mai, im Seeforum in Rottach-Egern wird er wohl das silberne Set mitbringen. „Das klingt am besten“, sagt er. Die Idee zu seinem ersten Auftritt in der Heimat hat York zusammen mit Markus Braml von der Tegernseer Pepi Kugler-Band entwickelt. Die beiden haben sich vor knapp drei Jahren beim Rottacher Seefest kennengelernt. Braml saß vor dem Hotel Bachmair am Schlagzeug, York hörte zu. Das mache er immer so, sagt der 72-Jährige und lacht. „Ich klaue gerne Ideen.“ 

Auch die Idee des Umzugs vom Starnberger an den Tegernsee stammt nicht von ihm, sondern von seiner Frau Meckie. Doch auch er fühle sich hier mittlerweile „wie im Paradise“. Täglich zwischen 17 und 19 Uhr setzt sich York ans Schlagzeug. „That’s gut gegen Herzinfarkt“, sagt er mit unverkennbar britischem Akzent. Den Frieden im Viertel störe das übrigens nicht. Sein nächster Nachbar sei 96 und fast taub. Dass er es diesmal allerdings nur zwei Kilometer bis zur Bühne hat, ist auch für York neu – aber durchaus angenehm. Vorbei die Zeiten, in denen er mit Eddie Hardin oder Chris Barber für bis zu 280 Konzerte pro Jahr kreuz und quer über den Globus gereist ist. Doch auch mit 73 tritt York noch 50 Mal im Jahr auf. Ein Privileg, das heute vielen jungen Musikern nicht mehr vergönnt ist, findet er. 

Das will er ändern. Am liebsten mit einem Musik-Club, in dem er selbst einmal im Monat auftritt – mit unterschiedlichen Besetzungen. So wie damals im Bachmair-Club, vor – York überlegt kurz –, dann sagt er ungläubig: „Oh my god, it’s 40 years.“ Höchste Zeit also, die Szene wieder aufleben zu lassen. Vielleicht auf Gut Kaltenbrunn. Mit Michael Käfer habe er schon mal locker über das Thema gesprochen. „Die Live-Musik muss weiterleben“, sagt York. In diesem Sinne sei sein Konzert im Seeforum „eine Probefahrt“. Allerdings in einem nobel ausgestatteten Wagen. Denn der Schlagzeuger hat vier befreundete Musiker eingeladen. Die Münchner Jazz-Sängerin Nina Michelle, mit ihrer rauchigen Stimme eine „Inspiration“ für ihn, Pianist Christoph Steinbach aus Kitzbühel, der mit seinen 39 Jahren die „Leading Entertainers“ der 1950er-Jahre in den USA verehre, und die Saxophonisten Stephan Holstein und Albie Donnelly. Über den Sänger der Band Supercharge sagt York: „He is a frontman.“ Und den brauche er auch, schließlich müsse er selbst ja am Schlagzeug sitzen – und könne deshalb „nicht so viel machen“. 

Das klingt nach britischem Understatement. Schließlich trommelt York bei seinen Auftritten auch gerne mal auf Kochtöpfen oder Gläsern herum. So wie als Achtjähriger in seinem Elternhaus – bevor er sich seine erste Snare Drum für drei Pfund zusammengespart hatte. Doch das mache er auf der Bühne nur noch, versichert York, wenn er „in the mood“ – also in Stimmung – ist. 

Die will er im Seeforum auch auf sein Rottacher Publikum übertragen. Die Bestuhlung sei daher „locker“ gewählt, bemerkt Organisator Braml augenzwinkernd. Falls die Leute gemeinsam mit der eigens engagierten Tanzmeisterin Conny Versteegen und ihren fünf Profi-Paaren zu Rock’n’Roll, Jazz und Boogie-Woogie tanzen wollen. Oder York einen Abstecher in die Zuschauerreihen macht – mit den Drumsticks, wohlgemerkt. Wer in der Pause Wein bestellt, ist selber schuld.

Karten für das Konzert am Mittwoch, 25. Mai, im Seeforum in Rottach-Egern gibt’s zum Preis von 35 Euro beim Musica!Laden in Rottach-Egern und beim Versicherungsbüro Braml in Tegernsee. Der Abend beginnt um 18.30 Uhr mit einem Empfang, Musikläden und -schulen bauen Infostände auf. Das Konzert startet um 20 Uhr.

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