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Stete Überwachung: Weil die Benediktus-Kapelle von der Tegernseer Pfarrkirche weg in Richtung See strebt, finden Messungen statt. 

Überwachungsmessungen sind im Gange 

Pfarrkirche Tegernsee: Benediktus-Kapelle rutscht Richtung See

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Ein Teil der ehemaligen Tegernseer Klosterkirche St. Quirinus rutscht Richtung See. An die eigentlich fällige Sanierung ist aber nicht zu denken. Die Gründe:

Tegernsee– Die beiden Rokoko-Kapellen, Quirinus im Norden und Benediktus im Süden, sind zwei besonderedere Schmuckstücke der ehemaligen Tegernseer Klosterkirche, 1746 bis 1748 von Johann Baptist Straub und einem Wessobrunner Stuckateur – wahrscheinlich Jacob Rauch – geschaffen. Die Kapellen wurden nachträglich angefügt, was sich im südlichen Bereich als Problem erweist. „Die Benediktuskapelle reißt von der Hauptfassade ab“, erklärt Fidel Niggl, der als Verbundspfleger des Pfarrverbands Tegernsee-Egern-Kreuth die Pfarrkirche betreut. Die Quirinus-Kapelle zeigt sich hingegen standfest.

Benediktus bewege sich in Richtung See, erklärt Niggl. Das gilt im Übrigen für den ganzen Komplex. Die Bewegung vollzieht sich sehr, sehr langsam, aber seit dem Jahrhunderthochwasser 2013 scheint sich das Problem verschärft zu haben. „Der Untergrund hat sich stärker bewegt“, erklärt der Kirchenhistoriker Roland Götz. In der Folge entstanden zahlreiche Risse. „Manche Fresken haben sich nur noch selbst getragen“, berichtet Niggl. Offenbar habe die Durchnässung des Untergrunds das Geschehen verstärkt. Das Gebiet, auf dem Schwemmkegel des Alpbachs gelegen, ist ohnehin sensibel.

In der Zeit nach dem Hochwasser gab’s in der Kirche viel zu kitten. Inzwischen sind die Arbeiten eigentlich abgeschlossen. „Wir haben erkennbare Risse gesichert und geschlossen“, erklärt Christoph Kappes, Pressesprecher des Erzbischöflichen Ordinariats. Aber: Die Kapelle ist nicht zur Ruhe gekommen. Aktuell, so Kappes, seien Überwachungsmessungen im Gange. „Wir schauen, was sich da so tut.“

Heißt: Im Moment kann niemand sicher abschätzen, wie schnell sich Benediktus vom Rest der Kirche löst. Und Historiker Götz, der regelmäßig Führungen durch die Pfarrkirche anbietet, wird den Besuchern noch oft erklären müssen, warum ein Gerüst in der kostbaren Kapelle steht, die Sanierung aber immer noch auf sich warten lassen lässt. Dagegen erstrahlt die nördliche Rokoko-Kapelle Quirinus schon seit 2008 in neuem Glanz. „Wir nähern uns also einem Zeitraum von zehn Jahren“, seufzt Götz.

Die große Renovierung des Kirchenraums fand schon früher statt: von 1998 bis 2004. Die Sanierung der Kapellen sollte später erfolgen, aus Kostengründen. In Angriff genommen werden konnte dann aber nur die Kapelle Quirinus. Für die Renovierung von Benediktus gibt’s angesichts der Probleme noch immer keinen Zeitplan.

In der jetzigen Pfarrkirche haben viele Epochen ihre Spuren hinterlassen. Bis 1803 war sie Klosterkirche der bedeutendsten Benediktinerabtei Oberbayerns. Ihr Ursprung reicht bis ins achte Jahrhundert zurück, wobei Reste aus dieser Zeit bisher nicht gefunden wurden. Instandhaltung und Renovierung der ehrwürdigen Kirche sind naturgemäß ein Dauerthema. Wie berichtet, steht aktuell die Renovierung der beiden gotischen Sakristeien auf der Prioritätenliste weit oben. Auch die Verbesserung des Brandschutzes ist geplant. Bis zum Herbst soll zumindest der Umfang der Maßnahmen geklärt sein.

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