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Wachteln am Spieß gab’s beim großen Fest auf der Tegernseer Point. Um die lange Geschichte seines Westerhofs zu würdigen, hat Andreas Greither die Historie aufleben lassen.

999 Jahre Westerhof

Auf der Point: Feiern wie im Mittelalter 

Tegernsee - 999 Jahre Klosterhof am Westerhof: Um dieser Geschichte Rechnung zu tragen, hat Andreas Greither als Eigentümer des Westerhofs ein Mittelalterfest auf der Tegernseer Point ausgerichtet.

Ein mittelalterliches Lager mit Recken, Rittern und Landvolk nahm den Platz ein. Das Volk nächtigte in Zelten, die sich als erstaunlich regenfest und warm erwiesen. Kleine Kinder in dickem Wams, Frauen mit Schnabelschuhen, Männer bei der Arbeit waren zu sehen. Buben staunten bei den Feuerschluckern. Dazwischen bunte Marktstände und fahrendes Volk mit Jongleuren und Falknern. 

Manchmal, wenn die tiefhängenden Wolken nicht gerade ihren Regen entluden, leuchtete das Kloster als grandiose Kulisse im Hintergrund. So könnte es im Mittelalter im Tegernseer Tal ausgesehen haben. Und so war es auch am Samstag. 1017 entstand der Westerhof, der heute von Andreas Greither als Hotel geführt wird. 1017 regierte Abt Ellinger im Kloster. Ein erfolgreicher Macher, der das Kloster kräftig ausbaute. 

Ginge es nach der bisherigen Historie, wurde in seiner Amtszeit der Westerhof als Klosterlehen gebaut. Inzwischen wurden Handschriften gefunden, die nahe legen, dass dieses Datum nicht eindeutig stimmt, oder, wie Historiker Dr. Roland Götz herausgefunden hat, „das Buch, auf das sich die Geschichtsschreiber immer beriefen, gar nicht aus dieser Zeit stammt“. Doch haben die Organisatoren beschlossen, die 999 Jahre zu feiern. Und das taten erstaunlich viele Besucher mit ihnen. „Das Wetter hat es uns denkbar schwer gemacht“, wertet Greither die Veranstaltung, selbst als mittelalterlicher Edelmann gekleidet, „aber wir können uns überraschend zufrieden geben.“ 

Die Wege auf der matschigen Point waren mit Rindenmulch aufgeschüttet, so dass die Besucher trockenen Fußes die Stände abwandern konnten. Und so kamen offenbar manche Besucher, die sonst wohl nicht dabei gewesen wären. Ein wilder Männerhaufen, der sich Rosamunde Pilcher-Stammtisch nennt, hatte eigentlich das Kreuther Waldfest angesteuert. Doch das wurde kurzfristig wegen des Wetters abgesagt, Auf dem Weg zum Bräustüberl kam der Stammtisch am Mittelalterfest vorbei und machte dort Halt. Eine Gruppe europäischer Touristiker, die auf Suche nach neuen deutschen Destinationen im Tegernseer Tal Stopp machten, kamen vom Jod-Schwefelbad. Sandra Kraft als Vertreterin der Tourismus-Organisation TTT hatte den Herrschaften aus Paris, Mailand und London vieles über die therapeutischen Angebote im Tal vorgestellt. Dass es im Tegernseer Tal auch eine reiche Kultur gibt, wurde den Gästen erst auf dem Fest klar. Sie hatten gedacht, dass Dirndl und Lederhose schon ein Kostüm aus dem Mittelalter seien. 

Dass im Tegernseer Tal mehr Geschichte ist als 200 Jahre Wittelsbacher, Tracht und Tradition, machte das Tal noch interessanter. „Sport und Wellness gibt es schließlich fast überall in Bayern“, sagte Cornel Simiu. „Die Nähe zu München und diese Historie sind besonders.“ Französisch und italienisch parlierend, servierte Greither persönlich Spanferkel aus dem Smoker. Zwölf Stunden garte der Braten in diesem besonderen Grill. Dazu gab es Wasser, Bier oder Met. Trotz der Regenschauer blieben viele. „Wir lieben dieses Lagerleben“, sagte einer aus dem Mittelalter-Gefolge. „Im Winter weben wir diese dicken Wolldecken, die enthalten noch das Lanolin. Sie kratzen zwar ziemlich, aber sie halten bis minus 17 Grad warm.“ 

Im nächsten Jahr gibt es wieder die Chance auf eine Zeitreise ins Mittelalter. Es soll eine Tausend-Jahre-Feier werden: Nicht nur das Klosterlehen Westerhof, auch die reiche Geschichte des Tals will Andreas Greither dann mit einem großen Fest begreifbar machen.

Von Sonja Still 

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